Bayat und Veljkovic im Kreuzfeuer – Leko auf freien Fuß

Ermittlungen

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Die Föderale Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag alle Vorwürfe gegen die Spielervermittler Mogi Bayat und Dejan Veljkovic bestätigt, die im Laufe des Mittwochs bekannt geworden waren.

Von Jürgen Heck

Der Franko-Iraner und der Serbe haben, so der Vorwurf der Ermittler, unabhängig voneinander jeweils ein Konstrukt von Gesellschaften und Rechtspersonen aufgebaut, das es ihnen erlaubt, ihre Gewinne bei Transfers zu optimieren. Geschädigt wurden demnach sowohl die Vereine wie die Spieler, die die Manager unter ihre Obhut genommen haben. Bayat wie Veljkovic arbeiteten dabei mit Familienangehörigen und Bekannten zusammen, die im Ausland wohnhaft sind – bei Bayat in Frankreich, Luxemburg und England, bei Veljkovic auf Zypern, in Serbien und Mazedonien. Gegenstandslose Rechnung für Scouting oder Beratung sollen dazu erstellt worden sein.

Aus diesem Grunde kam es Mittwoch zu einer konzertierten Aktion, bei der mehr als 200 Polizisten bei 44 Hausdurchsuchungen in Belgien und 14 im Ausland im Einsatz waren. Neben zahlreichen Dokumenten wurden Luxusuhren, Schmuck und Bargeld in einem Gesamtwert von rund elf Millionen Euro beschlagnahmt. Sporting Lokeren, KV Mechelen, Standard Lüttich, RC Genk, Club Brügge, RSC Anderlecht: Die Namen all dieser aktuellen und früheren Erstdivisionäre fielen unter anderem in diesem Zusammenhang.

Zu den Geschäften von Mogi Bayat, denen die Ermittler eine besondere Aufmerksamkeit widmen, gehört der Transfer von Henry Onyekuru von der AS Eupen zum FC Everton. Der Nigerianer war unmittelbar nach seinem Wechsel zum Premier-League-Club an den RSC Anderlecht ausgeliehen worden.

Im Laufe der seit Ende 2017, aber noch immer auf vollen Touren laufenden Ermittlungen trat dann zudem zutage, dass Dejan Veljkovic auch in Spielmanipulationen verwickelt sein soll (siehe dazu auch den Beitrag „Sollte KV Mechelen in der 1. Division bleiben?“). Dazu soll er nicht zuletzt seine freundschaftlichen Kontakte zu den Schiedsrichtern Bart Vertenten und Sébastién Delferière genutzt haben. Im Verdacht stehen auch zwei Journalisten, die Bart Vertentens Schiedsrichterleistungen in ihren jeweiligen Presseorganen in einem besonders positiven Licht dargestellt haben sollen.

Die wichtigsten Fakten im Kurzüberblick:

  • 1. Division B spielt nicht am Wochenende

Die Profiliga des belgischen Fußballs hat am Donnerstagnachmittag eine erste Konsequenz gezogen: Der für das kommende Wochenende geplante zehnte Spieltag in der 1.Division B, in der unter anderem der KV Mechelen spielt, wurde abgesagt.

  • Keine Einsätze mehr für Vertenten und Delferière

Schiedsrichter-Chef Johan Verbist hat am Donnerstag angekündigt, dass die im Rahmen der Ermittlungen verhörten und der Bestechlichkeit verdächtigten Schiedsrichter Bart Vertenten und Sébastién Delferière vorläufig nicht mehr zum Einsatz kommen werden.

  • Club-Trainer Ivan Lekoauf freien Fuß gesetzt

Ivan Leko, der Cheftrainer von Landesmeister Club Brügge, wurde am Donnerstag ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Der Kroate wird dennoch beschuldigt, und zwar der Geldwäsche.

  • Haftbefehl gegen KVM-Finanzdirektor

Zu den „Prominenten“, gegen die der Untersuchungsrichter einen Haftbefehl erließ, gehört der Finanzdirektor des am Ende der vergangenen Saison aus der 1. Division abgestiegenen KV Mechelen, Thierry Stemans. Außerdem werden drei seiner Vorstandskollegen beschuldigt.

Lesen Sie zu dem Thema auch: Das Beben im belgischen Fußball: Die Bellemans-Affäre lässt grüßen

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