Deutschland steht vor Neuwahlen, die Parteien überrennen sich mit ihren Wahlprogrammen. Migration, Steuern, Wirtschaft und Waffenlieferungen: Was wollen die Wählerinnen und Wähler jetzt hören? Gerade in dieser Situation ist die Expertise von Politikberatern wie Martin Fuchs gefragt. Schließlich wollen politische Akteure im Kampf um die Stimmen mit ihren Konzepten überzeugen. Und es gilt, die Wählerschaft überhaupt zu erreichen. Welche Mittel und Wege dafür infrage kommen und worauf es in seinem Beruf außerdem ankommt, erzählt Politikberater Martin Fuchs im Job-Protokoll:
Mein Weg in den Beruf: Eine kommunikative Ader hatte ich schon als Kind und Jugendlicher. Ich war Schüler-Sprecher und habe früh Demos organisiert, um meinem Unmut über Missstände Luft zu machen. Später habe ich den Studiengang Medienwirtschaft an der TU Ilmenau belegt. An der Uni und in meinem noch sehr jungen Studiengang lag vieles im Argen, deshalb habe ich mich engagiert und diverse Ämter an der Hochschule übernommen. Ich war unter anderem im Fachschaftsrat, war der erste männliche Gleichstellungsbeauftragte an meiner Uni. Zudem übte ich eine Zeit lang das Amt des Sprechers der ostdeutschen Studierenden aus und hatte in dieser Funktion etwa mit der Bundes- und Landespolitik über studentische Belange verhandelt. All diese Ämter haben mir viel Spaß gemacht. Nach circa fünf Jahren Engagement auf dieser Ebene entschloss ich mich, mit der Tätigkeit, die ich bis dato ehrenamtlich gemacht habe, Geld zu verdienen - und kam bei einer Lobby-Agentur in Berlin unter. Dort habe ich Unternehmen beraten. 2010 bin ich aus privaten Gründen nach Hamburg gezogen, habe mich als Politikberater, Speaker und Blogger selbstständig gemacht und mich dabei auf digitale politische Kommunikation spezialisiert.
Wie mein Berufsalltag aussieht: Natürlich haben Politikerinnen und Politiker in aller Regel ein Experten-Team quasi in den Zimmern nebenan sitzen. Aber der Blick von außen, also der eines Beraters oder einer Beraterin, ist ein anderer: neutraler und kritischer. Ich als Berater kann mit Kompetenz überzeugen, denn ich bin aufgrund jahrelanger Erfahrungen näher an Trends, vor allem im digitalen Bereich. Entsprechend kann ich mit meinen Kenntnissen Politikerinnen und Politiker inspirieren, dieses oder jenes in die Wege zu leiten. Viele Ideen und Strategien entwickeln sich aus der Kommunikation, also aus unmittelbaren Gesprächen mit den Akteuren. Ich bin übrigens ein echter Informations-Junkie: Ich liebe es, Infos aus Unterredungen, aber auch aus Online-Recherchen oder durch Studien- und Fachlektüre aufzusaugen. Sehr viel bin ich quer durch die Republik auf Reisen, um etwa auf Fraktionssitzungen, in Parteigremien oder in Ministerien präsent zu sein und mich austauschen zu können. Ich biete Politikerinnen und Politikern auch persönliche Coachings an. Ich rate beim Umgang mit den Medien zu Offenheit, Transparenz und Fairness. Bei Bedarf baue ich politischen Akteuren ein Redaktionsteam auf, entwickele Freigabe- und Redaktionsprozesse. Auch sorge ich, wenn das gewollt ist, für Verbindungen zu Bloggern & Co.
Wie ich zu fundierten Empfehlungen komme: Das ist in jedem Einzelfall eine große Herausforderung. Viele Empfehlungen, die ich ausspreche, basieren auf jahrelangen Erfahrungswerten. Zudem nehme ich mir immer ausreichend Zeit, um Dinge in Ruhe zu durchdenken und versuche, belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage meiner Empfehlungen heranzuziehen.
Leider gibt es aber oftmals noch keine Forschung zu aktuellen Fragestellungen. Manchmal erhebe ich deshalb auch selbst Daten und lote beispielsweise aus, ob es sich für politische Akteure lohnt, etwa auf der Plattform Tiktok aktiv zu sein oder ob es Alternativen gibt, bei denen Zielgruppen besser und effizienter erreicht werden können.
Die schönen Seiten und Herausforderungen: Es ist mega-interessant, in den Maschinenraum des Politbetriebs hineinzuhorchen und im Hintergrund mitzumischen. Dadurch habe ich ein Wissen, das die Allgemeinheit nicht hat. Ich komme mit interessanten Menschen zusammen, stehe immer wieder vor Herausforderungen.
Auch, wenn es zum Beispiel täglich neue Hypes und Trends gibt, die man verstehen und einordnen muss. Aber gerade durch die Herausforderungen lernt man täglich dazu und wächst. Eine Hürde ist zum Beispiel, dass die Prozesse mitunter behäbig sind, bis auf der Seite der politischen Akteure intern das ein oder andere Konzept genehmigt ist. Manchmal zeigen sich aber auch Leute in bestimmten Punkten ganz einfach beratungsresistent, da muss ich dann viel Überzeugungsarbeit leisten.
Mit meiner Arbeit möchte ich erreichen, dass die Politik insgesamt moderner wird und sich dem digitalen Raum stärker als bislang öffnet. Denn dort ist die Politik nahe am Puls der Zeit – und im digitalen Raum gilt es, nicht zuletzt die Demokratie zu verteidigen, die dort über Hass-Kommentare und dergleichen immer wieder infrage gestellt wird.
Wie die Bezahlung aussieht: Wenn ich Bundesministerien, Parteien oder Politikerinnen und Politiker berate, liegen meine Tagessätze zwischen 1.500 bis 2.500 Euro. Diese Summe beinhaltet auch die Vor- und gegebenenfalls die Nachbereitung. Vorträge und Projekte in Schulen oder Universitäten biete ich aber umsonst an.

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