Effizientere Reinigung verschmutzter Endoskope

Das Risiko für das Auftreten einer Krankenhaus- oder nosokomialen Infektion hängt u. a. von der Art der Erkrankung und der entsprechenden medizinischen Maßnahme ab. Mit die höchsten Infektionsraten sind auf Intensivstationen zu beobachten, wo Patienten aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung und der damit verbundenen Behandlung einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. „Belgien gehört zu den Ländern mit der höchsten Qualität in der Gesundheitsversorgung – außer im Bereich der Krankenhausinfektionen“, stellt der Mikrobiologe Michel Delmée nüchtern fest. „2.600 Tote, das sind zu viele. Es muss etwas unternommen werden“, so der Experte, der auch auf die hohen Kosten für die Gemeinschaft, etwa 400 Millionen Euro, verweist und verschärfte Kontrollen fordert. „Die Infektionsrate steht übrigens in Zusammenhang mit der Qualität der medizinischen Versorgung“, führt er weiter aus. „Der technologische und wissenschaftliche Fortschritt erlaubt es den Medizinern, mehr Menschen am Leben zu erhalten. Diese aber werden durch die invasiven Behandlungen und Eingriffe zerbrechlicher und daher auch anfälliger für Infektionen.“

Generell hat sich die Krankenhaushygiene in den letzten Jahren in Belgien enorm verbessert – nicht zuletzt auch durch Kampagnen rund um die Handhygiene – inzwischen findet man praktisch an jedem Bett Spender mit Desinfektionsmittel. In den letzten Jahren wurde aber vermehrt über Ausbrüche mit multiresistenten Erregern berichtet, die auf Endoskope zurückzuführen waren. Teilweise waren die Aufbereitungsprozesse (Reinigung und Desinfektion) defizitär, teilweise fanden sich Schäden in den Kanälen der Endoskope, die zur Spiegelung von schwer zugänglichen Körperhöhlen wie Magendarmtrakt zum Einsatz kommen. Dazu schiebt der Internist einen biegsamen Gummischlauch oder ein dünnes Metallrohr, das so genannte Endoskop, in eine Körperöffnung. „Diese Technik hat in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte erzielt, und in fast allen Medizinfächern werden endoskopische Instrumente verwendet“, so Michel Delmée. „Das Material ist inzwischen hoch entwickelt und teuer und kommt in den Krankenhäusern unter Zeitdruck zum Einsatz.“ Für die meisten Infektionen ist der sogenannte Biofilm verantwortlich - eine unsichtbare, gefährliche und ultraresistente Bakterienhülle, die diese vor Dekontaminationsprodukten schützt und eine ungestörte Vermehrung ermöglicht. Mit ihrer Resistenz gegen Antibiotika stellen sie eine echte Bedrohung für den Krankenhauspatienten dar. Daher die entscheidende Frage: Wie können die Geräte in kürzester Zeit effizient gereinigt werden? Denn: Ohne Reinigung keine Desinfektion.

Hier kommt der Biotech-Betrieb OneLife aus Neu-Löwen ins Spiel. Das vor vier Jahren gegründete Start-up-Unternehmen, das zur Gruppe Realco gehört, präsentierte am Mittwochnachmittag in Brüssel seine Methode zur Bekämpfung von Bakterien in einem Krankenhausumfeld mithilfe von Enzymlösungen. Eine aktuelle Studie zur Kontrolle der Sauberkeit von Endoskopen zeigt, dass mit der neuen Reinigungsmethode bessere Ergebnisse erzielt werden. Nach der Behandlung der verschmutzten Endoskope durch OneLife waren 80 Prozent einwandfrei sauber, die restlichen 20 Prozent mussten repariert werden.

Die Ergebnisse werden durch eine Vergleichsstudie des Lütticher Universitätskrankenhauses CHU bestätigt, aus der hervorgeht, dass die Verwendung einer sorgfältig zusammengesetzten Enzymlösung für die manuelle Reinigung von Endoskopen zu deutlich besseren Ergebnissen in Bezug auf die Sauberkeit führt. „Unsere enzymatischen Reinigungslösungen zersetzen die Biofilme, um sie gründlich zu reinigen und dann optimal zu desinfizieren“, sagt Sébastien Goenen, Geschäftsführer von OneLife. Er wünscht sich auch eine bessere Ausbildung und Aufklärung des medizinischen Personals: „Einige wissen nicht einmal, was ein Biofilm ist.“

„Mit einer Minikamera, die das Vorhandensein von Schmutz, einschließlich Biofilmen, aufdeckt, haben wir die Endoskope selbst intern gründlich untersucht“, sagt das Biotech-Unternehmen. „Dies zeigte, dass 60 Prozent der Geräte im Inneren kontaminiert oder beschädigt waren, während sie einsatzbereit waren. Die Wissenschaft schreibt vor, dass nicht jede Kontamination für den Patienten gefährlich ist, aber wir glauben, dass eine bessere Kontrolle nicht nur die Kosten für Reparatur und Wartung, sondern auch die Kosten im Zusammenhang mit den Gesundheitsproblemen, die sie verursachen können, senken kann.“

In jüngsten Gutachten habe der Hohe Gesundheitsrat den Einsatz von Enzymlösungen zur Reinigung von medizinischen Instrumenten wegen ihrer höheren Effizienz gefordert, sagt Prof. Dr. Philip Roelandt, Gastroenterologe an der Uniklinik Löwen: „Auch wenn die Hygiene in einem Krankenhausumfeld ein mehrstufiger Prozess mit vielen verschiedenen Faktoren ist und die Reinheit der Geräte in Krankenhäusern sehr gut ist.“ Vor diesem Hintergrund sieht der Experte „keine Gefahr für die Volksgesundheit“.

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