Katholische Kirche kritisiert Olympia-Eröffnungsfeier

<p>Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele</p>
Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele | Foto: Michael Kappeler/dpa

An der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris hat es heftige Kritik unter anderem von der katholischen Kirche gegeben. „Diese Zeremonie enthielt leider auch Szenen, in denen das Christentum verspottet und verhöhnt wurde, was wir zutiefst bedauern“, hieß es in einer Mitteilung der französischen Bischofskonferenz. Was ihr konkret missfallen hat, präzisierte die Kirche nicht. Offenbar löste vor allem eine Szene heftige Reaktionen aus, die an Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde „Das letzte Abendmahl“ erinnert, das das letzte Mahl von Jesus Christus mit seinen Aposteln darstellt. Bei der Eröffnungszeremonie wurden die Apostel allerdings von Dragqueens verkörpert sowie einem Transgender-Model und einem fast nackten Sänger.

Kirche bedauert provokante Szenen.

Kritik daran kam auch von konservativen und rechtsextremen Politikern in Frankreich. So sprach etwa die Senatorin der bürgerlich-konservativen Républicains, Valérie Boyer, von einer „Vision unserer Geschichte (...), die darauf abzielt, die Christen lächerlich zu machen“. „Wir danken den Mitgliedern anderer religiöser Konfessionen, die uns ihre Solidarität bekundet haben. Heute Morgen denken wir an alle Christen auf allen Kontinenten, die durch die Übertreibung und Provokation einiger Szenen verletzt wurden“, teilte die Bischofskonferenz mit. „Wir wünschen uns, dass sie verstehen, dass sich das olympische Fest weit über die ideologischen Vorlieben einiger Künstler hinaus entfaltet.“

Russland spricht von „Gay-Pride-Parade“.

Die russisch-orthodoxe Kirche und das Außenministerium in Moskau äußerten sich entsetzt über die Eröffnungsfeier, weil bei einer Darstellung des letzten Abendmahls die Apostel von „Transvestiten“ verkörpert worden seien. „Ein kulturell-historischer Selbstmord geht in einer der einst christlichen Hauptstädte der europäischen Zivilisation vor sich“, sagte der Geistliche Wachtang Kipschidse, der im Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche für Kontakte zur Gesellschaft und zu den Medien zuständig ist. Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, veröffentlichte bei Telegram Fotos und meinte, die Eröffnungsfeier sei zu einer Verspottung der Christen und zu einer „Gay-Pride-Parade“ verkommen. Die Olympia-Macher wiesen die Kritik zurück und verwiesen auf die Kunst- und Meinungsfreiheit. Organisationschef Tony Estanguet betonte, die Show habe zum Nachdenken anregen sollen und sei in ihren Grundlinien mit dem IOC abgestimmt worden. „Unsere Absicht war es nie, unverschämt zu sein“, sagte der Regisseur der Eröffnungszeremonie, Thomas Jolly. „In Frankreich ist das künstlerische Schaffen frei.“ Die Idee sei gewesen, inklusiv zu sein, was bedeute, niemanden auszuschließen. (dpa/sc)

Kommentare

  • Es gehört wohl zur DNA der katholischen Kirche und mancher Tiefgläubigen, gerne beleidigt zu sein und sich als Opfer zu fühlen. Dies zieht sich durch die Jahrhunderte und dazu ist dann auch wirklich jeder Anlass recht.

    Nun kann man darüber streiten, ob die Ausmaße dieser Eröffnungsfeier wirklich dem olympischen Geist entsprachen. M.E. war sie trotz einiger Längen jedoch erfrischend kreativ, in ihrer vielfältigen künstlerischen Umsetzung geschichtsbewusst und zahlreichen aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und Gegebenheiten Rechnung tragend.

    Statt hier mal wieder den Spielverderber zu mimen, sollte die katholische Kirche, die in der obrigkeitshörigen russisch-orthodoxen Kirche und dem Kreml nicht zufällig „nette“ Unterstützer gefunden haben, sich (noch) einmal mit der Frage beschäftigen, warum sich ihre „Gotteshäuser“ immer weiter leeren und wie weit sie sich von einer aufgeklärten, modernen säkularen Gesellschaft eigentlich noch entfernen möchte.

    In Wirklichkeit ist diesem Verein von oft greisen männlichen Glaubenshütern wohl nicht mehr zu helfen. Mir soll es recht sein.

  • Warum soll ich hier das Positive, das überall in den Medien zu lesen ist, noch einmal wiederholen? Keine Frage, Frankreich weiß sich in Szene zu setzen. 2028 wird Los Angeles es schwer haben, das zu übertrumpfen, aber Hollywood ist ja nicht weit.

    Da nichts perfekt ist, hier einige Bemerkungen:
    Eine Mischung aus Realem und Virtuellem, die die Frage aufkommen lässt: Ist das die Zukunft? Immer mehr Effekte und Kameragezappel, immer mehr Technik? … Immer höhere Kosten?

    Das Letzte Abendmahl? Diese Szene hat bei mir keine solche Assoziation geweckt. Die beleibte Frau in der Mitte nahm ich als eine Rehabilitierung der Übergewichtigen, die bei solchen Spielen keinerlei Chance haben. Der blaue Liegende davor, eine Verkörperung der Seine, in Analogie zu antiken Flussgottheiten, wie auf manchen Springbrunnen zu finden sind.
    Aber wenn wirklich das Letzte Abendmahl persifliert werden sollte, dann hätte man doch sicher auch die zweitstärkste Religion in der Welt und in Frankreich ins Visier genommen, nicht wahr?
    Das Surfen eines vermummten Helden aus dem Videospiel Assassin's Creed Unity über und unter Paris? Beeindruckend, aber Einblendungen.
    Am Gebäude der Conciergerie, damals ein Gefängnis für zum Tode Verurteilte, eine enthauptete Marie-Antoinette, deren Kopf das revolutionäre „Ca ira, ça ira, les aristocrates à la lanterne“ sang? Das war die geschmacklose Glorifizierung eines Justizmordes an dieser Frau und an den unzähligen anderen Opfern, beileibe nicht nur Adligen, die dem Terrorregime der Revolution zum Opfer gefallen sind.

    Aber „wir“ haben schon zwei Medaillen, das ist die Hauptsache...

  • Ein bekannter Ostbelgier, Philosoph, Buchautor, Professor an der ULB, zur Zeit in Polen, wo das "geistige Klima" ihm anscheinend mehr behagt, hat sich folgendermassen zu der Eröffnungsfeier geäussert:
    « Il faudra remercier chaleureusement les saboteurs qui ont interrompu les grandes lignes du chemin de fer et coupé ainsi l’accès de Paris: empêcher les gens d’assister à ce pathétique navet appelé „Ouverture des Jeux Olympiques“ fut probablement une oeuvre de miséricorde. » (Quelle : Einfach googeln mit dem Namen dieses Herrn)

    Ein Armutszeugnis für jemanden, der sich zur europäischen Elite zählt („Renovatio Europae“)

  • Hier gilt die künstlerische Freiheit!
    Man sollte nicht vergessen, dass es die Rennaissance-Künstler (wie daVinci u.a.) waren, die im 16. Jahrhundert den nackten menschlichen Kôrper in den Kirchen Italiens "populär" machten. In Nordeuropa hingegen, wo die protestantische Prüderie mit Bilderstürmern (Ikonoklasmus) um sich griff, empörten sich viele Reformatoren über die Nackedei-Darstellungen im katholischen Süden. Die Protestanten äusserten Bedenken über "Dekadenz und Sittenverfall".

    Aber zurück zur Gegenwart: mit dem Christentum kann man es ja machen. Wäre mit islamischen Darstellungen so umgegangen worden, wären nachfolgende Sportveranstaltungen wegen Bombendrohungen abgesagt worden.

  • Hallo Herr Schleck,

    Denke man darf den Namen des Althistorikers sicher nennen, der die Anschläge auf das französische Bahnnetz so enthusiastisch begrüßt hat. Es handelt sich um David Engels, einen Vordenker der europäischen „Neuen Rechten“. Ob die ULB solche gewaltverherrlichenden Statements ihrer Professoren zu schätzen weiß? Da die politischen Verhältnisse in Polen sich ja (im Gegensatz zu Belgien) nicht im Sinne von Engels entwickelt haben, ist es ja nicht ausgeschlossen, dass er in ein nunmehr… „neurechteres“ Belgien zurück kehrt.

    @ G. Scholzen
    Mit Ihrer abschließenden Feststellung haben Sie wohl recht.
    Was allerdings auffällt ist, dass die empörte Reaktion der katholischen Kirche das gleiche Muster aufweist, wie die Entrüstung von muslimischen Glaubenshütern, wenn Ihr Prophet dargestellt oder vermeintlich verunglimpft wird.
    Die Folgen davon sind in der Tat (zumindest im 21. Jahrhundert) völlig unterschiedlich.

    Aber warum muss man diese Szene der Eröffnungsfeier, die ja - wenn überhaupt - eine neuzeitliche Bearbeitung und Interpretation eines mittelalterlichen Gemäldes, das seinerseits eine künstlerische Interpretation einer Bibelszene ist, als „Verspottung des Christentums“ werten? Weil die Kirche es will und es ohne Beleidigtsein seit 2000 Jahren einfach nicht geht!

    Dies führt bei christlichen Glaubenshütern bei jedem beliebigen Anlass zu Schaum vor dem Mund (ehemals auf die Folterbänke der Inquisition), bei muslimischen Kollegen zu einer Fatwa (Salman Rushdie lässt grüßen) und bei radikalisierten Islamisten zu… Charlie Hebdo.

    Wenn Glaubenshüter welcher Konfession auch immer reaktionär nach Gründen suchen, sich zu entrüsten oder Messer, Säbel oder Maschinengewehre zu zücken, kann dieser Glaube nicht wirklich gefestigt sein. Oder das Fundament der Religion, auf die sich dieser Glaube stützt ist derart fragwürdig oder bröselig, dass es bei der kleinsten Erschütterung einzustürzen droht.
    Statt sich über Kunst oder Satire zu entrüsten, wie wäre es damit, in Scham über ihre u.a. gewaltverherrlichenden, göttlich offenbarten Schriften zu versinken?

    Es ist nicht die bildliche Darstellung Mohameds und auch nicht die künstlerische Interpretation eines Gemäldes mit Bibelmotiv, die eine Gefahr für die jeweilige Religionsgemeinschaft darstellt, sondern die zwanghafte aus der Zeit gefallene Opferrolle, in der sich ihre Hüter und Anhänger gerne suhlen.
    Da das… Opferkonzept in beiden Religionen eine zentrale Rolle spielt, liegt hierin möglicherweise auch der Grund für das deckungsgleiche lächerliche und entlarvende Gehabe ihrer Protagonisten.

    „…Respect for Religion has become a code phrase meaning fear of religion. Religions,… deserve criticism, satire, and yes, our fearless disrespect.“
    (Salman Rushdie, indisch-brit. Autor, nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo)

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