„Rechnung mit uns selbst“: Deutschland „brennt“ auf Olympia-Revanche

<p>Im Olympiafinale überließen der inzwischen zurückgetretene Kai Häfner und seine DHB-Kollegen den Dänen deutlich die Party.</p>
Im Olympiafinale überließen der inzwischen zurückgetretene Kai Häfner und seine DHB-Kollegen den Dänen deutlich die Party. | Foto: Tom Weller/dpa

15.000 ekstatische Fans, ein scheinbar übermächtiger Gegner – und eine „offene Olympia-Rechnung“: Beim Gedanken an das Hammerduell gegen Weltmacht Dänemark geraten die deutschen Spieler ins Schwärmen. „Es ist einfachgeil. Es ist für mich das Schönste“, sagte Juri Knorr vor dem Hauptrunden-Hit gegen den Serien-Weltmeister. Torhüter David Späth meinte voller Vorfreude auf den Hexenkessel von Herning: „Die Halle wird brennen, wir aber auch.“

In der Neuauflage des Olympia-Endspiels ist das Team von Bundestrainer Alfred Gislason am Dienstag (20.30 Uhr/ARD) heiß darauf, im Handball-Tempel Jyske Bank Boxen den Partycrasher zu spielen. Das Positive: Selbst bei einer Niederlage hat das DHB-Team den Viertelfinaleinzug noch selbst in der Hand.

Die deutliche Pleite von Lille vor rund fünf Monaten (26:39) treibt die DHB-Auswahl an, die hitzige Auswärtsatmosphäre dient als zusätzliche Motivation. „Wir haben jetzt eine große Revanche“, sagte Linksaußen Lukas Mertens voller Tatendrang. Vor den eigenen Fans hätten die Dänen „wahrscheinlich auch ein bisschen mehr Druck als sonst“.

Knorr sprach von einer offenen „Rechnung mit uns selbst, dass wir nicht wieder so aussehen wollen wie in dem olympischen Finale“. Es habe seinen Reiz, eine fremde Halle zum Schweigen zu bringen. „Den Favoriten zu ärgern“, so Knorr, mache manchmal „vielleicht ein bisschen mehr Spaß“ als in Köln, Hamburg oder Berlin zu spielen.

Um diesmal eine Chance zu haben, „müssen wir sehr, sehr effizient sein“, sagte Shootingstar Renars Uscins: „Das wird eine Riesenherausforderung. Die Karten werden neu gemischt.“ Der bislang letzte Sieg in einem Pflichtspiel gegen das Nachbarland liegt inzwischen neun Jahre zurück. Bei der EM 2016 gab es in der Hauptrunde einen 25:23-Erfolg – am Ende wurde Deutschland Europameister.

Neben der Effizienz in der Offensive wird es auch auf die Torhüter ankommen. Späth war beim Vorrundenabschluss am Sonntagabend gegen Tschechien (29:22) mit 14 Paraden der wichtigste Faktor, zwei Tage zuvor hatte Andreas Wolff gegen die Schweiz (31:29) mit 20 gehaltenen Bällen überragt. Dieses Gespann, ist der bislang bärenstarke Knorr überzeugt, könne „jedem Gegner den Zahn ziehen“.

Späth kramte noch einmal die Erinnerungen an den verrückten Olympia-Sommer, vor allem an das legendäre Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich vor 27.000 Zuschauern in Lille, hervor. „Das gibt ein bisschen Lille-Vibes, als die ganze Halle im Spiel gegen Frankreich gegen uns war“, sagte Späth.

Für eine erfolgreiche Revanche gegen Dänemark muss sich die deutsche Mannschaft aber steigern. Wie schon in den vorherigen WM-Spielen gegen Polen und die Schweiz brauchte es auch gegen Tschechien eine gewisse Warmlaufphase. Vor allem zu Beginn fehlt es noch an der Leichtigkeit, mit der das junge deutsche Team im Vorjahr zu Olympia-Silber gestürmt war.

Die dänische Übermannschaft von Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen dominierte bislang und nimmt „riesiges Selbstvertrauen“ mit in die Hauptrunde, sagte Welthandballer Mathias Gidsel. 31 WM-Spiele in Folge hat der Olympiasieger gewonnen, es soll der vierte Triumph in Serie her. „Egal, wie die Gegner heißen, wir wissen, wie schwer wir hier in Dänemark zu schlagen sind“, sagte Gidsel.

Gislason mühte sich, das Duell mit Blick auf die weiteren Hauptrunden-Partien gegen Italien (Donnerstag) und Tunesien (Samstag) nicht zu überhöhen. „Es ist nur ein Handballspiel“, beschwichtigte der DHB-Coach: „Dass alle Handballexperten auf Dänemark wetten, ist normal. Wir werden versuchen, das besser zu machen als bei Olympia und schauen, was das bringt. Danach kommen auch genauso wichtige Spiele.“ (sid/tf)

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