Es wird lebendig am "Balkon von Raeren"



Gemeinde und Gemeinschaft, Verkehrsverein Raeren und Tourismusagentur Ostbelgien, ÖKLE und Pfarrgeistlichkeit, Architekten, Bauunternehmer und Anwohner – es war eine bunte Gesellschaft, die sich am Samstagnachmittag am Langenbend traf. Ansprachen von Schöffe Joachim Van Weersth (Mit Uns), Bürgermeister Hans-Dieter Laschet (Mit Uns) und Ministerin Isabelle Weykmans (PFF) sowie die Segnung der Infrastruktur durch Raerens Pastor Peter Dries bildeten den offiziellen Teil einer geselligen Feierstunde. Dass der alte Bahnhof und sein Umfeld wieder mit Leben erfüllt werde, das war der Wunsch, der hierbei immer wieder geäußert wurde.

Eine touristische Infrastruktur mit viel Entwicklungspotenzial

Am „Balkon Raerens“, mit toller Aussicht über das Töpferdorf bis hin nach Aachen und in das weite Wiesenland der Grenzlandschaft, wurde der erste konkrete Schritt getan für eine Entwicklung, die vielleicht erst in einigen Jahrzehnten ihren Abschluss finden wird, wie Bürgermeister Hans-Dieter Laschet in der vielleicht letzten Rede seiner Amtszeit sagte. Der Café-Pavillon mit seiner Terrasse sowie die beiden historischen Waggons als zusätzliche Sitzgelegenheiten – und dies unmittelbar neben dem „europa- oder gar weltweit einzigartigen Saxby-Stellwerk“ sowie nur wenige Schritte vom vielbefahrenen Vennbahn-Radweg entfernt — am Raerener Bahnhof gibt es jetzt eine kleine, aber feine touristische Infrastruktur mit viel Entwicklungspotenzial. Alle Festredner wünschten dem Betreiber Marc Vandenrul viel Erfolg. Und dieser zeigte sich nach den Erfahrungen, die er seit Juli in dem „Provisorium“ der beiden Waggons hat sammeln können, überzeugt von den Möglichkeiten, die sich am Raerener Bahnhof und in seiner neuen Infrastruktur bieten.

Die offizielle Eröffnung bot auch den Anlass für viele Dankesworte. Schöffe Joachim Van Weersth, der als das „Arbeitspferd“ bei diesem Projekt gilt, rief in seiner Ansprache den langen Werdegang in Erinnerung. Zunächst hatte die Gemeinde die beiden Stellwerke mit dazugehörigem Gelände und wenig später die beiden alten Waggons gekauft. „Nach viel Hin und Her“ sei eine In-frastruktur entstanden, die den ersten konkreten Schritt bei der Verwirklichung des langfristigen Freiraumkonzeptes für das gesamte Bahnhofsareal darstelle, sagte der Schöffe. Das hier entstandene Angebot richte sich ausdrücklich an vorüberkommende Ravel-Touristen und an Raerener, führte er weiter aus.

Ministerin Isabelle Weykmans unterstrich in ihrem Redebeitrag die historische Bedeutung der Vennbahn und des „schönsten Bahnhofs an der gesamten Ravel-Strecke“, der in Raeren stehe. Als Rad- und Wanderweg zwischen Aachen und Luxemburg sei der Vennbahnweg für Ostbelgien ein wichtiges touristisches Flaggschiff, das durch die Möglichkeit, auch in Raeren gemütlich einzukehren und zu verweilen, weiter aufgewertet werde.

Bürgermeister Hans-Dieter Laschet wagte seinerseits einen Ausblick: Die demnächst wohl unter Denkmalschutz stehende Drehscheibe, die Stellwerke, aber auch die Aktivitäten der Walheimer Eisenbahnfreunde, die Euregiobahn und vieles andere bezog er in diesen Ausblick ein. Man solle „seine Visionen nicht zu schnell beiseite legen“, sagte der scheidende Bürgermeister. Er selber werde in seinem politischen Ruhestand die neue Infrastruktur, die er als architektonisch sehr gelungen wertete und die sich schön in das historische Ensemble einfüge, für Freizeit und Erholung nutzen, versprach er.

„Viele gute Begegnungen und Erlebnisse“ wünschte Pastor Peter Dries den Besuchern des Café-Pavillons und segnete die Räumlichkeiten, deren Betreiber und Gäste.

Am Samstagabend sowie am Sonntag nutzte die Bevölkerung bei sonnigem Herbstwetter ausgiebig die Gelegenheit, sich den neuen „Kiosk“ genauer anzuschauen. Auch Führungen durch das benachbarte historische Stellwerk wurden von den Eisenbahnfreunden Manfred Hirtz und Christian Lohner angeboten.

Belgische Biere und ein erweitertes Snack-Angebot

Bis zum Frühling will Konzessionär Marc Vandenrul den Café-Pavillon an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen jeweils von 11 bis mindestens 18 Uhr — bei Bedarf auch länger — öffnen. „Ich muss erst einmal Erfahrungen sammeln, schauen, was die Leute wünschen, und wann wer kommt“, sagt er. Bei gutem Wetter, so seine bisherige Erfahrung, ist die Nachfrage wirklich groß: „Radfahrer etwa, die über den Ravel aus Richtung Aachen kommen, stärken sich hier gerne noch einmal vor der leichten Steigung in Richtung Roetgen. Aber auch Einheimische haben entdeckt, dass man im und am Pavillon gemütlich gepflegte Getränke oder kleine Snacks zu sich nehmen und eine gute Zeit verbringen kann“, erzählt er. „Belgische Biere sind sehr gefragt“, sagt er, „aber auch Kaffee und Kuchen oder Salate“. Das gastronomische Angebot will er in Zukunft noch ausbauen und variieren. Dafür hat er sich die Mitarbeit von Renuka Förster-Dries gesichert.

Während der Betreiber im unmittelbaren Umfeld des Pavillons unter anderem Spielgeräte für Kinder anbringen will, haben auch ÖKLE, Verkehrsverein und Gemeinde noch viele Ideen für den Bahnhof: Beschilderung der eisenbahntechnischen Sehenswürdigkeiten oder bessere Fußgängerwege zwischen Bahnhofsgebäude, Stellwerken, Drehscheibe und Pavillon gehören dazu. Man ist sich einig: Der Pavillon ist nur der erste Schritt zur Belebung des Bahnhofsgeländes; viele weitere sollen folgen.