Was die Orgel in der Eifel über Kirche, Musik und Alltag erzählt

<p>Am kommenden Samstag findet ein Orgelkonzert in St.Vith statt.</p>
Am kommenden Samstag findet ein Orgelkonzert in St.Vith statt. | Foto: GE-Archiv

So bewegt die jüngere Geschichte der „Königin der Instrumente“ ist, so spannend sind auch ihre Anfänge. Der Historiker Carlo Lejeune hat das Aufkommen, die Verbreitung und die heutige Situation der Orgeln in der belgischen Eifel in einer Broschüre detailliert dargestellt. „Die Orgellandschaft im Eupener Land ist durch mehrere Autoren fast lückenlos beschrieben worden, für die belgischen Eifel bestanden aber noch erhebliche Lücken und Ungenauigkeiten“, so der Autor. Es gelingt ihm, die Rolle der Orgel aus kirchenmusikalischer, religiöser, mentalitätsgeschichtlicher, kunsthistorischer und gesellschaftlicher Perspektive spannend darzustellen.

Wesentlich früher als bisher bekannt seien Pfeifenorgeln in den Kirchen der belgischen Eifel installiert worden. Diese hätten aber unter anderem unter der Feuchtigkeit der Kirchengebäude stark gelitten. Preiswerter und leichter zu bedienen seien die Harmoniums gewesen, die die Kirchenmusik im 19. Jahrhundert noch dominiert hätten.

Erst im 20. Jahrhundert gewann die Pfeifenorgel an Bedeutung.

Erst im 20. Jahrhundert habe die Orgel mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden, was sich an der Presseberichterstattung ablesen lasse. Lejeune zeichnet nach, wie Pfeifenorgeln neben anderen Instrumenten wie Harmoniums, Hammond-Orgeln oder elektrischen Klavieren parallel die Kirchenmusik prägte. Er führt ein in die Herausforderungen der Pfarrgemeinden, die Kosten für einen Orgelneubau zu stemmen und wie sich vor allem in den 1980er und 1990er Jahren eine qualitativ hochstehende Pfeifenorgellandschaft auch in der belgischen Eifel etablierte.

Im dritten Teil stellt er gar die provokative Frage, ob mit dem 21. Jahrhundert das Ende der Kirchenorgeln in dieser ländlichen Region eingeläutet worden ist. Er analysiert die zahlreichen Querverbindungen der Pfeifenorgel zur Kirchenmusik, zur Lebendigkeit der Pfarrgemeinden, zur Musikausbildung in Ostbelgien, zu technischen Neuerungen, zu Finanzierungsmöglichkeiten und zum Denkmalschutz von Kirchen und Orgeln. Auch stellt er die klare Frage, ob sich die Glaubensgemeinschaft in Zukunft noch alle Kirchen und somit auch alle Orgeln leisten können.

Die Broschüre enthält neben den Ausführungen zu den Pfeifenorgeln der belgischen Eifel aus Sicht eines Historikers auch einen Abschnitt über prägende Organisten in Ostbelgien.

In einem fünften Teil skizziert der Autor kurz die Geschichte der zahlreichen Orgelmanufakturen, die Orgeln in Ostbelgien installiert haben. Auffallend ist, dass mit Orgelbau Schumacher, Eupen, der Manufacture d´orgues (Thunus), Malmedy, Orgelbau Gebrüder Müller, heute Weimbs Orgelbau, Hellenthal, und Manufacture d´orgues Thomas, heute Manufacture d´orgues de facto, Stavelot, allein vier bedeutende Manufakturen in Ostbelgien bzw. im unmittelbaren ländlichen Umkreis tätig sind (wenn man von den Aachener Orgelmanufakturen absieht).

In einem letzten Teil findet der Leser ein Inventar der Orgeln der belgischen Eifel pro Kirche, in dem die einzelnen Geschichte detailliert aufgeführt sind. Es basiert auf den Angaben von Roland Servais aus dem Jahr 1998, ergänzt oder berichtigt diese aber in zahlreichen Punkten.

Orgelkonzerte in St.Vith und Amel

Die Broschüre wird mit einem Orgelkonzert vorgestellt und zwar am Samstag, 11. Januar, nach der Abendmesse in St.Vith (ca. 19 Uhr) und am Sonntag, 19. Januar, um 17.30 Uhr in der Pfarrkirche in Amel. Die Orgeln spielen die Organisten Michael Schneider, Stephan Schmitz und Andreas Lejeune. Tickets unter www.obf.be. Die Broschüre ist bei den Konzerten, im Buchhandel oder beim Geschichtsverein ZVS und im Staatsarchiv für 10 Euro erhältlich. (red/ab)

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