Heute werden die Weltmeisterschaften 2030 und 2034 vergeben – Belgien gratuliert den Bewerbern

<p>Saudi-Arabien wird offiziell die Weltmeisterschaft 2034 erhalten.</p>
Saudi-Arabien wird offiziell die Weltmeisterschaft 2034 erhalten. | Foto: belga

Was steht an?

Auf dem virtuellen Kongress des Fußball-Weltverbands FIFA am Mittwoch werden die Weltmeisterschaften 2030 und 2034 im Doppelpack vergeben. Für beide Turniere gibt es jeweils nur eine Bewerbung. Spanien und Portugal wollen die WM in sechs Jahren gemeinsam mit Marokko ausrichten, dazu sollen aufgrund des 100-jährigen WM-Jubiläums in Uruguay, Paraguay und Argentinien Spiele stattfinden. Deutlich umstrittener ist der bevorstehende Zuschlag für 2034 an Saudi-Arabien. Die Vergabe gilt in beiden Fällen als Formsache. Heute würden die 211 Mitgliedsverbände nur noch die Aufgabe das „durchzuwinken“, was FIFA-Boss Infantino „zusammen mit einer kleinen Gruppe von Leuten längst beschlossen hat“, kritisierte Miguel Maduro, früherer Governance-Chef des Weltverbandes: Es sei „schockierend, dass offensichtlich wirklich alles getan wurde, damit die Weltmeisterschaft 2034 an Saudi-Arabien vergeben wird“.

Wie werden die Turniere vergeben?

Über die beiden Turniere wird „en bloc“ entschieden. Wer also für 2030 stimmt, stimmt automatisch auch für 2034. Dem Vernehmen nach findet die Bestätigung per Akklamation statt. Kritiker sehen die Doppelvergabe als Abkehr von den Reformen, die infolge des FIFA-Skandals 2015 eingeführt worden waren. Zudem sei Saudi-Arabien durch einige Council-Entscheidungen erst der Weg geebnet worden.

Was sagt der belgische Fußballverband?

Der belgische Fußballverband beginnt mit Glückwünschen. Man wolle den beteiligten Verbänden zu „ihrer Kandidatur sowie dem dazugehörigen ehrgeizigen und umfangreichen Dossier gratulieren und ihnen für ihren Einsatz und ihr Engagement danken“, heißt es aus Tubize. Es verstehe sich von selbst, dass der Verband hoffe, dass sich die Roten Teufel für beide Turniere qualifizieren. „Zudem hoffen wir, dass eine Teilnahme – wie bei jedem anderen Spiel und Turnier – auf eine gesellschaftlich verantwortungsvolle und respektvolle Weise erfolgen wird.“ Bedenken in Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Saudi-Arabien seien nachvollziehbar. Er erklärt jedoch: „Wir verstehen die Bedenken hinsichtlich der Menschenrechtslage und der Arbeitsbedingungen (...). Aber eine WM ist mehr als nur ein Sportereignis; sie kann ein wichtiger Katalysator für gesellschaftliche Veränderungen sein.“ Die WM in Katar habe gezeigt, dass Dialog und Zusammenarbeit die besten Wege seien, um positive Entwicklungen anzustoßen. „Der Verband vertraut auf die Versprechen und Ambitionen, die die Organisatoren beider Weltmeisterschaften in ihren Bewerbungen dargelegt haben (...). Darüber hinaus hofft er, dass auch die Regierungen die Kraft des Fußballs nutzen, um dauerhafte positive Veränderungen zu erreichen.“ Auch andere europäische Verbände, die etwa 2022 in der „One Love“-Thematik involviert waren, verhalten sich inzwischen weitgehend ruhig und folgen der Linie der FIFA.

Warum eigentlich Saudi-Arabien?

Kritiker werfen der FIFA unter ihrem Präsidenten Gianni Infantino vor, dass sie den großen Geldgebern hörig ist. Infantinos Vorgänger Joseph S. Blatter sagt über seinen Landsmann, dass er die Geldmaschine immer mehr anheizt. In diesem Kontext wird auch Infantinos Präferenz für Saudi-Arabien gesehen - aller Proteste zum Trotz. Australien sah sich chancenlos gegen die Saudis und verzichtete auf eine Bewerbung.

Was ist mit dem Thema Menschenrechte?

Erst kürzlich erhob Human Rights Watch in einem Bericht erneut schwere Vorwürfe gegen Saudi-Arabien. Darin geht es um Zwangsarbeit, grassierenden Lohndiebstahl oder unzureichenden Schutz vor extremer Hitze. Auch nicht untersuchte Todesfälle von Arbeitern werden dokumentiert. Die Situation in dem Land, das den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 beauftragt haben soll, wird teilweise noch kritischer als vor der WM 2022 in Katar beschrieben.

Wie bewertet die FIFA 
die Menschenrechtslage?

Die FIFA bescheinigt Saudi-Arabien eine „einmalige, innovative und ambitionierte Vision“, im jüngsten Prüfbericht wird von einem „mittleren Risiko“ beim Blick auf die Menschenrechte ausgegangen. Dabei beruft sich die FIFA auch auf eine Bewertung einer in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad ansässigen Kanzlei, die von Menschenrechtlern als „künstlich eingeschränkt, irreführend und übermäßig positiv“ bezeichnet wird.

Wie geht es weiter?

Dieser „gefälschte Evaluierungsprozess der FIFA“ werde „unvorstellbare menschliche Kosten verursachen, einschließlich negativer Auswirkungen auf Wanderarbeiter und ihre Familien“, sagte Michael Page, stellvertretender Direktor für den Nahen Osten bei Human Rights Watch. Für das Turnier sind umfangreiche Baumaßnahmen nötig wie beispielsweise elf neue und vier renovierte Stadien. Dazu gelten die klimatischen Bedingungen im Sommer als riskant, wie bereits 2022 dürfte in Saudi-Arabien im Winter gespielt werden.

Welche Ziele verfolgt Saudi-Arabien im Sport?

Die dänische Initiative „Play the Game“ hat 910 Partnerschaften des Königreichs in verschiedenen Sportarten ausgemacht. Diese seien „Teil einer der Strategie, das globale Image des Königreichs zu verbessern und gleichzeitig den Sport als Instrument geopolitischen Einflusses zu nutzen“, sagte Stanis Elsborg von „Play the Game“ dem WDR-Magazin Sport inside. Der Einfluss im Fußball ist riesig, der staatliche Ölkonzern gehört beispielsweise seit diesem Jahr zu den FIFA-Sponsoren, der Staatsfonds (PIF) hat den Premier-League-Klub Newcastle United übernommen. Aber auch in der Formel 1, im Golf oder im Boxen mischt Saudi-Arabien längst im großen Stil mit. (mn/sid)

Kommentare

  • Werte Verantwortliche der FIFA , schauen Sie sich diesen Film doch bitte mal an : https://www.ardmediathek.de/film/undercover-in-saudi-arabien/Y3JpZDovL3d... !!! Und dann sagen Sie mir, ob Sie das mit Ihrem Gewissen vereinbaren können!?!? Das ist eine SAUEREI , was da mit den Menschen gemacht wird, und das nur wegen eines einem einmalig stattfindenden Turniers!!!!

  • Danke für den Hinweis, aber “dank” Geo-Blocking ist das Video in der DG leider nicht abzurufen, Herr Heinen.
    Was bringt der DG eigentlich die Anwesenheit eines eigenen Abgeordneten im Europa-Parlament?

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