Das Gezocke seiner Spieler hat Luciano Spalletti satt. Zumindest tief in der Nacht sollen Italiens Fußballer die Konsole ruhen lassen, ansonsten, das versicherte der Nationalcoach nach dem Playstation-Wirbel der vergangenen Tage im italienischen Lager, sitze auch er schonmal im Spieleraum der Casa Azzurri und vertreibe seine Zeit an dem „nagelneuen“ Gerät. Als Beweis, betonte Spalletti, wolle er dies sogar in den Sozialen Medien posten.
Nach hitzigen Diskussionen über Profis, die zuletzt stundenlang bis tief in der Nacht vor der Konsole gehockt haben sollen, und Berichten über ein Playstation-Verbot auf den Zimmern versuchte der 65-Jährige kurz vor dem Start der Mission Titelverteidigung die Gemüter zu beruhigen. Ein Verbot? Nein, nein, er wolle nur nicht, dass seine Schützlinge „die ganze Nacht spielen bis in die Früh“, sagte Spalletti: „Was mich interessiert, ist, dass sie nachts schlafen.“
Und dennoch geht es strenger zu im EM-Quartier der Italiener, die seit ihrem WM-Triumph in Deutschland immer wieder mit sich selbst kämpften, Erfolge feierten, aber auch bittere Enttäuschungen erlebten. Eine Fußballnation sucht ihre Identität, nach etlichen Auf und Abs. Es verwundert kaum, dass Italien in gewisser Weise den Geist von 2006 beschwört und Spalletti den vollen Fokus auf das Sportliche richtet. Der Druck in der Hammergruppe B mit Spanien und Kroatien ist schließlich gewaltig.
Er kenne die „Achterbahnfahrten“, betonte Spalletti vor dem Auftakt am Samstag (21 Uhr) in Dortmund gegen Albanien. Manchmal „bist du kurz davor, die Nummer eins der Welt zu sein, kurz danach hast du große Probleme“. Das Team müsse „verstehen, dass wir uns sofort wie ein Titelverteidiger verhalten müssen“.
Ein weiterer Appell an seine Spieler? Nachdem die Qualifikation erst am letzten Spieltag mit gerade einmal 14 Punkten aus acht Spielen gelungen war, wütete Spalletti über die „Sucht“ seiner Profis, die „bis vier Uhr morgens auf der Playstation spielen“. Ein Beispiel? Bergamos Gianluca Scamacca flog wohl deshalb zwischenzeitlich aus dem Kader, zeigte sich aber einsichtig und erkämpfte sich das Vertrauen mit starken Leistungen zurück.
Zu den Topfavoriten gehört Italien nach der verpassten WM 2022 aber keineswegs. Prominentester Name im Team ist Gianluigi Donnarumma, Gianluigi Buffons Nachfolger im Tor. Jener Buffon führte einst die goldene Generation mit Spielern wie Francesco Totti, Alessandro Del Piero oder Andrea Pirlo zum Triumph in Berlin.
Und diesmal? Die angereisten Tifosi „geben uns das Gefühl, zu Hause zu sein – so war es 2006, und so ist es jetzt wieder“, sagte Buffon, der als Delegationsleiter mit dabei ist und wie so viele Italiener hofft, dass die Nationalmannschaft ihre Identitätskrise in bekannter Umgebung endgültig überwindet. 18 Jahre nach dem Titelgewinn fühlt sich die Squadra Azzurra in Deutschland zumindest wieder einmal pudelwohl. Unabhängig von der Playstation. (sid/tf)

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