[Video] Eupen im Tiroler Fieber: Der Heimatabend mit Musikstars war ein voller Erfolg

<p>Markus Wolfahrt war der Stargast am Samstagabend beim Heimatabend.</p>
Markus Wolfahrt war der Stargast am Samstagabend beim Heimatabend. | Fotos: Ralf Schaus/Lovos

Die volkstümliche Musik verbindet. Carine Huughe aus Roeselare harrt der Dinge, die da kommen werden und nutzt die Gelegenheit, Reklame für ihr eigenes Festival zu machen. Die Stadtführerin aus Westflandern ist nämlich keine geringere als die Präsidentin des „Freundeskreises Deutscher Schlager und Volksmusik in Belgien“. Und der gleiche Markus Wolfahrt, der an diesem Abend Hauptakt des Heimatabends ist, wird am 14. September nebst anderen Stars der volkstümlichen Musik auch bei ihrem Festival in Blankenberge auftreten.

Doch vor dem Auftritt der Szenegrößen „Sigrid und Marina“ sowie besagtem Markus Wolfahrt hat die Regie zunächst einmal den Auftritt der Gäste aus dem Kaiserwinkl gesetzt. „Wir wollen hier schließlich unser Brauchtum und unsere Tradition zeigen“, sagt der Bürgermeister von Kössen, Reinhold Flörl (ÖVP). Das schneereichste Gebiet Österreichs zieht jedenfalls die Massen an. Es sind über 5.000 Betten in und um Kössen.

<p>Carine Huughe war am Samstagabend dabei.</p>
Carine Huughe war am Samstagabend dabei. | Foto: Klaus Schlupp

Das zeigt zunächst einmal die Musikkapelle Kössen mit zünftigem Einmarsch und Blasmusik. Die weiß ganz genau, was das Publikum hören will. Das Südtiroler Heimatlied („Wohl ist die Welt so groß und weit“) und andere bekannte Melodien werden gespielt. Textsicher singt der ganze Saal „Dem Land Tirol die Treue“ mit. „Der Landsturm war in den Tiroler Freiheitskriegen das letzte Aufgebot“, sagt Thomas Schlechter vom Trachtenverein „Landsturm 1809“ ebenfalls aus Kössen. Das waren einfache Bauern, die sich damals auch zur Verteidigung des katholischen Glaubens den napoleonischen Truppen entgegengestellt haben. Das war genau die Zeit, als der Tiroler Volksheld Andreas Hofer auch gekämpft hat. Schlechter sieht übrigens Hofer, der in der offiziellen Tiroler Hymne besungen wird, als überbewertet an. Aus Niederndorf zeigen die Spitzstoana ihren zünftigen Schuhplattler. Eine kluge Idee war es jedenfalls, die „Klobnstoana“ mitzubringen. Die Truppe aus dem Kaiserwinkl schafft es jedenfalls mühelos, die Menschen in der ausverkauften Eventlocation nach vorne zu holen und zum Tanzen zu bringen. Auch Carine Huughe ist in ihrem Element und legt mit dem Gatten eine flotte Sohle hin.

Der Heimatabend zieht die unterschiedlichsten Leute an. „Ballermann und Volksmusik sind keine Gegensätze“, sagt Eupens Botschafter auf Malle, Mike Nüchtern. Schließlich sei der Ballermann ja auch mit dem Bierkönig-DJ Aaron am Freitagabend bei der Wies’n Party vertreten gewesen. Manche kommen gar nicht wegen der Musik, sondern um Freunde zu treffen, die Stimmung zu erleben und zu feiern. Gaby Timmermann hört privat kaum volkstümlichen Schlager. Sie liebt aber die Stimmung und ist jedes Jahr dabei. Allerdings fremdelt sie mit der Eventlocation. „Wir vermissen das Zelt“, sagt die Eupenerin und überlegt, ob das etwa auf dem Parkplatz Bergstraße wiederkommen könnte.

<p>Der Schuhplattler ist ein ganz besonderer Tanz, den Paare aber auch einzelne Burschen in der Gruppe oder alleine tanzen.</p>
Der Schuhplattler ist ein ganz besonderer Tanz, den Paare aber auch einzelne Burschen in der Gruppe oder alleine tanzen.

Während die „Klobnstoana“ vorne am Singen sind, sitzen die Trachtler und Spielleute draußen und genießen das Eupener Bier und natürlich Fritten. „Ihr habt ja so guede Pommes“, meint einer, der wohl noch etwas Nachhilfe in (ost-)belgischer Kulinarik braucht. Ja, die Esskultur ist ein wichtiges Thema im interkulturellen Austausch an der Frittenbude. Die Gäste finden es entsetzlich, dass man hierzulande Sauce auf ein paniertes Schnitzel gibt. „Dafür gibt es bei uns die Todesstrafe“, sagt Hornist Herbert mit tiefster Überzeugung. Aber die Gäste sind mit Unterkunft, Verpflegung, Organisation und der erfahrenen Gastfreundschaft hochzufrieden. Schlagzeuger Martin ist vom guten Hähnchen, das es zum Mittagessen gab, angetan. Eine Musikerin wartet draußen auf ihren Shuttlebus in die Jugendherberge. „Man ist ja nicht mehr 20“, sagt sie. Erstaunt ist sie über das „fesche“ Outfit vieler Tirolerfestbesucher, die oft in Lederhose und Dirndl erschienen sind. „Unser Dirndl erobert die Welt“, sagt sie.

Oben auf der Bühne räumen „Klobnstoana“ die Sachen zusammen, denn die Stars brauchen ihren Platz. Sigrid & Marina (Hutterer) sind zwei Schwestern aus dem Salzkammergut, die 2007 den Grand Prix der Volksmusik nach Österreich geholt haben und sich seitdem in der Szene erfolgreich sind. Die beiden bringen das, was die Fans, die sich vor der Bühne tanzenderweise knubbbeln, hören wollen. Es geht quer durch den Garten und die Geographie. Auf ein Medley quer durch den Böhmerwald („Aus Böhmen kommt die Musik“), folgt ein internationales Schlagermedley unter anderem mit dem Doris-Day-Klassiker „Que sera“. Sehr gut gemacht ist das Catherina-Valente-Cover von Marina Hutterer.

Lovos-Präsident Patrick Heinen ist jedenfalls sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tirolerfestes. „Die Leute mögen unser Bier“, sagt er. Die Tiroler haben ihrerseits einen ausgezeichneten Heumilchkäse mitgebracht. Die Zusammenarbeit mit Kaiserwinkl sei sehr gut gewesen. Er bedauert es, dass am Freitag trotz des guten Programms zu wenig Leute da gewesen seien. Ansonsten seien alle Veranstaltungen im Rahmen des Tirolerfestes gut besucht und erfolgreich gewesen.

Auf der Bühne ist jetzt auch für Carine Huughe der Höhepunkt erreicht. „Der ist richtig gut“, schwärmt sie von ihrem Star Markus Wolfahrt und stürmt nach vorne. Der Vorarlberger kennt sein Publikum und gratuliert erst einmal einer Elsässerin zum Geburtstag, die extra für ihn nach Eupen gekommen ist. „Du musst ein Engel sein“, heißt das Lied, das er ihr widmet. In jedem Fall kommt die Show beim Publikum gut an, bis der Heimatabend mit den „Klobnstoana“, die noch mal ran dürfen, um zwei Uhr seinen Abschluss findet.

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