Wolf: EU-Staaten wollen Schutz absenken – Arimont: „gute Nachricht“

<p>Kaum eine Debatte wird so emotional geführt wie der Schutz von Wölfen. Populationen in Europa erholen sich und sind vor allem Landwirten ein Dorn im Auge. Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit.</p>
Kaum eine Debatte wird so emotional geführt wie der Schutz von Wölfen. Populationen in Europa erholen sich und sind vor allem Landwirten ein Dorn im Auge. Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit. | Foto: picture alliance/dpa

Vertreter der EU-Staaten haben für einen abgesenkten Schutz des Wolfs gestimmt. Damit wurde in Brüssel der Weg für ein Verfahren freigemacht, um den Bestand des wegen Beutejagds auf Weidetiere umstrittenen Räubers strenger regulieren zu können. Vorgesehen ist, dass der Schutzstatus des Wolfs von streng geschützt auf geschützt gesenkt werden soll. Eine entscheidende Rolle spielt Deutschland: Die Bundesregierung ändert mit der Zustimmung ihren Kurs in der Wolfspolitik, auch wenn mit der Entscheidung ein schwächerer Schutzstatus noch nicht bindend in EU-Recht verankert ist. Erwartet wird, dass problematische Wölfe künftig leichter abgeschossen werden können, auch wenn Details dazu derzeit nicht feststehen. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen ist es Deutschland wichtig, dass nur der Schutzstatus für den Wolf und nicht auch für andere Tiere geändert werde. Zudem müsse aus deutscher Sicht eine Koexistenz von Wolf und Weidehaltung möglich sein.

Ein Kommissionssprecher sagte: „Wir haben auch sehr deutlich gemacht, dass es hier um den Wolf geht und nur um den Wolf.“ Jegliche Änderungen im EU-Recht würden sich auf diese spezielle Art beschränken. „Es geht darum, tödliche Risse und das qualvolle Sterben unserer Nutztiere zu beenden und gleichzeitig der Weidetierhaltung eine Zukunft zu geben“, sagte die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Carina Konrad. Naturschutz brauche klare Regeln und die Möglichkeit, Wölfe zu jagen.

Kritik an der Entscheidung äußerte die Naturschutzorganisation Nabu. „Wer annimmt, dass durch den erleichterten Abschuss von Wölfen das Risiko von Rissen verschwindet, irrt“, teilte der Nabu mit. Der Herdenschutz müsse immer eine Rolle spielen, denn auch wenige Wölfe könnten bei ungeschützten Herden großen Schaden anrichten.

Die Bundesregierung reagiert auch auf eine Diskussion, die zunehmend aggressiv geführt wird. Risse von Nutztieren wie Schafen und Rindern häuften sich zuletzt und werden für die Weidetierhaltung - selbst erklärtes Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft - zum Problem.

Herdenschutzmaßnahmen zur Abwehr von Wölfen werden zunehmend überwunden. Während es Berichte über Wölfe gibt, die es bis in Ställe schaffen, ist auch die sogenannte Entnahme - in der Praxis die Tötung einzelner Tiere - ein Problem. Wolfsschützer klagen vor Verwaltungsgerichten und verhindern so den Abschuss. Viehhalter in Flächenländern wie Brandenburg oder Niedersachsen sind zornig. Gefordert werden ein Bestandsmanagement bis hin zu „wolfsfreien Zonen“.

Nun folgt ein längerer Prozess. Wenn die Entscheidung auch formell auf Ministerebene angenommen wurde, kann die EU einen entsprechenden Antrag auf Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs beim sogenannten Ständigen Ausschuss der Berner Konvention einreichen. Diese ist ein 1979 verabschiedeter völkerrechtlicher Vertrag des Europarates zum Schutz europäischer, wildlebender Tiere und Pflanzen. Wenn es im Ständigen Ausschuss eine Mehrheit für den geänderten Schutzstatus gibt, kann die EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung des Schutzstatus des Wolfs im EU-Recht vorlegen. Dieser Vorschlag braucht nochmals eine Mehrheit unter den EU-Staaten und eine Mehrheit im Europaparlament. Änderungen an dem Vorhaben sind möglich.

Zu der aktuellen Entscheidung äußerte sich auch der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont (EVP/CSP): „Diese Entscheidung ist eine gute Nachricht für den ländlichen Raum und die vielen Weidetierhalter in Europa. Wir brauchen ein flexibleres Wolfsmanagement und dafür ist eine Anpassung der sogenannten Berner Konvention die Grundvoraussetzung. Erst wenn dort die Herabstufung erreicht wird, können auch die entsprechenden Richtlinien auf EU-Ebene so abgeändert werden, dass effektivere regionale Maßnahmen zum Schutz gegen den Wolf ergriffen werden können. Dies ist ein notwendiger Schritt, da die wachsende Wolfspopulation in einigen Regionen zu einer Bedrohung für die Weidewirtschaft geworden ist. Das Prädikat ‚streng geschützt‘ ist angesichts einer Population von mehr als 20.000 Wölfen in Europa nicht mehr gerechtfertigt. Es ist gut, dass auch große Staaten wie Deutschland der Herabstufung jetzt nicht mehr im Wege stehen“, so Pascal Arimont.

Arimont: Gute Nachricht für den ländlichen Raum

„Die Anpassung ist u.a. auf eine Resolution des EU-Parlaments vom November 2022 zurückzufuhren, die auf Initiative der EVP-Fraktion eingebracht wurde und die ich mitunterstützt hatte. Die EU-Kommission hatte in Reaktion auf diese Resolution eine wissenschaftliche Datenerhebung begonnen, um den europaweiten Bestand der Wölfe zu prüfen, was letztlich zu dem Vorschlag zur Herabsetzung des Schutzstatus geführt hat“, verdeutlicht Arimont, der in Ostbelgien u.a. bei einer Veranstaltung in Weywertz im vergangenen Jahr über die Thematik informiert hatte. (dpa/red/sc)

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