Pep Guardiola rätselt über Citys Schwäche

Premier League

Kevin De Bruyne ist noch nicht zu hundert Prozent fit. | Foto: afp

Titelverteidiger Manchester City droht in der Premier League den Anschluss an die Spitze zu verlieren. Die Toppartie Anfang Januar gegen Tabellenführer FC Liverpool steht schon im Blickpunkt. Dessen Trainer Jürgen Klopp gibt Citys Guardiola nun Ratschläge.

Jürgen Klopp gab Pep Guardiola Nachhilfe im speziellen Fach Fußball-Mathematik. Wenn er bei Manchester City wäre, sagte der Trainer des FC Liverpool, „dann würde ich denken, es wären nur vier Punkte Rückstand“. Dabei weist die Tabelle der Premier League nach dem Weihnachtsspieltag den Abstand zwischen dem Tabellenführer von der Anfield Road und dem auf Rang drei zurückgefallenen Titelverteidiger City doch mit satten sieben Zählern aus. Aber Klopp – ganz der Motivationskünstler – würde einen Sieg von Manchester im Spitzenspiel am 3. Januar gegen die „Reds“ bereits einkalkulieren, wenn er als Guardiola vor eine kriselnde Elf treten müsste.

Man City ist der große Verlierer der Weihnachtszeit. Das 1:2 am Boxing Day bei Leicester City war die dritte Niederlage in den zurückliegenden vier Liga-Spielen. In der vergangenen Saison hatte die Mannschaft insgesamt nur zweimal verloren. Tottenham Hotspur (Klopp: „Die fliegen“) ist mit dem 5:0 gegen AFC Bournemouth an Guardiolas Team vorbeigezogen und seit Mittwoch mit sechs Punkten Rückstand nun erster Liverpool-Verfolger.

Auch Guardiola versuchte sich in der speziellen Mathematik seines Sports.

Guardiola, der City in der dritten Saison betreut, grübelt. Nach der Niederlage gegen Leicester sagte der Katalane, er müsse nun „reflektieren und nachdenken, was die Mannschaft braucht und wie ich ihr helfen kann“. Alles Kopfsache! „Gute Ergebnisse wirken Wunder. Nun sind da Zweifel. Aber wir müssen die Dynamik ändern, um Spiele zu gewinnen und gute Leistungen zu bieten, um etwas zu bewegen und zu versuchen, wieder zu gewinnen.“

Auch Guardiola versuchte sich in der speziellen Mathematik seines Sports: „Wir haben eine unfassbare Punktzahl. In einer normalen Situation würden wir um die Meisterschaft kämpfen. Aber die Wirklichkeit ist, dass da zwei andere Teams sind, und die sind besser.“ 44 Punkte hat City in der ersten Halbserie erreicht, im vergangenen Jahr waren es zum entsprechenden Zeitpunkt freilich 55 und am Saisonschluss 100 Zähler. Anfang Dezember stand Man City noch an der Tabellenspitze, und die Marke aus der vergangenen Spielzeit schien wieder in Reichweite.

Leitfigur Vincent Kompany ist unter Guardiola nicht mehr gesetzt.

Ein Problem ist die Defensive. Wettbewerbsübergreifend blieb Guardiolas Team seit neun Partien nicht mehr ohne Gegentreffer, was der Trainercrew „natürlich Sorgen macht“. Das US-Magazin „Sports Illustrated“ erkennt zudem einen „Mangel an Führung auf dem Platz. Da ist niemand, der sich das Spiel greift und es in Citys Richtung lenkt, wenn die Dinge falsch laufen“. Nationalspieler Kevin De Bruyne wäre so eine Person, ist aber gerade erst wieder fit und wird (noch) ein- oder ausgewechselt. Außerdem ist Leitfigur Vincent Kompany unter Guardiola nicht mehr gesetzt. Er wurde jüngst sogar mit dem FC Barcelona in Verbindung gebracht. „Sports Illustrated“ schreibt weiter, dass Guardiola-Mannschaften – ob der FC Barcelona, der FC Bayern oder jetzt Manchester – stets nur dann stark seien, wenn sie an der Spitze vorangingen. Der enge Titelkampf aber sei nicht die Spezialdisziplin von Pep-Teams. „Es kann sein, dass bei hohem Druck auf das Team, die starke Persönlichkeit (des Trainers) dazu führt, die Angst der Spieler zu vergrößern“, deutet das Magazin. Klopp hingegen gibt nach der erfolgreichsten Hinrunde der Klubgeschichte den Mahner. „Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen, und das wissen wir alle“, so der deutsche Coach. (dpa/mv)

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