Wenn das mal gut geht

Originalton Bouchez (Interview Le Soir, 31.8.24): … (Belgien) C´est un pays complètement fou. Aujourd‘hui, on a une fiscalité dans le pays qui vous empêche de devenir riche, et moi je trouve que c‘est bien de permettre aux gens de devenir riche, tout le monde a le droit de devenir riche…“ Statistische Realität aber ist, dass in den meisten westlichen Noch-Demokratien die Reichen immer reicher werden, die Andern ärmer. Das setzt nicht nur die Demokratien unter Druck, sondern auch die Umwelt, denn der ökologische Fußabdruck der Reichen ist unverhältnismäßig hoch. So wurde z.B. am 22.8.24 publik, dass der neue Starbucks-Chef die 1.600 km Strecke zwischen seinem Wohnort Newport Beach und dem Firmensitz in Seattle im firmeneigenen Jet zurücklegen kann.

Die Wahlgewinner MR (mit Les Engagés) streben auf allen Ebenen den Wandel an, unterschlagen aber, dass sie u.a. sowohl den wallonischen Finanz- als auch den Wirtschaftsminister gestellt haben. Auf nationaler Ebene drohen sie Belgien ein Schicksal wie Griechenland an. Hierzu äußert sich der renommierte Ökonom, ex Open VLD-Senator Paul De Grauwe im Le Soir-Interview (13.9.24): „… (dies zu behaupten) ist absolut skurril. Und, speziell G.-L. Bouchez betreffend, möchte ich ihn fragen, warum MR, die seit 1999 an der Föderalregierung beteiligt ist, nichts unternommen hat, die „Gefahr“, die sie heute erwähnen, zu bannen!…“ Es gehört unglaubliche Chuzpe dazu, vorzugeben, den Wandel zu repräsentieren. Schlimmer, dieser Wandel ist eigentlich das Übliche, aber in noch heftiger. Dabei hat der große Wandel seit geraumer Zeit begonnen: Klimawandel und Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlage. Diesen Wandel haben die Sieger im Wahlkampf bewusst ausgeklammert und den Parteien, die sich diesem Wandel stellen und die dafür notwendige Solidarität einfordern, den Wind aus den Segeln genommen. Wahrscheinlich haben alle die, die einfach reicher werden wollen, dies nur zu gerne honoriert. Ob das mal gut geht?

Kommentare

  • Danke für diesen Leserbrief Herr Piette!

    Ein Politiker, dessen Sorge es ist, dass Menschen in diesem Land vermeintlich nicht mehr reich werden können, outet sich mehr denn je als Chef einer Lobbypartei, dem es zuerst um seine Klientel geht und dem tatsächliche gesellschaftliche Verwerfungen - wie z.B. die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich - am Allerwertesten vorbei gehen.

    Ob er mit den Menschen, denen er Reichtum wünscht auch Kranken- und AltenpflegerInnen, Busfahrer, im Horeca-Bereich Angestellte, Sozialarbeiter, angestellte Handwerker, am Fließband Arbeitende, VerkäuferInnen, KassiererInnen, RaumpflegerInnen, Arbeiter, … meint? Wohl kaum.
    Es geht ihm wohl eher darum, dass seine wohlhabende Klientel noch ein wenig reicher wird.
    Wenn Herr Bouchez den in diesem Land vorhandenen Reichtum nicht mehr sieht, wird er für die relative und tatsächlich Armut wohl erst keinen Blick haben.

    Wenn man geglaubt hat, der Neo-Liberalismus sei ein fast schon vergessenes Schlagwort aus den 90gern des vergangenen Jahrhunderts, Bouchez schafft es, ihn in seiner übelsten Form neu zu beleben. Eins muss man Bouchez lassen, er versucht erst gar nicht, sein nicht zufällig entstandenes Bild eines abgehobenen politischen Geisterfahrers gerade zu rücken.

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