„Das Wesertal“ von Jean Julémont und „Das Warchetal – Sicht auf Malmedy“ von André Blank. Der junge Blank (1914-1987) und Jean Julémont (1904-1979) sprechen eine sehr ähnliche Sprache. Beide Gemälde wurden durch die bekannte Lütticher Werkstatt Artbee Conversation restauriert.
Die Kunst soll leicht verständlich und volksnah sein.
Jean Julémont, geboren in Fraipont, war in erster Linie Landschaftsmaler. „Sein malerisches Gespür in diesem Bereich verdankt er seinen Kinderjahren, als er seinen Vater, einen Bäcker, auf seinen Liefertouren entlang der kleinen Straßen, die sich durch die hügelige Landschaft des Wesertals schlängeln, begleitete.“ (Michel Schroeder - Lëtzebuerger Vollek, 06.01.2024). Er gehört zu den „Intimistes Verviétois“, ein Freundeskreis von Malern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Intimiste“ im Sinne von „das Vertraute“ sowohl in schönen Landschaften wie im alltäglichen Leben. Volksnahe, leicht verständliche Kunst.
Georges Lebrun, der viele Jahre in Xhoffraix gelebt hat und dieses Dorf und das Hohe Venn beeindruckend verewigt hat, gehörte ebenfalls zu dieser Gruppe. In diesem Zusammenhang wird auch von der „Ecole du Liègeoise du Paysage“ gesprochen: Maler, welche vorzugsweise die Ardennen und das Hohe Venn auf die Leinwand bannten.

André Blank hat viele dieser Maler persönlich gekannt; alle, die einen Auftrag für die Ausstellung von 1939 erhielten, gehörten dazu. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat Blank sich fast ganz von der figurativen Malerei verabschiedet und seinen persönlichen Stil in mehreren Richtungen immer weiter entwickelt und das in verschiedenen Kunstgattungen.
Sowohl thematisch als auch in der Darstellung und der Farbgebung sind die Bilder ähnlich. Es handelt sich nur um Landschaft, Menschen kommen nicht vor. Die Naturkulisse der Täler bestimmt das Bild. Dorf und Stadt sind nur schemenhaft abgebildet. Geschwungene Linien formen die Flusslandschaft mit ihren Seitentälern.
Idylle steht im Vordergrund.
Bei Blank ist das ganze Tal ein großer Flickenteppich von Braunschattierungen bis zu helleren Grün- und Gelbtönen. Bei Julémont sind es kräftigere Farben, die den Fluss einrahmen. Auf beiden Bildern schlängeln sich Straßen ohne ein einziges Fahrzeug durch die Täler. Die Bahnlinie „durchquert“ die Landschaft über eine Brücke. Die Warche macht nur in der linken unteren Ecke einen Bogen um die Papierfabrik.
Bei Julémont bildet die Weser einen zentralen Punkt: ein idyllischer Bogen mit einer Insel im Fluss. Kaum vorstellbar, dass diese Idylle im Juli 2021 durch die entfesselte Weser zerstört wurde. (jowe)
Die Ausstellung „Horizons“ im Musée de la Vie Wallonne ist bis zum 5. Januar zu sehen. Sie zeigt einen Querschnitt aus der Sammlung der Provinz Lüttich von 1939 bis heute. Der Eintritt ist frei.

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