Wie Bildungsministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) erklärt, wolle man die Handlungskompetenzen der Lehrpersonen im Bereich Förderung von Hochbegabung weiter stärken: „Wir möchten in der ostbelgischen Förderpädagogik jeden einzelnen Schüler und seine spezifischen Bedürfnisse weiter in den Mittelpunkt rücken und ihm die bestmögliche Förderung zukommen lassen. Dabei setzen wir auf Differenzierung. Das bedeutet, dass wir den Unterricht und den Schulalltag so gestalten, dass er auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Schülers zugeschnitten ist. Das beinhaltet nicht nur die nieder- oder hochschwellige Förderung von Schülern mit Lerndefiziten oder Beeinträchtigungen, sondern auch die entsprechende Förderung von Schülern mit besonderen Begabungen. In den letzten Jahren wurde vermehrt Hochbegabung in den ostbelgischen Bildungseinrichtungen diagnostiziert. Diese Schüler sind teilweise im normalen Regelunterricht unterfordert, was zu Verhaltensauffälligkeiten beim Kind führen kann. Wir müssen ihnen ermöglichen, ihre Potenziale frei entwickeln zu können. Dazu benötigen wir wiederum entsprechend geschultes Personal in unseren Bildungseinrichtungen“, wird die Ministerin in einer Mitteilung zitiert.
Die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Hochbegabung ausgewählte Weiterbildung habe zum Ziel, die Anzahl der Akteure im Bildungswesen, die mit dem Umgang mit Schülern mit besonderer Begabung vertraut sind, zu erhöhen. Personalmitglieder, die die Weiterbildung erfolgreich absolviert haben, sollen die Möglichkeit erhalten, als „Multiplikatoren“ im Unterrichtswesen zu fungieren und das erworbene Wissen an das Kollegium weiterzugeben. Die Kurse werden durch Dozenten der Universität Mons abgehalten. Da die Kurse in französischer Sprache durchgeführt werden, steht eine bilinguale Fachperson den Teilnehmern unterstützend zur Seite. Auf Wunsch können die Evaluationen ebenfalls in deutscher Sprache erfolgen. Das Kompetenzzentrum des ZFP stellt außerdem eine Studienbegleitung zur Verfügung, die den praktischen Teil der Weiterbildung in den Schulen begleitet.
Lydia Klinkenberg erläutert, warum die Wahl auf die Universität Mons gefallen ist: „In der Vergangenheit haben bereits zwei Personalmitglieder erfolgreich an der Weiterbildung dort teilgenommen und uns von den Inhalten berichtet. Die zuständigen Mitarbeiter des Ministeriums und einige Fachberaterinnen des Kompetenzzentrums haben daraufhin mit der Universität Kontakt aufgenommen, um zu prüfen, ob es möglich wäre, diese Weiterbildung auch für ostbelgische Teilnehmer anzubieten. Gleichzeitig haben wir Kooperationsmöglichkeiten mit Bildungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und Südtirol geprüft, um die Weiterbildung in deutscher Sprache anbieten zu können. Wir haben uns schlussendlich zum einen aufgrund der Qualität des Angebots und zum anderen aufgrund praktischer Aspekte für die Universität Mons entschieden. Der große Vorteil dieser Zusammenarbeit ist, dass die Universität Mons, anders als Bildungseinrichtungen im Ausland, unserem Schulsystem entspricht. So entsprechen beispielsweise der Schuljahresrhythmus und die Gesetzgebung unserem Standard, was die Durchführung erheblich vereinfacht. Personalmitglieder, die es vorziehen, sich in deutscher Sprache weiterzubilden, können auf die Weiterbildung Specialist in Gifted Education and Talent Development der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zurückgreifen. Allerdings besteht keine Kooperation unsererseits mit dieser Universität.“
Die 14 ECTS-Weiterbildung beginnt am 24. September 2021. Die Präsenzkurse werden voraussichtlich im Ministerium der DG stattfinden. Um das Zertifikat zu erlangen, müssen die Teilnehmer an mindestens 80 Prozent der Präsenzstunden teilnehmen, die praktischen Arbeitsaufträge erfüllen und die theoretischen Prüfungen sowie die Diplomarbeit bestehen. (red/sc)

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