Frankreich gegen die Niederlande: Spielt Mbappe – oder nicht?

<p>Die Nase von Kylian Mbappe hält ganz Frankreich in Atem.</p>
Die Nase von Kylian Mbappe hält ganz Frankreich in Atem. | Foto: Photo News

Zehntausende Menschen tauchten ganz Hamburg in orange, in der Heimat liefern sich komplette Straßen verrückte Fan-Duelle – und ein Weghorst-Sandwich wird zum Verkaufsschlager an den Tankstellen. Die Niederlande hat das EM-Fieber gepackt. Sogar der „Koning“ ist begeistert. Während die Oranje-Anhänger schon titelreif sind, soll ihre Euphorie auch das Team von Bondscoach Ronald Koeman weit tragen.

Der Fan-Wahnsinn bleibt kurz vor dem wegweisenden Duell mit Frankreich am Freitag (21 Uhr) jedenfalls auch im Lager der Elftal nicht unbemerkt. „Wenn sie uns weiter auf diese Weise unterstützen, gibt uns das nochmal einen Schub“, sagt Verteidiger Stefan de Vrij. Auch Donyell Malen zeigt sich beeindruckt: „Das ist schon ziemlich besonders. Ich kann nur hoffen, dass das Oranje-Fieber noch lange anhält.“ Über mangelnde Unterstützung brauchen sich der Offensivspieler und seine Teamkollegen jedenfalls keine Gedanken zu machen. In Leipzig ist die nächste Party geplant, wenn es im zweiten Gruppenspiel gegen den Vize-Weltmeister geht.

Bereits vor dem Auftakt gegen Polen (2:1) hatten rund 40.000 Menschen am Sonntag die Straßen Hamburgs bei einem Fanmarsch in eine orangefarbene Feierzone verwandelt – und spätestens das Siegtor von Wout Weghorst machte das nach dem Bundesliga-Stürmer benannte Sandwich zum Verkaufsschlager an den Tankstellen des Familien-Imperiums. Viele Fans machen dort Halt, um das „Broodje Wout“, ein Teriyaki-Sandwich mit orangefarbener Sauce, zu probieren.

Weit vor dem Auftakt der niederländischen Nationalmannschaft in Deutschland hatten in der Heimat bereits die Vorbereitungen zu einem ganz anderen Duell begonnen: Bei jedem Turnier wird die „mooiste Oranjestraat“ gekürt – die schönste, orangefarbene Straße des Landes.

Gesundheitszustand ein Staatsgeheimnis

Beim Seriensieger, dem Marktweg in Den Haag, war der Ehrgeiz wieder groß. Komplette Häuserfassaden wurden in leuchtende Oranje-Planen gehüllt, kilometerlange Fahnengirlanden zieren die Straße. Die aktuelle Euphorie begeistert auch das Königshaus. „Die ganze Welt sieht, dass sich die niederländischen Fans vorbildlich verhalten“, sagte König Willem-Alexander der Zeitung „De Telegraaf“. Und der Fan-Wahnsinn soll weitergehen, im besten Fall bis zum zweiten Titel nach 1988.

Der Gesundheitszustand des französischen Superstars Kylian Mbappe wird unterdessen vom französischen Verband gehütet wie ein Staatsgeheimnis – und auch Mbappe selbst lässt die besorgten Fans im Unklaren. „Ohne Risiken keine Siege“, schrieb der 25-Jährige kryptisch in den Sozialen Medien. Mit einem großen Pflaster auf der gebrochenen Nase absolvierte Mbappe am Mittwochabend im Teamquartier des Topfavoriten eine individuelle Athletik-Einheit, tauschte sich dabei mit Nationaltrainer Didier Deschamps aus. Frankreichs Fußball-Verband FFF hatte für Mittwoch ein Update zum Wohlbefinden des Angreifers angekündigt – das blieb jedoch aus.

Hoffnung machten die Aussagen seiner Teamkollegen. „Gute Nachrichten, es ging ihm besser“, berichtete William Saliba. Mbappe habe sich einigen Untersuchungen unterzogen. Ob der Kapitän aber auflaufen kann, da wollte sich noch niemand festlegen.

Nach dem Nasenbeinbruch, den Mbappe sich in der Schlussphase beim Auftaktsieg gegen Österreich (1:0) zugezogen hatte, teilte der Verband im Wissen um die Brisanz einer nationalen Angelegenheit lediglich mit, dass eine Maske gefertigt werde, die es ermögliche, „nach einer gewissen Zeit der Behandlung eine Rückkehr ins Spiel zu erwägen“. So oder so steht Deschamps vor einem Dilemma.

Schont er seinen eigentlich unverzichtbaren Weltstar gegen die knallharten niederländischen Verteidiger um Virgil van Dijk lieber für den weiteren Verlauf des Turniers, in dem Mbappe inmitten der politischen Debatten um den Rechtsruck in der Heimat der große Hoffnungsträger ist? Oder ist der Kampf um den wichtigen Gruppensieg Argument genug, um den zukünftigen Angreifer von Real Madrid als Maskenmann auflaufen zu lassen?

Fakt ist: Im topbesetzten Kader der Franzosen ist Mbappe vielleicht der einzige Akteur, der nicht gleichwertig zu ersetzen ist. Ein mögliches Fehlen gegen die Niederlande wäre daher „ein harter Schlag“, sagt Teamkollege Adrien Rabiot. (sid/leo)

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