Bauern aus sieben Ländern protestieren in Lichtenbusch


„Wir sind die Bewegung der Bevölkerung“, rief der Präsident des European Milkboards, Erwin Schöpges (Amel), den Demonstranten zu. Rund 120 Bauern und Unterstützer standen teils mit Traktoren auf der Autobahnbrücke in der Hebscheider Heide, um gegen die Freihandelsabkommen der Europäischen Union zu protestieren. Es geht hier um das CETA-Abkommen mit Kanada sowie um Abkommen mit lateinamerikanischen Ländern und Japan. Die Freihandelsabkommen bedeuten nach Auffassung der Demonstranten, die aus sieben Ländern und 17 Verbänden nach Lichtenbusch gekommen waren, nicht nur Nachteile für die heimischen Bauern, die ein weiteres Fallen der Milchpreise fürchten. „Freihandel heißt nicht nur Import, sondern auch Export“, sagte Schöpges. Die Kleinbauern in Afrika leiden darunter und die dortigen Märkte und landwirtschaftlichen Strukturen werden gestört, wenn Billigmilchpulver Afrika überschwemmt.

Güsting: „Wir müssen mit den Bauern gemeinsam kämpfen.“

Mitten im Getümmel stand auch Raerens Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns). „Wir müssen mit den Bauern gemeinsam kämpfen“, sagte er gegenüber dem GrenzEcho. Man dürfe sich nicht von der Weltpolitik abhängig machen, daher begrüße er solche Aktionen.

Gemeinsam unterzeichneten Vertreter der Landwirte aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz eine „Gemeinsame europäische Bauernerklärung für eine faire Handelspolitik“. „Die „Handelsabkommen führen dazu, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse zu Billigpreisen verramscht werden, dass höhere Standards abgeschmolzen werden, dass Arbeitsstandards sinken und dass Konzerne noch mehr Macht erhalten“, heißt es darin.

Die Bauern fordern faire Erzeugerpreise und Arbeitsbedingungen. „Die Politiker verstehen nicht, dass faire Preise und Freihandel nicht zusammenpassen“, sagte Hans Geurts vom Niederländischen Milchbauernverband. Viele Redner brachten auch die Klimapolitik in Zusammenhang mit den Freihandelsabkommen. Denn wenn Tonnen an Fleisch beispielsweise aus Kanada nach Europa kommen, hat das natürlich unmittelbare Folgen für den CO2-Ausstoß. „Der Vertrag von Paris passt nicht zu CETA“, kommentierte Hans Geurts. Daher sprach auch Georg Janßen von der deutschen „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ seine Solidarität mit den protestierenden Schülern in Brüssel und anderswo aus. Das Freihandelsabkommen CETA mit Kanada hat übrigens direkte Folgen auch in Belgien. So entsteht am Hafen von Gent eine Zollstation und eine riesige Kühlanlage, in der das kanadische Fleisch bis zum Weitertransport lagern wird. In Gent hat sich eine Bürgerinitiative gegen diese Baumaßnahmen gebildet, die auch in Lichtenbusch Präsenz zeigte und auf ihre geplante Demo im März hinwies. Eine Vertreterin kritisierte, dass kanadisches Fleisch hormonbelastet sei und nicht den europäischen Normen entspreche.

Einig waren sich alle Redner, dass man nur gemeinsam in Europa gegen Freihandelsabkommen vorgehen könne.

„Für Nationalismus und Populismus ist kein Platz.“

„Für Nationalismus und Populismus darf kein Platz sein“, betonten gleich mehrere Redner. Man müsse in Europa solidarisch handeln und gemeinsam gegen die Abkommen vorgehen, die nach Auffassung der Demonstranten lediglich das Profitstreben weniger Konzerne befriedigen.

In einer symbolischen Geste schnappten sich die Verbandsvertreter je eine Vertragsausfertigung eines Freihandelsabkommens und pfefferten sie symbolisch in den Dreck.

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