Erkenntnisse aus alten Büchern: BVB auf der Suche nach Stabilität

<p>Beim FC Liverpool trainierte Nuri Sahin (Mitte) unter Brendan Rodgers, nun treffen beide mit Dormund und Celtic Glasgow aufeinander.</p>
Beim FC Liverpool trainierte Nuri Sahin (Mitte) unter Brendan Rodgers, nun treffen beide mit Dormund und Celtic Glasgow aufeinander. | Foto: dpa

Wenn Nuri Sahin wissen will, was ihn erwartet, kann er in zwölf Jahre alten Aufzeichnungen wühlen. Schließlich hat der neue Trainer von Borussia Dortmund unter Celtic-Teammanager Brendan Rodgers einst beim FC Liverpool gespielt – und ganz genau aufgepasst. „Ich habe jede Einheit mit ihm geliebt“, schwärmte Sahin vor dem Wiedersehen am zweiten Spieltag in der Champions League: „Ich habe mir bei ihm damals schon viel für meine Trainerkarriere aufgeschrieben.“

Im Kapitel „Stabilisierung einer wackelnden Abwehr“ sollte Nuri Sahin vielleicht noch einmal nachschlagen. Nach neun Gegentoren in den vergangenen drei Ligaspielen liegt die oberste Priorität am Dienstag (21 Uhr) darauf, defensiv endlich die Reihen zu schließen. „Du musst eine gute Restverteidigung auf dem Platz haben. Wir müssen die Absicherung besser stellen“, forderte er. Wie Brendan Rodgers: Der hat mit dem Double-Gewinner aus Glasgow in sechs Premiership-Spielen 20 Tore erzielt und noch keines kassiert.

Offensiv, das hat Sahin noch einmal betont, stimmt die „Drehzahl“. Nun soll jedoch die Gegentor-Bremse gezogen werden – im Kollektiv. „Unser Torhüter Gregor Kobel ist unser erster Angreifer, unser Stürmer Serhou Guirassy unser erster Verteidiger“, sagte der deutsche Nationalspieler Pascal Groß. Der BVB befinde sich in einem Lernprozess: „Aber während wir uns verbessern, müssen wir Spiele gewinnen.“

Das ist bisher halbwegs ordentlich gelungen. Der Champions-League-Start bei Landesmeister Club Brügge (3:0) war nicht berühmt, aber erfolgreich. Das Revierderby gegen den VfL Bochum drehte der BVB aus einem 0:2 in ein 4:2. Noch ein, zwei Siege, dann lässt sich das demütigende 1:5 beim VfB Stuttgart vielleicht schon wieder als fieser Ausrutscher deuten, nicht als Symptom schwärender Probleme.

Dafür muss es jedoch hinten stimmen – in Umschaltverhalten und Zuordnung. „Es geht um kompaktes Verteidigen, mit Zweikämpfen und Verantwortung“, ordnete Sportdirektor Sebastian Kehl an, Geschäftsführer Lars Ricken sprach im ZDF-Sportstudio über sein Unverständnis: „Das überrascht mich schon, vor allem, weil wir in der Innenverteidigung top aufgestellt sind.“ Doch selbst vier deutsche Nationalspieler im zentralen Defensivblock (Nico Schlotterbeck, Emre Can, Waldemar Anton und Groß) haben sich gegen Bochum, nicht gerade ein Team von Weltklasse, vorführen lassen. 

Guirassy musste zur Rettung eilen, er machte zwei Tore selbst und erzwang den Foulelfmeter zum Ausgleich. Ohne ihn gäbe es in Dortmund wahrscheinlich erhebliche Unruhe. „Das geht so nicht, wir müssen besser werden, einhundert Prozent“, sagte Kapitän Can unmissverständlich. Schon am Dienstag, aber auch in den folgenden Spielen: In drei Wochen reist der BVB zur Final-Revanche bei Real Madrid.

Celtic Glasgow ist zwei Nummern kleiner, aber doch ernstzunehmen. Sahin warnte: „Das wird eine Herausforderung für uns – sie Außenseiter zu nennen, wäre nicht fair.“ Auch weil Rodgers Sahins Philosophie genau kennt. (sid/tf)

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