Englands Fans haben Southgate im Visier

<p>„Völlig tot“ und außer Tritt: Englands Mittelfeldstar Jude Bellingham.</p>
„Völlig tot“ und außer Tritt: Englands Mittelfeldstar Jude Bellingham. | Foto: Photo News

Er wisse, dass er das Problem sei, gab der umstrittene Teammanager vor dem EM-Achtelfinale gegen den Außenseiter Slowakei zu, „sie sind nicht glücklich mit mir, das ist die Realität.“

Vielleicht hilft ja die Rückkehr in die Schalker Arena, wo die Startruppe um Torjäger Harry Kane mit einem Marktwert von 1,5 Milliarden Euro ihre beste halbe Stunde dieses Turniers gespielt hat – mit einem Jude Bellingham in Weltklasseform. Nach dem 1:0 gegen Serbien noch mit Lob überschüttet, stürzte er danach in ein tiefes Loch und riss den vermeintlichen Titelanwärter mit.

„Auf mich wirkt er sehr frustriert“, stellte Ex-Nationalspieler Wayne Rooney im BBC-Podcast fest und schlug Alarm. Er fürchte, dass er „eine dumme Rote Karte“ bekommen könnte. Bellingham selbst gab nach seinem 50. Spiel der Saison zu, dass er „völlig tot“ sei. Dass sie trotz höchster individueller Qualität nur wenig Offensivdrang auf den Platz bringen, wird vor allem Southgate angekreidet.

„Ich mache mir ernsthaft Sorgen um den taktischen Ansatz“, sagte Gary Lineker als BBC-Experte und forderte, das Team müsse „hoch, aggressiv und mutig“ spielen. Dass Southgate dies am Sonntag (18 Uhr) umsetze, glaube er aber „leider nicht“.

Sollte England nach dem mühsamen Gruppensieg mit nur zwei Toren schon in der ersten K.o.-Runde scheitern, stünde Southgate nicht nur wie nach dem 0:0 gegen Slowenien in Köln im Bierbecher-Regen der Fans. Nach acht Jahren als Teammanager wäre wohl Schluss für ihn.

Mut antrinken für das Achtelfinale und mögliche weitere Proteste gegen Southgate dürfen sich die englischen Fans diesmal in Gelsenkirchens Innenstadt. Die zentrale Fanzone wird geöffnet, es gibt Bier mit vollem Alkoholgehalt. Beim Auftaktspiel gegen Serbien waren die Anhänger der Three Lions noch wegen Sicherheitsbedenken auf die Trabrennbahn verbannt worden, in der Arena gab es nur „verdünnten“ Gerstensaft.

Offenbar will die Stadt ihr Image aufpolieren, das nach der harschen Kritik an dem Abreisechaos und der „Shithole“-Debatte in den Sozialen Netzwerken arg gelitten hatte. Der Urheber, der englische Fan und Blogger Paul Brown, hat sich entschuldigt und in Köln erklärt: „Ich vermisse Gelsenkirchen.“ Auch viele andere Anhänger gaben zu, dass es daheim weitaus schlimmere „Dreckslöcher“ gebe.

Schlechte Erinnerungen haben Englands Fans dennoch: Bei der WM 2006 schied ihr Team im Viertelfinale auf Schalke im Elfmeterschießen aus – nach einer Roten Karte für Rooney. (sid/leo)

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