Wout Van Aert schaute mit bangem Blick, wie Filippo Ganna immer näher kam. Die Sekunden verstrichen – doch leider nicht alle. Um fünfeinhalb Sekunden schneller als Van Aert fuhr Ganna über die Ziellinie, einige Meter weiter schlug der Herentaler die Arme enttäuscht über den Kopf und rang sich ein müdes Lächeln ab. In einer Zeit von 47:47,83 Minuten absolvierte Ganna am Sonntagnachmittag die 43,3 Kilometer von Knokke-Heist nach Brügge, 5,37 Sekunden schneller als Van Aert. „In seinem eigenen Land zu gewinnen, ist etwas Besonderes. Aber entschuldigt mich, ich habe diese Nacht von meinem Sieg geträumt. Es ist fantastisch, das Regenbogentrikot behalten zu dürfen. Danke an mein Team, das mich motiviert und verbessert hat“, jubelte ein „sehr glücklicher“ Ganna. Der Italiener feierte im Venedig des Nordens – so wie er es bereits vor einem Jahr in Imola getan hatte. Auch damals hatte er Van Aert auf Rang zwei verviesen, damals aber mit einem deutlicheren Abstand von fast 27 Sekunden.

Van Aert hielt indes mit seinem Frust nicht zurück: „Ich freue mich nicht wirklich über diese Medaille. Ich bin eine gute Zeit gefahren, aber das ist das Silber zu viel.“ Zu besagtem zweiten Platz beim Zeitfahren in Imola gesellten sich nämlich noch Silber beim Straßenrennen an selber Stelle, bei der Cyclocross-WM und beim Olympia-Zeitfahren in Tokio. Fünfmal Silber in zwölf Monaten. „Vom Gefühl her müsste ich zufrieden sein, aber all die Silbermedaillen? Ich werde sie zu Hause mal alle zählen. Wobei, eher doch nicht, denn dann bekomme ich Kopfschmerzen“, rettete sich der 27-Jährige in Sarkasmus. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich bin schnell gefahren, werde aber erneut von Ganna geschlagen. Er ist ein Super-Spezialist, ein enorm starker Zeitfahrer – ein besserer als ich.“

Evenepoel fuhr 43:34 Sekunden hinter Ganna auf den dritten Rang. Vierter und Fünfter wurden der Däne Kasper Asgreen und der schweizerische Doppeleuropameister im Zeitfahren, Stefan Küng. Tony Martin erreichte in einem seiner letzten Rennen Platz sechs. „Ich habe das Maximale rausgeholt“, reagierte Evenepoel, der auch bei der EM bereits Bronze gewonnen hatte: „Da bin ich zu schnell gestartet und habe mich so um Gold gebracht. Diesmal haben wir einen Tempoplan aufgestellt, den ich perfekt umgesetzt habe. Am Ende konnte ich so sogar noch das Tempo anziehen und mir Bronze sichern.“

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