Angststarre

Sie haben Recht, Herr Schröder. Mit dem Tod des Diskurses und des freien Meinungsaustausches stirbt eine Demokratie langsam ab. Seit knapp einem Jahr versuche ich Mitbürger in Diskussionen davon zu überzeugen und auch zu überreden, über den Maskenrand hinaus zu denken. Die Reaktionen waren meistens beleidigend. Was mich aber am meisten erschreckte war, dass sich Millionen gestandener Bürger durch Regierung, Presse und Medien so rasch in eine Angststarre versetzen ließen.

Auch habe ich den Eindruck, dass viele den Begriff Meinungsfreiheit nicht richtig verstehen. Diese Freiheit ist ein Persönlichkeitsrecht, und solange ich niemanden herabwürdige oder zu kriminellen Taten aufrufe, braucht meine persönliche Meinung auch nicht von asozialen Netzwerken oder dubiosen Organisationen gesperrt zu werden. Es sei denn, diese meinen, dass die Bürger zu blöd sind, selber nachzudenken, oder man will dem Bürger eine Einheitsmeinung oktroyieren.

Virologen arbeiten nach ihren wissenschaftlichen Kriterien. Selten denken sie systemisch, was ich allerdings von Politikern verlange, da diese das Gesamtbild unserer hochkomplexen Gesellschaft in ihr Handeln einbeziehen sollten. Deshalb war es mir ein Rätsel, dass sich unsere Parlamentarier zu Beginn der Pandemie verdrückten und einer hyperventilierenden Exekutive das Feld überließen. Wenn so wenige reichten, um die Regierung zu kontrollieren, warum brauchen wir so viele in guten Zeiten?

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