Ecolo will sich in Raeren nicht in „alten Verstrickungen“ verlieren

<p>Mit dieser Gruppe zieht Ecolo in Raeren in den Kommunalwahlkampf. Die vollständige Liste soll Anfang September feststehen.</p>
Mit dieser Gruppe zieht Ecolo in Raeren in den Kommunalwahlkampf. Die vollständige Liste soll Anfang September feststehen. | Fotos: Maxime Ortmans

Guido Deutz, der seit 2012 im Raerener Gemeinderat sitzt, bringt bereits politische Erfahrung mit. Der 52-Jährige, der in Hergenrath aufgewachsen ist und seit 1995 in Raeren lebt, möchte den Fokus auf „klassisch grüne Themen“ legen, betont jedoch, dass auch andere Herausforderungen nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Während Deutz auf eine langjährige politische Laufbahn zurückblicken kann, ist seine Mitstreiterin Sabine Brandt für viele ein neues Gesicht. Die 51-Jährige, die als Direktorin in einem Unternehmen für erneuerbare Energien arbeitet, tritt ohne kommunalpolitische Erfahrung an, sieht darin jedoch eine Chance.

„In der Politik bin ich noch unbekannt, aber gerade das sehe ich als Vorteil,“ sagt die zweifache Mutter. „Ich gehe mit großem Interesse und Engagement an die Sache heran und mache keine halben Sachen.“ Verschiedene Raerener Parteien seien auf Sabine Brandt zugekommen, überzeugt habe sie im Endeffekt jedoch nur Ecolo.

Die Lokalsektion will mit einer Mischung aus Erfahrung und neuen Kräften punkten.

„Natürlich liegt mir vor allem die Umwelt am Herzen, die es mit all unserem Engagement zu schützen gilt,“ erklärt Deutz. „Trotzdem sollten wir die anderen Probleme nicht aus den Augen verlieren. Beispielsweise müssen wir dringend die Wohnsituation in unserer Gemeinde angehen. Es kann nicht sein, dass die Preise für Wohnraum seit Jahren durch die Decke gehen. Auch hier müssen wir aktiv werden.“ Auch Sabine Brandt möchte sich thematisch breit aufstellen: „Wir sollten uns von dem Gedanken lösen, dass Grün nur Grün kann. Wir bringen eine Vielzahl an Fachkompetenzen mit, die wir in der kommenden Legislaturperiode gerne unter Beweis stellen würden.“

Dem Spitzenduo ist es ein Anliegen, dass sich alle in der Töpfergemeinde wohlfühlen. „Dies gilt natürlich auch für Verkehrsteilnehmer“, betont Guido Deutz. „Wir sind alle in einer Autogeneration aufgewachsen und haben dem Auto sehr viel Platz auf der Straße gegeben. Wir erleben immer wieder junge Menschen, die sich mehr Alternativen wünschen.“

Die Ecolo-Lokalgruppe Raeren plant, ihre vollständige Wahlliste spätestens Anfang September zu präsentieren, doch schon jetzt wird deutlich, dass es einige personelle Veränderungen geben wird. Unter den neuen Kandidaten sticht die 30-jährige Krankenpflegerin Denise Ibrahimovic hervor, die erstmals auf einer kommunalen Liste antritt. Auch Ann Jerusalem und Karin Hardt-Fatzaun sind neue Gesichter, die bei den kommenden Kommunalwahlen für Ecolo in Raeren kandidieren werden. Neben den Neuzugängen setzen die Raerener Grünen jedoch auch auf bekannte Namen. Pascal Collubry, Co-Präsident von Ecolo Ostbelgien, wird ebenso wieder antreten wie ÖSHZ-Präsident Ferdy Leusch, Ratsmitglied Monika Höber-Hillen, Schöffin Christine Kirschfink und Curt Zester.

Besonders gespannt darf man auf die Platzierung von Ulrich Deller sein, der lange Zeit als das Zugpferd der Raerener Ecolo-Gruppe galt und bei den Wahlen am 13. Oktober erneut antreten wird.

„Ulrich Deller gehört auf jeden Fall zu unseren Top-Kandidaten,“ betont Guido Deutz. „Sein Engagement geht weiter. Er hat uns ganz klar mitgeteilt, dass er während der gesamten nächsten Legislaturperiode an unserer Seite stehen wird. Vor allem das Windpark-Projekt liegt ihm sehr am Herzen, und dafür wird er sich auch weiterhin stark machen.“

Die politische Lage in der Töpfergemeinde ist angespannt. Vor einigen Wochen hatte Erwin Güsting, Spitzenkandidat der liberal gefärbten Mit-Uns-Liste, eine Zusammenarbeit mit Ecolo kategorisch ausgeschlossen. Nach dem Bruch der Koalition im März 2021 sei das nötige Vertrauen nicht mehr gegeben.

Guido Deutz: „Ich bin immer bereit gewesen, mit Erwin Güsting in den Dialog zu treten.“

Das Spitzenduo der Raerener Ecolo-Liste findet diese Einstellung „etwas überraschend und auch schade“, wie Guido Deutz betont. „Ich bin immer bereit gewesen, mit Erwin Güsting in den Dialog zu treten, und das bin ich auch heute noch. Er hat diese Aussage getroffen, ohne zu wissen, wer auf unserer Liste antreten wird. Das halte ich nicht für zielführend und auch nicht für sehr demokratisch.“

Seine Mitstreiterin Sabine Brandt ergänzt, dass es keinen Sinn ergebe, sich in „alten Verstrickungen“ zu verlieren, „wir möchten ein ganz neues Kapitel aufschlagen und optimistisch in die Zukunft blicken.“

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment