Kurz nach einem Erdbeben kommt die Olympia-Flagge in Los Angeles an

<p>Karen Bass, Bürgermeisterin von Los Angeles (im roten Trainingsanzug) bringt aus Paris die Olympische Fahne mit nach Kalifornien.</p>
Karen Bass, Bürgermeisterin von Los Angeles (im roten Trainingsanzug) bringt aus Paris die Olympische Fahne mit nach Kalifornien. | Foto: belga

Bei typisch kalifornischem Sommerwetter mit einem strahlend blauen Himmel ist die Olympische Flagge vier Jahre vor den nächsten Sommerspielen in der künftigen Gastgeberstadt angekommen. Nur kurz vor der Landung des kurz nach der Schlussfeier von Paris gestarteten Flugzeugs mit dem Banner an Bord hatte ein für Kalifornien ebenfalls nicht ungewöhnliches Erdbeben die Region an der US-Westküste für mehrere Sekunden erschüttert.

Bürgermeisterin Karen Bass trug die wehende Flagge mit den fünf Ringen nach der Landung der mit Palmen und dem „LA 2028“-Logo geschmückten Maschine über das Rollfeld des Los Angeles International Airport. Mehrere Aktive aus dem US-Team bei den am vergangenen Sonntag beendeten Spielen in Paris begleiteten das Stadtoberhaupt auf dem Weg zur Ankunftshalle, Bass trug einen roten Trainingsanzug.

„Jetzt ist die Olympische Flagge da. Wir spüren den Druck sicherzustellen, dass unsere Stadt und unsere Region vorbereitet und bereit sein werden“, sagt Bass in Anwesenheit von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom und rief die Bürger der Millionenmetropole zur Unterstützung auf: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns, Los Angeles – es liegt an uns.“

Das vorangegangene Erdbeben mit einer Stärke von 4,6 auf der Richterskala wertete Bass als Mahnung zur Beachtung der Natur auf dem weiteren Weg zu den dritten Sommerspielen in ihrer Stadt nach 1932 und 1984: „Die Absicherung, auf Ereignisse wie ein solches Erdbeben vorbereitet zu sein, wird der Schlüssel für unsere Infrastrukturmaßnahmen sein. Aber es treten mittlerweile auch Klimaereignisse auf, von denen wir nie gedacht hätten, dass sie sich auf unsere Region auswirken würden, aber auf die wir ebenfalls vorbereitet sein müssen.“

Olympia-Organisationschef Reynold Hoover betont den Glauben der Spiele-Macher an die Bewältigung aller bekannten und auch erst noch auftretenden Schwierigkeiten und einen Erfolg der Sommerspiele: „Was liegt nicht in unserer DNA? Wir sind kreativ, wir können Geschichten erzählen, wir haben Sportsgeist, und wir haben Diversität. Das ist LA.“

Was wird in den USA anders als in den vergangenen Wochen in Frankreich?

Das ändert sich bei den Sportarten

Im Cricket, Flag Football, Lacrosse, Base- beziehungsweise Softball und Squash werden in den USA Olympiasiegerinnen und Olympiasieger ermittelt. Dafür wird kein Gold mehr im Breakdance vergeben, auch Boxen wird nach aktuellem Stand seinen Platz im Programm verlieren. Bei den Ruderwettbewerben wird der Leichtgewichts-Doppelzweier durch den Beach-Sprint, eine Form des Küstenruderns, ersetzt. Beim Modernen Fünfkampf wird es künftig kein Springreiten mehr geben, dafür gibt es einen Extremhindernislauf.

Hollywood-Zeichen statt Eiffelturm

„Wir haben keinen Eiffelturm. Wir haben ein Hollywood-Schild“, sagt Casey Wasserman, Präsident des Organisationskomitees in Los Angeles. Er verspricht authentische Spiele, vor denen unter anderem auch Lösungen für das große Problem der Obdachlosigkeit in der Stadt gefunden werden sollen. Zudem wird der Nachwuchssport mit Millionen-Summen gefördert. Wie in Paris werden schon bestehende Sportstätten genutzt, zum Beispiel das riesige Memorial Coliseum mit rund 93.000 Plätzen für Leichtathletik, Eröffnungs- und Schlussfeier oder die brandneue Heimspielstätte des NBA-Clubs Clippers für die Basketball-Begegnungen. Das Zuhause der Lakers soll für die Turnwettkämpfe genutzt werden.

Was wird in Sachen Nachhaltigkeit getan?

Ungewöhnlich für das Autoland USA: Die Organisatoren der Spiele setzen voll auf den öffentlichen Nahverkehr. „Wir wollen autofreie Spiele, obwohl wir verliebt in unsere Autos sind“, sagt Karen Bass in Paris. Dazu sollen über 3.000 Busse geliehen werden, um zu verhindern, dass die Menschen das Auto nutzen. Ziel sei es, ein „grüneres Los Angeles“ zu bauen, sagt Bass. „Wir sehen die Olympischen Spiele als Möglichkeit für eine Umgestaltung, einen Wandel.“ Es sollen nachhaltige Möglichkeiten geschaffen werden, um Besucher in jede Ecke der Stadt zu bringen.

Welche Bilder werden aus Los Angeles in die Welt getragen?

Ganz sicher völlig andere als aus Paris. Spektakuläre historische Schauplätze wie Eiffelturm, Invalidendom oder das Schloss in Versailles gibt es an der US-Westküste nicht. Downtown Los Angeles ist eher eine wenig ansehnliche Ansammlung aus Wolkenkratzern und zweckmäßigen Gebäuden, die kaum Charme versprühen. Ein ikonisches Stadtzentrum mit viel Tradition sucht man vergeblich. Wie man trotzdem gute TV-Bilder liefert, weiß man in der Film- und Fernsehstadt allerdings nur zu gut. Dabei werden auch die modernen Sportstätten helfen.

„Die Spiele in Los Angeles 2028 werden großartige Olympische Spiele werden, weil sie sehr unterschiedlich zu Paris sein werden“, kündigt der deutsche IOC-Boss Bach an: „Ich bin sicher, dass LA 28 nicht den Fehler machen wird zu versuchen, den Eiffelturm zu kopieren, sondern dass dort die amerikanische Kultur des Sports und der Gesellschaft gezeigt wird gleichzeitig mit einer Weltoffenheit.“ (sid/dpa/leo)

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