Der ewige IOC-Präsident – Thomas Bach wird am Freitag 70 Jahre alt

<p>Eine Amtszeit über zwölf Jahre hinaus? Bei Thomas Bach nicht undenkbar.</p>
Eine Amtszeit über zwölf Jahre hinaus? Bei Thomas Bach nicht undenkbar. | Foto: dpa

Eine Anekdote, die vor allem eines zeigt: Thomas Bach gefällt sich in der Rolle des Weltenlenkers im Sport. Angesichts seines 70. Geburtstags am Freitag denkt der Fecht-Olympiasieger und Jurist jedenfalls noch nicht an Ruhestand.

Bis 2025 ist Bach zum Vorsitzenden des Internationalen Olympischen Komitees gewählt, doch ob er die Schlüssel zum Olympic House am Nordufer des Genfersee tatsächlich nach zwölf Amtsjahren übergeben wird, ist offen.

Immerhin gab es diesen Vorstoß aus der IOC-Familie, vorgebracht beim Parteitag des Ringe-Ordens im Oktober in Mumbai: Bach solle doch überlegen, länger im Amt zu bleiben. Hierzu könne man die Olympische Charta, die für den Präsidenten derzeit das Limit bei zwölf Amtsjahren setzt, doch anpassen. Das sei ihm „menschlich gesehen so herum viel lieber, als wenn alle den Tag nicht erwarten können, wenn der Alte dann endlich weg ist“, sagte Bach kürzlich im Welt-Interview.

Per Zweidrittelmehrheit könnte die IOC-Vollversammlung vor den Sommerspielen 2024 in Paris ihre selbst gegebene Verfassung ändern. Voraussetzung wäre ein entsprechender Antrag, der Formsache sein dürfte. Weiterhin gut zu wissen: 76 der derzeit 107 Mitglieder, etwa 71 Prozent, wurden unter Bach ins IOC gewählt.

Bachs Standing in den eigenen Reihen ist immens, nicht selten wird der gebürtige Würzburger bei IOC-Sessions mit Huldigungen und Liebesbekundungen bedacht. „Wer einmal infiziert ist mit dem Olympic Spirit, kommt davon nicht los“, sagt Bach selbst und strahlt dieses Gefühl auch aus.

Doch bleibt er nun? Er mache sich seine Gedanken, sagt Bach. „Nach meinem Verständnis von Führung ist es nicht angemessen, Vorschläge von IOC-Mitgliedern einfach so wegzuwischen“, sagte er zuletzt im Interview mit seiner Heimatzeitung Fränkische Nachrichten.

Während „ersten Gesprächen“ habe er „festgestellt, dass die Unterstützung für diesen Vorschlag größer ist, als auf der Session zum Ausdruck kam“, zugleich stehe er aber „loyal“ zur Olympischen Charta. Das Prinzip, kommunikativ nur Trippelschritte zu gehen, hat das IOC unter Bach perfektioniert.

Bach hat aber sicherlich auch ein Vermächtnis geschaffen. In Paris werden erstmals gleich viele Frauen und Männer antreten, mit den Agenden 2020 und 2020+5 bremste das IOC den Gigantismus ein, auch das Flüchtlingsteam wurde in seiner Amtszeit gegründet.

Intransparenz bei der Vergabe von Spielen, auffällige Nähe zu Despoten und nicht zuletzt sein allzu nachsichtiger Umgang mit Russland – auch Dopingskandale oder der Angriffskrieg auf die Ukraine etwa führten nicht zu einem generellen Ausschluss russischer Sportler – brachten Bach aber auch immer wieder laute Kritik ein. Vor allem aus der Heimat. „Wenn man nicht immer alles liest aus Deutschland, dreht die Welt sich trotzdem weiter“, sagt Bach, von 2006 bis 2013 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, und setzt halb im Scherz hinzu: „Wenn ich jeden Kritiker anrufen würde, hätte ich nicht mehr viel anderes zu tun.“

Genug auf der Agenda hat er aber auch so. Die Sommerspiele in Paris stehen vor der Tür. Dazu will er mit dem IOC neue Märkte erschließen. Geographisch dürfte die olympische Zukunft in Asien liegen, Indien oder Katar buhlen aussichtsreich um künftige Ausrichtungen. In diesen Wachstumsregionen ist noch Geld zu verdienen. Und auch in der virtuellen Welt will das IOC vorangehen, olympische Wettbewerbe im E-Sports könnten etwa das Portfolio der Ringe-Organisation erweitern. Die digitale Revolution, insbesondere die Künstliche Intelligenz und der E-Sport, böten der Olympischen Bewegung enorme Chancen, sagt Bach. „Aus diesem Grund prüft die E-Sport-Kommission des IOC die Schaffung Olympischer E-Sport-Spiele“, betont er.(sid/dpa/leo)

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