Warten auf May: London muss Grund für Brexit-Aufschub liefern

<p>Theresa May, Premierministerin von Großbritannien, trifft Donald Tusk, EU-Ratspräsident.</p>
Theresa May, Premierministerin von Großbritannien, trifft Donald Tusk, EU-Ratspräsident. | Foto: dpa

Bislang ist vorgesehen, dass Großbritannien die EU am 12. April verlässt - also am kommenden Freitag. Um einen chaotischen Bruch mit unabsehbaren Folgen zu vermeiden, hat Premierministerin May in einem Schreiben an EU-Ratschef Donald Tusk um Aufschub bis zum 30. Juni gebeten. Tusk plädiert hingegen für eine flexible Verlängerung der Austrittsfrist um bis zu zwölf Monate. Dieser Vorschlag ist auch als „Flextension“ oder „Flexi-Brexit“ bekannt.

Die britische Labour-Opposition zeigte sich enttäuscht vom bisherigen Verlauf der Gespräche mit der Regierung über einen Ausweg aus der Brexit-Sackgasse. „Wir wollen, dass die Gespräche weitergehen“, sagte Labour-Brexit-Experte Keir Starmer am Freitagabend in einem Interview der BBC. Dazu müsse die Regierung aber zu Kompromissen bereit sein - und bisher schlage sie keinerlei Veränderungen an dem Deal vor.

May hatte sich Anfang der Woche an die Opposition gewandt und Kompromisse bei ihrem inzwischen drei Mal vom Parlament abgelehnten Brexit-Deal angeboten. Doch eine Einigung scheint noch lange nicht in Sicht.

Der EU-Experte Nicolai von Ondarza geht trotzdem davon aus, dass sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Sondergipfel am kommenden Mittwoch auf einen langen Aufschub des Brexits einigen werden. „Die Situation in London ist so verfahren, dass eigentlich eine neue politische Situation hergestellt werden muss - über lange überparteiliche Gespräche, Neuwahlen oder ein zweites Referendum“, sagte der für die Stiftung Wissenschaft und Politik tätige Politikforscher am Freitag in einem tagesschau24-Interview.

Ondarza sagte, der jüngste Brexit-Aufschub um lediglich zwei Wochen auf den 12. April habe gezeigt, dass eine kurze Verlängerung nicht ausreiche. Deswegen habe Tusk eine Verlängerung um bis zu ein Jahr empfohlen. Damit wäre „ausreichend Zeit, um in London wieder eine Einigung und eine stabile Mehrheit hinzubekommen für einen geordneten Brexit, wie auch immer der aussehen mag“, sagte der Experte.

Er gehe davon aus, dass der EU-Gipfel eine gemeinsame Lösung finden kann. „Man spielt jetzt so ein bisschen "bad cop, good cop".“ Die Franzosen erhöhten den Druck auf die Briten. Er sei dennoch überzeugt, „dass am Ende eigentlich alle 27 ein Interesse daran haben, einen geordneten Brexit mit Großbritannien hinzubekommen“. Aber sie hätten auch ein Interesse daran, den Briten klar zu sagen, dass es eine Verlängerung nicht umsonst gebe: „Sie müssen an den Europawahlen teilnehmen und der EU sagen, was sie erreichen wollen.“ (dpa)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment