Das Regierungsabkommen sei auf zehn Jahre ausgelegt, da man in fünf Jahren „keine so grundlegende Änderung der bisherigen Politik in der Wallonischen Region durchziehen“ könne. Das gelte auch für den Haushalt, den die beiden Regierungspartner innerhalb von zehn Jahren sanieren wollen. Das sei „nicht nur eine große, sondern die wichtigste Aufgabe der neuen Regierung und der neuen Mehrheit“, heißt es in dem Schreiben weiter. Nur, wenn die Finanzen wieder ins Gleichgewicht kämen, könne die Wallonie „endlich den Wohlstand ihrer Bürger sichern, der ihnen in den letzten Jahrzehnten immer wieder versprochen wurde, ohne dass sich jemals etwas geändert hat“.
In den letzten Jahrzehnten sei in Namur – und nicht nur dort – eine „Politik der Selbstbedienung und der Verteilung“ betrieben worden. Immer mehr Steuermittel seien in die Finanzierung des Staatsapparates und in die Soziale Sicherheit geflossen. „Damit will die neue Regierung aufräumen, was ich sehr begrüße“. Neben der erwähnten Reduzierung der Minister und Mitarbeiter, verringere die Regierung zudem „die Überlappungen zwischen der Region und der Französischen Gemeinschaft“. Außerdem räumten die neuen Regierungspartner auf in einer Verwaltung, in der oft mehrere Dienststellen die gleiche oder eine ähnlich Aufgabe ausüben würden. Die Flutkatastrophe im Sommer 2021 habe diesen Missstand deutlich gemacht, was von Mauel im Untersuchungsausschuss angeprangert worden sei: „Die Verantwortung war so verwässert worden, dass am Ende niemand mehr Verantwortung hatte“, urteilt Mauel über die aus Ecolo, PS und MR bestehende alte Mehrheit.
Die Vereinfachung der staatlichen Strukturen betrifft auch die Provinzen, die auf eine Art Interkommunale reduziert wird. Damit wird eine politische Ebene, die noch aus der Zeit vor der Staatsreform stammt, auf eine Verwaltungsstruktur zurückgestutzt. Für die Deutschsprachige Gemeinschaft ist das eine gute Nachricht, weil es die Möglichkeit näherrückt, das Gebiet der neun deutschsprachigen Gemeinden zu einem provinzfreien Gebiet zu machen. Die Regierungserklärung von MR und LE sieht im übrigen vor, dass es regelmäßige Konsultationen zwischen Region, Deutschsprachiger und Französischer Gemeinschaft, aber auch mit der föderalen Ebene und Flandern sowie Brüssel gibt, um die Politik in Feldern abzustimmen, in denen es Überlappungen gibt. Das gilt zum Beispiel für die Beschäftigungs-, aber auch für die Wirtschaftspolitik und andere Zuständigkeiten. Damit zeigt die neue Regierung er WR, dass ihr die wirtschaftliche Erholung wichtiger ist als alles andere.
Die Vereinfachung der staatlichen Strukturen betreffe auch die Provinzen, die auf eine Art Interkommunale reduziert würden. Damit werde eine politische Ebene, die noch aus der Zeit vor der Staatsreform stamme, auf eine Verwaltungsstruktur zurückgestutzt. Für die Deutschsprachige Gemeinschaft sei das eine gute Nachricht, „weil es die Möglichkeit näherrückt, das Gebiet der neun deutschsprachigen Gemeinden zu einem provinzfreien Gebiet zu machen“, stellt Mauel fest. Die Regierungserklärung von MR und LE sehe im Übrigen vor, dass es regelmäßige Konsultationen zwischen Region, Deutschsprachiger und Französischer Gemeinschaft sowie mit der föderalen Ebene, Flandern und Brüssel geben solle, um die Politik in Bereichen abzustimmen, in denen es Überlappungen gebe. Das gelte beispielsweise für die Beschäftigungs- und Wirtschaftspolitik sowie andere Zuständigkeiten. Damit zeige die neue Regierung der Wallonischen Region, dass ihr die wirtschaftliche Erholung oberste Priorität habe.
Gleichzeitig verspreche die neue Regierung, keine neuen Steuern zu erheben, es sei denn, die Steuerlast werde an anderer Stelle abgebaut. Während der Legislaturperiode solle die Gesamtsteuerlast um 1,5 Milliarden Euro sinken, was der Kaufkraft der Bürger direkt zugutekommen solle. Wie ernst es MR und LE mit einer Gesundung der Finanzen der Wallonischen Region meinten, zeige die Tatsache, dass die neue Regierung vom bisherigen Finanzminister Adrien Dolimont (MR) angeführt werde. Neben ihm kümmerten sich mit Anne-Catherine Dalcq (Landwirtschaft) und Cécile Neven (Energie, Flughäfen und Wohnungsbau) zwei Ministerinnen um Ressorts, in denen sie jahrelang praktische Erfahrung gesammelt hätten. Die Regierungsmannschaft, in der übrigens mehr Frauen als Männer vertreten seien, stehe auch für einen frischen Wind in der Wallonischen Region und der Französischen Gemeinschaft.
Ein Schwerpunkt des Regierungsprogramms liege auf den Finanzen, der Wirtschaft und der Beschäftigung. Diese Bereiche seien nach Meinung vieler die Schlüssel für eine erfolgreiche Politik. Die Wallonie müsse die laufenden Ausgaben, die zu einem großen Teil aus Löhnen und Gehältern und vielen wiederkehrenden Ausgaben bestünden, senken, damit sie Geld in die Zukunft der Region investieren könne, ohne dafür immer neue Kredite aufnehmen zu müssen. Unter Finanzminister Dolimont habe die letzte Regierung schon einen Kurs der Konsolidierung der Verschuldung eingeschlagen. Dieser werde jetzt verstärkt. Bis 2029 solle die Verschuldung der Wallonischen Region um die Hälfte gesenkt werden. Am Ende der darauffolgenden Legislatur solle das Verschuldungsproblem der Region gelöst sein. Das begrüße Mauel sehr. Denn nur mit gesunden Finanzen würden Investitionen in die Zukunft möglich.
Genauso wichtig sei es gewesen, die Beschäftigung zu einem zentralen Punkt der Regierungspolitik zu machen. 80% der arbeitsfähigen Bevölkerung sollten am Ende der Legislatur einer Beschäftigung nachgehen. Das werde eine große Kraftanstrengung erfordern: Bisher sei die Wallonie in diesem Punkt der Schlechteste der Klasse. Beschäftigung sei die beste Sozialpolitik. Die Sozialsysteme müssten wieder zu dem werden, wofür sie gedacht seien: Menschen, die in Schwierigkeiten kommen, zu helfen, aus diesen Problemen herauszukommen. Deshalb begrüße Mauel, dass die Arbeitslosenunterstützung auf zwei Jahre begrenzt werde. Sie dürfe kein Dauerzustand sein.
Mauel befürworte sehr, dass die Politik der neuen Mehrheit aus MR und LE die Regionalpolitik stärker auf wichtige Politikfelder konzentrieren wolle. Sie habe sich schon im Wahlkampf klar dafür ausgesprochen, dass der Staat sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren und sich aus vielen Bereichen zurückziehen müsse, wo er in ihren Augen nichts verloren habe. Dadurch könnten die Lohnkosten der Wallonischen Region gesenkt werden. Gleichzeitig könnten neue Unternehmen entstehen, die bislang keine Chance gehabt hätten, weil sie mit subventionierten Staatsunternehmen im Konkurrenzkampf gestanden hätten.
Die Regierungserklärung von mehr als 100 Seiten enthalte noch viele andere Punkte, auf die Mauel nicht im Detail eingehen wolle. Es habe zu diesem Programm viel Lob, aber auch viel Kritik gegeben, vor allem zur Gegenfinanzierung der Steuererleichterungen und neuer politischer Schwerpunkte. Diese könne Mauel verstehen, aber sie teile sie nicht. Wenn man mit der Politik der Vergangenheit brechen wolle – und das sei mehr als notwendig – dann müsse man neue Wege und auch einige Risiken eingehen. Mauel sei, im Gegensatz zu einigen der Kritiker, überzeugt, dass das neue Regierungsprogramm Kräfte in der Gesellschaft freisetzen werde, die zu neuem Wachstum und damit zu neuen Einnahmen für die Steuer- und Sozialkassen der Region führen würden. Man müsse in Mauels Augen mit der falschen Idee brechen, dass der Staat alles machen müsse. Nach ihrem Verständnis müsse der Staat die Rahmenbedingungen schaffen, damit neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Mehr Menschen in Arbeit bedeute mehr Einnahmen und weniger Ausgaben für den Staat. Genau das brauche man.
Wichtig werde auch sein, welches Programm die neue föderale Regierung für die nächsten fünf Jahre festlege, in der, neben MR und LE, vor allem die N-VA des wahrscheinlichen neuen Premierministers Bart De Wever eine wichtige Rolle spielen werde. Mauel sei überzeugt, es werde in die gleiche Richtung gehen wie das Regierungsprogramm der Wallonischen Region. „Damit hat Belgien endlich durchgehend eine ähnliche wirtschafts- und beschäftigungsfreundliche Politik von Brüssel über Namur bis Eupen, wo mit ProDG, CSP und PFF auch eine Mitte-Rechts-Regierung das Sagen hat“, so Mauel abschließend. (red/kupo)

Kommentare
Was liberale Politiker unter „weniger Staat“ verstehen, verdeutlichten vor wenigen Tagen die deutschen Liberalen, die von der neuen EU-Kommission mit Nachdruck die Rücknahme des Verbrenner-Aus ab 2035 forderten. Damit solle… die deutsche Autoindustrie geschützt werden!
Da zudem herkömmliche Verbrenner auch mit E-Fuels betrieben werden könnten, gebe es keinen Grund, diese Technologie nicht weiter zu nutzen.
Solche von liberaler Ideologie getriebene Ignoranz und Unwissenheit ist nicht verwunderlich, wenn man versteht, dass diese 5%-Parteie in erster Linie Lobby-Politik betreibt, für die gesamtgesellschaftliche Verantwortung keinerlei Bedeutung hat.
Das Engagement der FDP für die deutsche Autoindustrie ist ein vergiftetes Geschenk, denn es wird die technologische Rückständigkeit einer Industrie, die die Zeichen der Zeit und der Zukunft offensichtlich immer noch nicht erkannt hat, weiter vergrößern und ihnen Zukunftsmärkte verschließen.
Der Umbau der Individualmobilität hin zur effizienteren, klima- und umweltfreundlicheren E-Mobilität ist nicht mehr aufzuhalten. Er wird allerdings Industrien, die zu lange auf‘s falsche Pferd setzen vom Markt (dem die Liberalen doch so zugetan sind und von dem sie vorgeben, etwas zu verstehen) verdrängen.
Wer solche „Förderer“ wie die Liberalen hat, braucht keine fernöstlichen Konkurrenten. Er verliert den Kampf um Marktanteile ganz von alleine.
Allein das „Argument“ der E-Fuels verdeutlicht die liberale Ahnungslosigkeit.
Die Herstellung von E-Fuels erfordern einen immensen Energieaufwand, der die Effizienz auf sagenhafte 10% im Vergleich zu einem Stromer reduziert. Käme diese aus regenerativen Energien, wären sie zwar klimaneutral, die Verbrennung hingegen durch die Freisetzung von Stickoxiden, Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoff ebenso umweltschädlich, wie fossile Energieträger.
Das liberale „Weniger Staat“ erweist sich erneut als Mogelpackung. Bleibt zu hoffen, dass die deutsche Autoindustrie sich mit der Unterstützung solcher Blender nicht das eigene… Massengrab schaufelt.
Ich empfehle jedem für das Thema E-Mobilität Interessierten sich die Frage zu stellen, warum auf den nicht elektrifizierten Eisenbahnstrecken (immerhin noch 40% der Nahverkehrsstrecken in Deutschland) immer noch mit Dieselkraftstoff statt mit Batteriestrom betriebene Schienenfahrzeuge verkehren. Die Beantwortung dieser Frage könnte die Begeisterung einiger Kommentatoren für batteriebetriebene Fahrzeuge möglicherweise etwas dämpfen und gleichzeitig zur Versachlichung der Debatte beitragen.
Der Umstand, dass der Bau einer elektrischen Oberleitung mit mehr als 1 Million Euro pro Kilometer zuzüglich Wartungskosten zu Buche schlägt und dennoch dieser Option der Vorzug gegenüber batteriebetriebenen Schienenfahrzeugen gegeben wird, lässt darüber hinaus tief blicken, was die Erwartung der Fachleute bzgl. Effizienz, Leistung und Wirtschaftlichkeit der zukünftigen Batterietechnologie betrifft.
Man versteht nicht so richtig, was die Dieselloks der Deutschen (!) Bundesbahn mit dem Thema des Artikels, der Regierungsbildung in der (belgischen) Wallonischen Region zu tun haben.
Aber so ist das nun mal mit uns Ostbelgiern, sind wir doch bedeutend mehr an deutscher Innenpolitik interessiert als an unserer eigenen.
Wie dem auch sei, es erstaunt jedenfalls; dass der Herr Schmitz als Maschinenbauingenieur so wenig über die Entwicklungen in Sachen Akkuloks und Batterietechnik orientiert ist. Oder täuscht er diese Unwissenheit nur vor?
VW hat sich zwar gerade mit seinem Audi-"Luxus-Geländewagen" made in Brussels vergaloppiert, hat deshalb - entgegen mancher voreiligen Vermutung - die E-Mobilität keineswegs aufgegeben:
„Bahnbrechende Batterietechnologie: VW sichert sich Lizenz für Feststoffzellen-Produktion"
(Quellen: Der Kreisbote - mit Material von dpa - 18-07-2024, und andere)
Kommentar verfassen
3 Comments
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren