Rudolf Chavet ist kein Unbekannter in der Welt der Alternativwirtschaft. Bereits 2008 stellte er erstmals sein Konzept vor, über das das GrenzEcho mehrfach berichtete. 2015 veröffentlichte er sein erstes Buch „Renaissance der Regionalwirtschaft.
Rudolf Chavet zur Solidarwirtschaft: „Die Zukunft ist regional und solidarisch“
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Kommentare
Lieber Rudi, habe in deinem Buch gelesen und finde, es ist mehr als an der Zeit, diese Wirtschaftsform, die sich auf Solidarität basiert, in die Tat umzusetzen. Leider ist unserer in allerlei Hinsicht "gesättigte" Gesellschaft nicht bewusst, dass dieser Weg unausweichlich sein wird für die Zukunft, damit die künftigen Generationen in Frieden und ohne herkömmliche Vorgehensweisen, was Inflation, Wertschöpfung versus Wertminderung, Arbeitsbeschaffung versus Arbeitslosigkeit angeht, die dann ad absurdum geführt werden können, besser leben. Ich kann die Lektüre deiner diesbezüglichen Gedanken allen Interessenten nur wärmstens empfehlen.
Sehr geehrter Herr Lentz, Ihre Argumentation in Ehren, aber die Welt funktioniert nicht mehr im Lokalen allein. Schon das Mittelalter hat den Handeltreibenden "erfunden", der Weltmeere bereiste, um neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Seidenstraße steht heute aktueller denn je für offene Märkte. Zudem sind Rohstoffe, Energiequellen ungleich verteilt, die eine Ausrichtung auf örtliche Betriebsstätten erschweren. Was ist so verwerflich daran, weltoffene Märkte zu nutzen? Sie ermöglichen uns ein Leben ohne Mangelwirtschaft. Fragen Sie Leute in der Dritten Welt warum deren Lebensumstaende sind, wie sie sind. Weil der Westen und Osten ihnen den Zugang zu den Weltmaerkten verweigert und nicht, weil sie lokal irgendwas herstellen. Ich bin seit über 35 Jahren im internationalen Vertrieb tätig, glauben Sie mir, einer von zwei Geschäftspartnern sitzt immer am längeren Hebel.
Eine Wirtschaftspolitik, die regional (auf ein Gebiet begrenzt) und solidarisch sein soll.
???
Ok, Seit gut 10 Jahren haben wir ein Gebiet in Europa, die das wieder sein wollte, nämlich Grossbritanien mit dem Brexit. Wer nicht kapiert, dass heutige Wirtschaft auf internationalen Verflechtungen basiert, der hat auch nie kapiert, warum ein jeder ein Loser wird, der diese Spielregel nicht verstanden hat.
Was am Brexit schlecht war, ist die Tatsache, dass es ein harter Brexit war, z.B. die Einwanderer aus Osteuropa wurden über Nacht verjagd und Investitionen von Auswärts (welches ein Standbein des Finanzstandortes London darstellt) wurden abgeschreckt, der wichtige Finanzsektor stürzte regelrecht zusammen.
Die Politik wollte britischer (englischer?) werden, und zeigte 2 Sachen:
1. Es muss nicht schlecht sein, die bürokratische Bevormundung von Brüssel abzustellen.
2. Und auf der anderen Seite sollte man ausserhalb kooperativ bleiben zu anderen ohne EU.
Solidarwirtschaft, was soll das sein? Wenn es eines Gutes gibt, dass Europa hervorgebracht hat, so ist es der Sozialstaat. Aber die meisten, die das Wort 'sozial' zuviel betonen sind immer die gleichen, die von 'Wirtschaft' nicht viel verstehen.
Dass Herr Chavet sich Gedanken macht über die immer weiter um sich greifende „Globalisierung“, ist gut und richtig. Leider erscheinen die von ihm aufgezeigten Lösungen eine Schwäche: sie sind nicht „globalisierbar“ und daher nur als kleine Tupfer einer Art lokaler Folklore denkbar.
Ein Beispiel, das viele von uns noch aus Kindertagen kennen: die Milchwirtschaft.
Früher gab es in fast jedem Haus einen landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerbsbetrieb.
Die Anzahl Kühe lag meist unter 15 (wir hatten deren am Anfang 7, später 14), sie wurden morgens und abends von Hand im Stall oder auf der Wiese gemolken.
Die Milch wurde in 20-Literkannen abgefüllt, die in einem Blechtrog mit Leitungswasser „gekühlt“ (!) wurden, bis der Milchfuhrmann sie mit einem Pferdegespann, später mit einem Traktor abholte und sie auf offenen (!) Anhänger zur 5 km entfernten Molkerei brachte., wo sie dann verarbeitet oder weitertransportiert wurde.
Ach ja, zwei Nachbarinnen, deren Ehemann Zollbeamter war, kamen morgens mit ihren Milchkännchen je zwei Liter frische Kuhmilch abholen – eine Direktvermarktung…
Diese „Kostprobe“ der damaligen Arbeitsweise muss aus Platzgründen genügen.
Das Bild der Landwirtschaft in demselben Dorf ist heute geprägt von einigen Großbetrieben mit ihren riesigen Stallungen, mit Monstertraktoren und dem entsprechenden Maschinenpark.
Sollte da jemand den Rückwärtsgang einlegen wollen, selbst ohne gleich bis zur oben geschilderten dörflichen Idylle zurückzugehen, so würde das schon am Personalmangel scheitern, von den anderen Hindernissen ganz zu schweigen: Kapital- und Flächenbedarf, Ausrüstung für Verarbeitung und Weiterverkauf (Milchkännchen geht nicht mehr und kleine, unabhängige „regionale“ Molkereien gibt es nicht mehr), usw.
Daran können auch die auf Märkten und Landwirtschaftsmessen anzutreffenden Verkaufsstände mit regionalen Produkten nichts, die immer nur ein Nischendasein führen können, wobei die Definition "regional" sich als sehr dehnbar erweist.
Der von Herrn Chavet entworfenen idealen Produktionsweise scheint mir dasselbe Schicksal beschieden zu sein wie der Regionalwährung Ostbelgientaler, die über einen Projektaufruf durch die DG trotz ausgelobter Subsidien nicht hinausgekommen ist.
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