Abschiedsinterview mit Christine Westermann und Götz Alsmann

Götz Alsmann und Christine Westermann moderieren seit 1996 zusammen «Zimmer frei!» im WDR. Jetzt ist Schluss. | dpa

Als ihre Zusammenarbeit beschlossen wurde, wussten Götz Alsmann (59) und Christine Westermann (67) nichts übereinander. Dann wurde aus ihrer Show «Zimmer frei!», die eigentlich nur ein Sommerloch-Füller sein sollte, eines der langlebigsten TV-Formate der deutschen Fernseh-Geschichte – und aus zwei Fremden eines der ungewöhnlichsten TV-Paare. Nun endet «Zimmer frei!» und die Berufswege trennen sich. Was bleibt? Ein Abschiedsgespräch über Wehmut, Intimität und Stallhasen.

Mit welchem Gefühl geht man aus einer Sendung, die man 20 Jahre moderiert hat? Ist es vielleicht auch Erleichterung, weil man jetzt Zeit für Neues hat?

Alsmann: Erleichterung ist da, weil man es geschafft hat, die Show sauber zu Ende zu bringen. Sie ist nicht abgesetzt, nicht gescheitert, nicht eingegangen. Wir hören auf, bevor die Dinge anfangen, fischig zu riechen, schwerzufallen oder eigenartig auszusehen.

Westermann: Für mich ist es eine schöne Mischung aus Erleichterung und Wehmut, und Wehmut kommt auf, weil man sich von Kollegen trennt, mit denen man viele Jahre so gut zusammengearbeitet hat. Habe ich Kollegen gesagt? Es fühlt sich oft viel eher wie Freunde an. Götz hat neulich gesagt, dass es die schönsten Arbeitsjahre unseres Lebens waren. Und wie – fast – immer, hat er Recht.

War das vorher absehbar?

Alsmann: Überhaupt nicht. Wir sind uns zehn oder elf Jahre vorher mal kurz begegnet. Aber das hatte Frau Westermann dann schon wieder vergessen…

Westermann: …all die guten Männer in meinem Leben kann ich mir nicht merken.

Alsmann: Man kann jedenfalls sagen, dass wir gar nichts übereinander wussten. Als die Würfel gefallen waren, bekam ich einen Anruf aus San Francisco – von Christine Westermann. Sie fühlte ganz klar vor, mit wem sie da nun diese endlos scheinenden sechs Wochen füllen musste. Wir waren ja ein Pausenfüller im Sommerloch. Das Gespräch war freundlich. Und per Sie.

War da schon zu erahnen, dass es funktionieren könnte?

Alsmann: Weder haben wir versucht, uns Geheimnisse zu erzählen noch jenseits von freundlicher Kollegialität Intimität herzustellen. Das kam dann etwas später. Aber nicht viel später.

Westermann: Wobei dieser Versuch, Intimität herzustellen, immer ein wenig gescheitert ist. Also auf eine schöne Weise gescheitert.

Sie berichteten kürzlich, dass sie noch nie miteinander privat essen waren.

Alsmann: Dazu muss man sagen, dass es andere Ebenen gibt, als jene, die man normalerweise unter Intimität versteht. Wir haben uns sehr geöffnet. Wir haben auch miteinander geweint. Die Intimität ist da. Aber sie sieht vielleicht anders aus, als man sie sich gemeinhin vorstellt. Sexuell? Ein Fiasko. Nichts ist passiert. Leider.

Und nun, nach 20 Jahre, wenn die letzte Sendung vorüber ist? Geht man dann einfach auseinander?

Alsmann: Wir haben jetzt die Freiheit, alles zu tun. Wir werden erfahren, wie es dem anderen geht. Aber wir leben kein gemeinsames Leben, das muss man klar so sagen. Das ist vielleicht auch das Geheimnis von 20 Jahren konfliktfreier Zusammenarbeit. Man muss auch sehen, wie gefährlich es gewesen wäre, wenn wir die ganze Zeit privat aufeinander gehangen hätten. Das hätte Konfliktstoff ohne Ende geboten. Unsere Lebensstile haben nichts miteinander zu tun. Zu was hätte das geführt? Hätte man angefangen zu missionieren? Hätte man angefangen, ungefragt gute Ratschläge zu geben? Das alles ist uns erspart geblieben.

War die Rollenverteilung eigentlich von Anfang an so geplant? Auf der einen Seite die Journalistin, auf der anderen der Pausenclown?

Westermann (murmelt): …Vorsicht, das Eis wird dünn.

Alsmann: Es sollte ein Mann aus der Unterhaltung sein und eine Frau aus dem Journalismus. Warum? Weil es alle anderen andersherum machten. Es hätten theoretisch auch Karl Moik und Sabine Christiansen sein können. Theoretisch….

Wäre es dann theoretisch auch denkbar, dass «Zimmer frei!» ohne Sie beiden weitergeht?

Alsmann: Das kann passieren, die Sendung gehört ja dem WDR. Im Prinzip könnte sie auch jeder moderieren. Aber sie wäre anders und nicht geprägt durch die Inkarnation, die wir beide verkörpert haben. Ich halte es für legitim und wahrscheinlich, dass irgendwann mal jemand im WDR sagt: Wir probieren das noch mal. Das wäre nichts Ehrenrühriges. Es ist nur schön, dass es jetzt nicht nahtlos passiert.

Aber ist heute noch Platz für eine klassische Unterhaltungssendung dieser Machart? Erst ging «Wetten, dass..?», jetzt «Zimmer frei!»…

Alsmann: «Wetten, dass..?» und «Zimmer frei!» kann man nicht vergleichen.

Westermann: «Wetten, dass..?» ist gescheitert an der sich selbstvernichtenden Größe des Dinosauriers.

Alsmann: Und «Zimmer frei!» konnte nicht scheitern an der sich selbstvernichtenden Größe des Stallhasens.

Götz Alsmann und Christine Westermann moderieren seit 1996 zusammen «Zimmer frei!» im WDR – eine Mischung aus Late-Night-Show, Talk, Comedy, Spielen und Musik. Die Journalistin Westermann hatte zuvor schon für die «Drehscheibe» (ZDF) und die «Aktuelle Stunde» (WDR) vor der Kamera gestanden. Zudem ist sie Autorin («Baby, wann heiratest Du mich?») und Teil des neuen «Literarischen Quartetts» (ZDF). Götz Alsmann sieht als seinen Hauptberuf die Musik an. Schon früh stand er mit Bands auf der Bühne, bald kamen aber auch Moderationsjobs im Fernsehen dazu («NDR Spätshow»). Die Musik spielte dabei aber stets eine wichtige Rolle. Seine Platten («Tabu») sind preisgekrönt.