Vom Herzleiden bis zur Fußpflege

„Ich bin glücklich über das Ergebnis der jahrelangen Arbeit“, sagt Dr. Erik Janssen, Allgemeinmediziner in der Gemeinde Kelmis. Nach einigen Rückschlägen und Geduldsproben wurde der Traum von einem medizinisch polyvalenten Zentrum in der „Residenz Unique“ jetzt am Kirchplatz wahr. Dort soll die Grundversorgung für die Gemeinden Kelmis uns Bleyberg gewährleistet werden.

Insgesamt besteht das MPZ aus vier Bereichen, wovon einer bereits größtenteils vermietet ist. Dort arbeiten künftig Dr. Erik Janssen, seine Kollegin Dr. Elisabeth Janssen, die Vervierser Kardiologen Kristel Maeyens und Jean-François Noël, die Psychologin Gitte Beaupain und der Kiné Frank Vossen. Auch das Labor Synlab wird dort angesiedelt, ebenso eine Krankenpflegerin und der Dienst Provikmo. Weitere Büros für (para)medizinische Berufe stehen zur Verfügung. „Sie sind so konzipiert, dass sie von mehreren Personen nach dem Time-sharing-Prinzip genutzt werden können“, erklärt Daniel Schroeder, selbstständiger Krankenpfleger und Leiter des Zentrums.

Fünf Ärzte und ein Krankenpfleger investierten in das Zentrum.

Zur Verwirklichung des MPZ, das eine Privatinitiative ist, haben sich fünf Ärzte (Erik Janssen und Jean-Michel Deckers aus Kelmis, André Carlier und Christian Charlier aus Bleyberg und Jean Collard aus Verviers) und Daniel Schroeder zusammengetan und eine Aktiengesellschaft gegründet. Die Hälfte der Kosten wurde gleichteilig von den sechs Investoren gestemmt, die andere Hälfte per Kredit finanziert.

Die beiden Allgemeinmediziner sind derzeit mit dem Umzug in ihre neuen Büros beschäftigt und auch die Praxen der Kardiologen sind „startklar“. In den drei anderen Flügeln herrscht – noch – Leere. Das soll sich bald ändern. „Wir stehen in Verhandlung mit Kollegen, aber die Verträge sind noch nicht unterschreiben“, erklärt Erik Janssen. Er ist guten Mutes, zwei weitere Bereiche zügig vermieten zu können. Einer der Verhandlungspartner ist das St.Nikolaus-Hospital Eupen, das auf 90 Quadratmetern verschiedene, noch zu definierende Dienste in dem Kelmiser Zentrum anbieten könnte.

Im dritten Bereich finden Urologie (die Eupener Urologen Frank Jakob und Johan Lambertz) und eventuell später auch Gynäkologie ihren Platz. Für den vierten Flügel schwebt Erik Janssen ein Diabetes-Zentrum vor. „Das wäre mein Traum. Die Krankheit Diabetes explodiert, der Bedarf besteht auf jeden Fall. In Zusammenarbeit mit einem Allgemeinmediziner und einem Krankenpfleger könnten die Patienten dann auf die Dienste eines Diätassistenten, eines Diabetologen und eines Psychologen zurückgreifen.“ Weitere Wunschkandidaten wären ein Zahnarzt, ein Dermatologe, ein Kinderarzt und ein Psychiater sowie weitere Paramediziner (Fußpflege, Kiné, etc). Jeder Flügel verfügt über Empfangsraum, Wartezimmer und Toilettentrakt.

„Der Mietpreis pro Quadratmeter ist für jeden gleich“, betont Erik Janssen. Insgesamt hat das Zentrum, das im Erdgeschoss angesiedelt ist, eine Fläche von 840 Quadratmetern und ist behindertengerecht eingerichtet. „Die Beleuchtung ist auf Menschen mit Sehbehinderung abgestimmt und es gibt keine reflektierenden Fließen“, so die Initiatoren.

Wichtig ist ihnen, dass jeder Patient frei seinen Arzt wählen kann. „Es handelt sich nicht um ein Ärztehaus, wie in Eupen“, unterstreicht Erik Janssen.

Der Mietpreis pro Quadratmeter ist für jeden gleich.

Die Schaffung von medizinischen Zentren oder Gemeinschaftspraxen liegt im Trend. „Die Unis erziehen junge Ärzte, in Zentren zu arbeiten, wo Synergien geschaffen werden“, so Janssen. Weil außerdem immer mehr Frauen den Arztberuf erlernen, aber trotzdem nicht auf Familie und Privatleben verzichten wollen, seien für den Ersatz von zwei „alten“ Hausärzten drei neue nötig. Die Verwalter des Hauses haben an den belgischen Universitäten Werbung für ihr MPZ gemacht. Größtes Problem auf der Suche nach Kollegen ist die Deutschsprachigkeit, haben sie festgestellt.

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