Als offene Bürgerliste tritt „Gemeindeinteressen Amel“, kurz GI, am 13. Oktober an. Unter den 17 Kandidaten sind Männer und Frauen zu finden, die sich auf anderen Ebenen in ganz unterschiedlichen Parteien engagieren. „Parteipolitik spielt bei uns keine Rolle“, sagt Spitzenkandidat Erik Wiesemes. „Im Mittelpunkt stehen Visionen und Projekte, die sich auf die 18 Ortschaften mit ihren 5.600 Einwohnern beziehen.“ Vielleicht sei dies der Schlüssel zum Erfolg in der Gemeinde Amel, dass Sachpolitik immer der Leitgedanke gewesen sei und das gemeinsame Ziel darin bestehe, ein „zukunftsweisendes und vor allem machbares Aktionsprogramm“ auszuarbeiten.
„Nicht durch Nicht-Wählen oder Weiß-Wählen bestrafen“
„Konkurrenz“ um den Einzug in den Gemeinderat gibt es nicht: GI ist die einzige Liste, die am 13. Oktober in der Gemeinde Amel zur Wahl steht. Automatisch wissen also die neun Männer und acht Frauen, die auf der Liste stehen, dass sie in den neuen Gemeinderat einziehen werden. Trotzdem appellieren sie an die Bevölkerung, am 13. Oktober ihre Stimme abzugeben. „Die Tatsache, dass es nur eine Liste gibt, ist nicht unsere Schuld“, sagen Erik Wiesemes, Patrick Heyen, Frédéric Arens und Nadia Calles-Hennes bei der Listenvorstellung unisono. „Wir möchten uns engagieren und dürfen nicht dafür bestraft werden. Wer also wählt, unterstützt einerseits die Personen, die sich kommunalpolitisch engagieren und andererseits einen wohl durchdachten Plan, der uns alle konkret in Amel betreffen wird.“ Trotz Einheitsliste sollen die Wähler konkret Einfluss haben: Bei der Besetzung des Gemeindekollegiums (Bürgermeister, Schöffen und ÖSHZ-Präsidentschaft) werden „ganz klar“ die persönlichen Vorzugsstimmen berücksichtigt werden. In dem Flyer, der in alle Haushalte verteilt wird, wirbt GI deshalb auch dafür, das Kreuz nicht oben neben den Listennamen zu setzen, sondern gezielt Kandidaten zu wählen. Berücksichtigt werden sogar die reinen Vorzugsstimmen ohne Kopfstimmen, sodass tatsächlich jede einzelne Wählerstimme zählt. Sollte ein Kandidat oder eine Kandidatin tatsächlich aus beruflichen oder familiären Gründen nicht für ein Amt infrage kommen, so wird der oder die Nächste in der „Hitparade“ genommen.
Das Durchschnittsalter der neun Männer und acht Frauen auf der Liste liegt bei 39 Jahren. Wie auch schon 2018 hat die Gemeinde Amel also gute Chancen, erneut das jüngste Kollegium in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu bilden. „Ein guter Mix“, sagen die Verantwortlichen, wobei sich dies sowohl auf die Herkunft der Kandidaten aus den verschiedenen Ortschaften der Gemeinde als auch auf ihren beruflichen Hintergrund und ihre Lebenserfahrung bezieht. Sechs Bewerber sind im aktuellen Gemeinderat vertreten, elf haben bisher keine kommunalpolitische Erfahrung. „Von unten“ drücken die aktuellen Schöffen Stephan Wiesemes und Patrick Heyen die Liste. Für seine eigene Person macht Erik Wiesemes, der sich um seine eigene Nachfolge bewirbt, eine klare Aussage: „Ich bin jetzt fast sechs Jahre Bürgermeister, engagiere mich, treffe richtungsweisende Entscheidungen mit. Es macht mir Spaß, aber es ist auch eine Herausforderung. Ich bin nochmals bereit, mit vollem Elan für die nächsten sechs Jahre Verantwortung zu übernehmen, wenn ich denn dazu gewählt werde.
Erik Wiesemes kündigt an, dass für ihn
2030 „Schluss ist“.
Aber nach der zweiten Legislaturperiode, 2030, ist Schluss“, erklärt er, dass das Amt des Bürgermeisters aus seiner Sicht auf zwei Amtsperioden begrenzt werden sollte.
Den Kontakt zu Bevölkerung suchen die Kandidaten in insgesamt drei Veranstaltungen, von denen bewusst nur eine als „klassische Abendveranstaltung konzipiert ist, und bei denen es nach einer kurzen Listenvorstellung um den Austausch zu definierten Themen geht. So geht es am Samstag, 21. September, 16 Uhr an der Wasseraufbereitungsanlage Wolfsbusch um Bürgerinfo, Soziales, Kultur, Tourismus, Kirchen, Kapellen und Trinkwasser. Treffpunkt am Samstag, 5. Oktober, um 16 Uhr, ist der Waldlehrpfad in Herresbach, wo die Forstwirtschaft inkl. Waldbegehung, Landwirtschaft, Umwelt, Energie und Lebensqualität im Mittelpunkt stehen. Dritter und letzter Termin ist dann am Mittwoch, 9. Oktober, 20 Uhr, der Saal „An Terres’e“ in Meyerode, wo die Finanzen, die öffentliche Verwaltung, Wirtschaft, Ländliche Entwicklung, Straßenunterhalt und Gemeindebaustellen die Themen sind. Dies sind dann auch naturgemäß einige Schwerpunkte, die in den nächsten sechs Jahren auf dem Programm stehen, wobei das Wahlprogramm von GI nicht in Stein gemeißelt ist, sondern als offenes Dokument konzipiert ist, in das die Bevölkerung Ideen und Vorschläge einbringen soll. Als größte Herausforderungen im Projekt „Amel 2025-2030“ definieren die Kandidaten die Nachhaltigkeit, konkret die Umstellung der Forstwirtschaft von Fichtenmonokulturen hin zu mehr Mischwald sowie die lokale, umweltschonende Energieproduktion und die Finanzen und dabei die Erschließung neuer Einnahmequellen möglichst nicht durch Steuererhöhungen, sondern durch wohldurchdachte, nachhaltige Projekte wie z.B. den geplanten Windpark Wolfsbusch entlang der Autobahn. Auch in der Gesundheits- und Altersversorgung stehe man in den nächsten Jahren vor „immensen Herausforderungen“, die mit einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Eifelgemeinden gemeistert werden sollen. Konkret wird an einem Projekt zum begleiteten Wohnen gearbeitet. Das Seniorendorfhaus im früheren Kindergarten Bambusch soll im Januar eröffnet werden, kündigt Nadia Calles-Hennes an. Ein Thema, das den aktuellen Gemeinderat bereits beschäftigt und wohl vom neuen Gemeinderat zum Abschluss gebracht werden wird, ist die künftige Zusammenarbeit mit den Kirchenfabriken. Dazu sollen Empfehlungen ausgearbeitet werden. „Das ist ein gutes Beispiel dass wir nicht bei Null anfangen, sondern dass es einen roten Faden gibt, an den wir anknüpfen können und uns trotzdem an die neue Situation anpassen“, sagt Frédéric Arens.
PERSONALIE
Folgende 17 Kandidaten treten für die Liste GemeindeInteressen an:
1. Erik Wiesemes, Montenau, 51, Bürgermeister, Angestellter;
2. Anna Pauels, Amel, 30, Apothekerin, Schöffin;
3. Thomas Jacobs, Medell, 52, Angestellter;
4. Elke Heck-Comoth, Amel, 56, Sozialassistentin, Abgeordnete PDG;
5. Stephanie Mertes, Amel, 28, Sozialassistentin;
6. Kathrin Weidmann-Wirtz, Mirfeld, 39, Angestellte;
7. Frédéric Arens, Born, 43, Industrieingenieur;
8. Anne Mollers, Born, 26, Sozialassistentin;
9. Catherine Gräfe-Kohn, Deidenberg, 41, Lehrerin;
10. Alexander Kringels, Meyerode, 35, Schreiner-Techniker;
11. Stefan Durben, Herresbach, 48, Elektroingenieur;
12. Lynn Gallo, Weißenbrücke-Medell, 29, Erzieherin-Pädagogin;
13. Daniel Müller, Amel, 32, Technischer Zeichner, Provinzialrat;
14. Patrick Spies, Möderscheid, 28, Regionalabgeordneter;
15. Nadia Calles-Hennes, Iveldingen, 49, Logopädin, z.Z. im Gastrobereich;
16. Stephan Wiesemes, Schoppen, 50, Elektriker/Netztechniker, Schöffe;
17. Patrick Heyen, Halenfeld, 42, Landwirt, Schöffe.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren