„Wir haben ein ultramotiviertes Team. Jetzt sind wir froh, dass es endlich losgeht“, zeigte sich Nicolas Pommée freudestrahlend bei der Listenvorstellung an der Bergstraße. Lange Zeit hatten er und seine Mitstreiter sich bedeckt gehalten, was das Kandidatenfeld der OBL angeht. Das gab Anlass für reichlich Spekulationen. So brodelte in Eupen seit Wochen die Gerüchteküche. Die Liste könnte etwa die frisch gebackene Senatorin und ProDG-Politikerin Liesa Scholzen als Stimmenfängerin ins Rennen schicken, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Dem ist nicht so, wie sich am Donnerstag bestätigte.
Apropos ProDG: Wenngleich die Vertreter der jüngst aus der Taufe gehobenen OBL gebetsmühlenartig betonen, kein kommunaler Ausläufer der Oliver-Paasch-Bewegung zu sein, so finden sich in ihren Reihen nicht wenige Personen, die in der Vergangenheit zumindest im Dunstkreis der stärksten DG-Regierungspartei agierten. Diese Affinität will auch Nicolas Pommée nicht von der Hand weisen, allerdings sagt er: „Keiner unserer Kandidaten ist bei den letzten Gemeinschaftswahlen für ProDG angetreten.“ Und: „Unsere Liste versteht sich als basisdemokratische und unabhängige Initiative, in der jeder einen Platz findet, der sich für die Interessen der Stadt einsetzen möchte.“
Diesen Platz hat bei OBL auch Colin Kraft gefunden. Der Spitzenkandidat der CSP bei den Gemeinschaftswahlen 2019 mischt nach seinem Ausscheiden aus dem DG-Parlament bei der neuen Eupener Bürgerliste aktiv mit und geht auf einem aussichtsreichen dritten Listenplatz ins Rennen. „Colin ist ein Riesengewinn für uns, er brennt für unser Projekt“, zeigt sich Nicolas Pommée zufrieden. Auf Rang zwei ist mit Caroline Völl derweil eine Newcomerin zu finden. Als Listendrücker fungiert Jürgen Hezel.
OBL hat sich für den Wahlkampf den Slogan „Aus Liebe zur Stadt“ verpasst. Dahinter stecke die Idee, dass man sich einzig und allein zum Wohle der Eupener Bürger engagieren möchte. „Wir möchten für pragmatisches, lösungsorientiertes und faktenbasiertes Handeln stehen“, macht der Spitzenkandidat deutlich. Und schiebt hinterher: „Wir werden keine Polemik betreiben, es soll stets um die Sache gehen. Es darf bei aller politischen Auseinandersetzung nie persönlich werden.“
Und: Die OBL ist gekommen, um zu bleiben. „Wir sind keine Eintagsfliege für einen Wahlkampf. Wir denken langfristig und wollen eine Vision für Eupen bis zum Jahr 2050 entwickeln“, betont der Spitzenkandidat. Dabei hat man in den vergangenen anderthalb Jahren in internen Diskussionsrunden drei große Themenfelder herausgearbeitet, um die sich das politische Engagement der Liste künftig drehen soll. Da wäre zum einen der Schwerpunkt Kommunikation und Transparenz, der in erster Linie darauf abzielt, die politischen Entscheidungen den Bürgern verständlicher zu präsentieren und ihnen ein größeres Mitspracherecht einzuräumen. „Eupen als Wohlfühlort“ lautet der zweite große Pfeiler. Dieser umfasst zahlreiche gesellschaftliche Prozesse und Verbesserungsvorschläge, die man initiieren möchte. Und drittens: Eupen als starker Standort. Hier geht es darum, das vorhandene Potenzial der Stadt auszuspielen und zu erhöhen – sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf touristischer und infrastruktureller Ebene. Zu diesen drei Themenfeldern haben die OBL-Vertreter bereits zahlreiche Punkte und Ideen gesammelt, in den nächsten Wochen sollen sich aus dem direkten Austausch mit den Bürgern weitere ergeben. Aus diesem Grunde organisiert man drei Bürgerversammlungen – jeweils eine in der Oberstadt, Unterstadt und Kettenis –, um den Puls der Eupener zu fühlen.
Aus seinen persönlichen Ambitionen macht Nicolas Pommée derweil keinen Hehl: „Mein Ziel ist es, Bürgermeister von Eupen zu werden.“ In welcher Konstellation, da will sich der 29-Jährige nicht festlegen. „Das wird sich an den Wahlurnen entscheiden. Wir sind jedenfalls bereit, Verantwortung zu übernehmen. Allerdings streben wir keine Mehrheitsbeteiligung um jeden Preis an.“ Und auch eine Koalitionszusammensetzung nach dem aktuellen „Klötzerbahn-Modell“ sei für die Stadt Eupen keineswegs der ausgemachte Plan, den man verfolge. Auf die finale Frage, wie viele Sitze OBL denn am 13. Oktober anstrebe, lautet die simple Antwort: „So viele wie möglich.“ Festlegen will sich die neue kommunalpolitische Kraft im Vorfeld da nicht. Klar dürfte jedoch sein: Man will künftig in Eupen nicht bloß dabei sein, sondern auch richtig mitmischen. Das Potenzial, am Wahlabend für eine faustdicke Überraschung zu sorgen, ist jedenfalls vorhanden.
Das sind die OBL-Kandidaten:
1. Nicolas Pommée (29 Jahre)
2. Caroline Völl (40)
3. Colin Kraft (40)
4. Daniel Franken (59)
5. Nathalie Thielen (51)
6. Hannah Schulzen (19)
7. Celine Lecoq (36)
8. Philippe Klein (50)
9. Sebastian Hamacher (44)
10. Monika Hunds-Derwahl (75)
11. Alain Kever (45)
12. Julia Kautz (39)
13. Dilzar Noori (64)
14. Beatrice Schins-Orban (67)
15. Raphael Crott (57)
16. Rachel Drouven (46)
17. Albert Peters (66)
18. Diana Haag (32)
19. Rudi Kever (66)
20. Myriam Kerres (55)
21. Marc Luchte (53)
22. Amila Kokorovic (23)
23. Jodel Mengels (66)
24. Celeste Bonas (30)
25. Marvin Plumm (32)
26. Melody Schallmo (32)
27. Jürgen Hezel (67)

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