Hunderttausende Menschen gehen in ganz Deutschland gegen Rechtsextremismus auf die Straßen

<p>In Düsseldorf gingen knapp Hunderttausend Menschen auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren.</p>
In Düsseldorf gingen knapp Hunderttausend Menschen auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. | Foto: dpa/ David Young

Polizei und Veranstalter sprachen von rund 25 000 Demo-Teilnehmern. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte, die AfD wolle den Systemwechsel. „Das heißt nichts anderes als, sie wollen zurück in die dunklen Zeiten des Rassenwahns, der Diskriminierung, der Ungleichheit und des Unrechts.“ Er zog einen Vergleich mit der Weimarer Republik, die nicht an ihren Feinden, sondern an der Schwäche ihrer Freunde zugrunde gegangen sei. „Heute wissen wir es besser, Geschichte darf sich nicht wiederholen.“

In Düsseldorf stand die Demonstration unter dem Motto „Gegen die AfD - Wir schweigen nicht. Wir schauen nicht weg. Wir handeln!“ Unter den Protestierenden waren Menschen jeden Alters, darunter viele Familien mit Kindern. In Düsseldorfer Tradition marschierten die Demonstranten teilweise mit Punkmusik. Auf den Transparenten standen Aufschriften wie „Ich mag Nazis generell nicht“ und „Nicht nochmal!“ Ein 69-Jähriger, der nach eigenen Worten erstmals seit Jahrzehnten wieder in einer Demo mitlief, sagte: „Wenn wir jetzt nicht Flagge zeigen, gehen wir in eine Richtung, aus der wir nicht mehr rauskommen.“

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sagte, um 1930 seien die Gefahren für die erste deutsche Demokratie unterschätzt worden. Warner seien belächelt worden. „Das darf uns nicht noch einmal passieren“, mahnte er. „Den Extremisten rufen wir zu: Nie wieder werdet ihr in der Mehrheit sein!“

Demos von Lübeck bis Singen

In Kiel zählte die Polizei rund 11 500 Teilnehmer einer Demonstration gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. „Unsere Demokratie ist stabiler als die Demokratie vor 100 Jahren, aber seien wir uns nicht zu sicher“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). In Lübeck gab es laut Polizei rund 8000 Demonstranten, in Kaiserslautern rund 6000 und in Worms rund 4000. In Aachen waren es nach ersten Angaben der Beamten etwa 12 500 Menschen, in Marburg mehr als 12 000. In Weimar zählte die Polizei 1500 Menschen, die Veranstalter sprachen von 2000.

Demonstrationen schon seit einigen Tagen

Schon am vergangenen Wochenende hatten sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums mehr als 900 000 Menschen an Demonstrationen gegen rechts beteiligt. Es berief sich dabei auf Polizeiangaben. Am Freitag gingen die Proteste dann weiter, etwa in Frankfurt am Main, Saarbrücken, Herne und Gütersloh. Die Demonstrationen an diesem Samstag fielen zusammen mit dem Holocaust-Gedenktag, an dem bei zahlreichen Veranstaltungen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wurde.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) begrüßte die zahlreichen Demonstrationen gegen Rechtsextremismus der vergangenen Tage und Wochen. „Unser Land ist gerade auf den Beinen. Millionen Bürgerinnen und Bürger gehen auf die Straße“, sagte er in seinem wöchentlichen Video „Kanzler kompakt“. Es sei der Zusammenhalt der Demokratinnen und Demokraten, der die Demokratie stark mache. „Unsere Demokratie ist nicht gottgegeben. Sie ist menschengemacht. Sie ist stark, wenn wir sie unterstützen. Und sie braucht uns, wenn sie angegriffen wird.“

Auslöser der Proteste waren Enthüllungen des Recherchezentrums Correctiv über ein Treffen radikaler Rechter am 25. November, an dem einige AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion in Potsdam teilgenommen hatten. Der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, hatte bei dem Treffen nach eigenen Angaben über „Remigration“ gesprochen. Wenn Rechtsextremisten den Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll - auch unter Zwang. Laut Correctiv nannte Sellner drei Zielgruppen: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht und „nicht assimilierte Staatsbürger“. (dpa/mo)

Kommentare

  • Diese hier genannten Enthüllungen des "Recherchezentrums Correctiv" (welch eine Selbstbeweihräucherung) über ein „Geheimtreffen“ zwischen Rechten und Politikern sind frei erfunden und erlogen. Es gab ein privates Treffen eines Bekanntenkreises. Die Behauptungen von correctiv, dass dort über massenhafte Deportationen von Ausländern und Deutschen mit Migrationshintergrund zurück in Herkunftsländern verhandelt wurde und ähnliches (ein Vergleich mit der Wahnsee-Konferenz wurde gezogen), sind frei erfunden.
    Es gibt inzwischen Klagen gegen Correctiv aufgrund dieser Falschbehauptungen.
    Auf der Website von Correctiv selber wird jetzt der eigene 'Irrtum' schön, d.h. die reden um den heissen Brei herum, dass sie tatsächlich gelogen haben.
    Jetzt wird sogar bestritten, dass von 'Deportationen' die Rede war. Oh doch, Correctiv hatte letzte Woche noch behauptet, dass auf dieser 'neuen Wahnsee-Konferenz über Deportationen von Ausländern' gesprochen wurde.
    Wie gesagt, jetzt reden die sich aus ihren eigenen Lügen heraus.

    Nun steht bei Correctiv.org
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    Hat CORRECTIV in der Geheimplan-Recherche das Wort „Deportation“ geschrieben – und darüber später falsche Angaben gemacht?
    Wichtig ist: Bei dem Treffen in Potsdam sprachen die Teilnehmer über Pläne, um Millionen Menschen aus dem Land zu treiben. Sie benutzten dafür nicht den Begriff Deportation, sondern den Begriff Remigration.
    ...etc.... bla bla bla
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    das Wort Remigration wird ebenfalls in Kontexten gebraucht, um Kriegsflüchtlinge oder politisch Verfolgte wieder in ihre Heimatländer zurückzuführen, damit dort alle Beteiligten in einer geänderten gesellschaftlichen Situation weiterleben. Es ist also auch ein positiver Begriff, wenn von Remigration die Rede ist.

    Die Unfehlbarkeit des Papstes ist anscheinend in den vergangenen jahren auf die politisch korrekten Faktenchecker übergegangen. Und wenn die mal nen Fehler machen? ja dann macht man den eben wieder rückgängig.
    Correctiv ist plumpe verlogene links-grüne Propaganda und sonst NICHTS.
    Wer dreimal lügt, dem...

  • Waren Sie dabei Herr Scholzen? Wenn nicht behaupten Sie bitte nichts was Sie nicht beweisen können. Im Übrigen sollten wir in Belgien irgendwelche deutschen Neonazis nicht einfach ignorieren?

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2 Comments