Nahezu unerträglicher Brechreiz entstand mir beim Lesen des letzten Leserbriefes von Gerhard Schmitz. Dass ein Ingenieur gern mit Zahlen hantiert, ist verständlich. Dass er aber dabei jegliche Kausalität übersieht, oder vielmehr bewusst ignoriert, zeugt von einer Grundhaltung, die nur als krankhafter Egoismus bezeichnet werden kann: Es tanzt und feiert sich grad so schön, wen kümmert es da, dass dadurch Menschen sterben? Hauptsache „Ich darf feiern“. Dass längst nicht nur ältere Menschen der Seuche zum Opfer fallen, scheint Herrn Schmitz entgangen zu sein. Es bietet sich selten die Chance, dieses unsägliche Leid, das ein Tod mit sich bringt, zu verhindern. Gerade aber hat jeder Einzelne die Möglichkeit, seine Lieben, seine Nachbarn oder auch ganz Fremde zu beschützen. Vielleicht gibt dieses Wissen ja ein ganz anderes positives Gefühl, als die nächste Party.
Kommentare
Sehr geehrter Herr Buhrig,
Sie schreiben, „es bietet sich selten die Chance, dieses unsägliche Leid, das ein Tod mit sich bringt, zu verhindern.“
Ist das so? Ein Blick übers oder aufs Mittelmeer würde so manche „sich bietende Chance“ offenbaren, Menschenleben zu retten. Und ja, bis heute sind weltweit etwa 1.5 Millionen Menschen an/mit Corona gestorben. Das ist sehr traurig. Gleichzeitig werden in Folge dieses „heldenhaften“ Kampfes gegen Corona laut Schätzung von Fachleuten des Welternährungsprogramms weltweit über 100 Millionen Menschen vom Hunger bedroht, und darüber hinaus laut UNICEF 150 Millionen Kinder in Armut stürzen. Das nur zu Ihrer Information, da Sie ja auch von „ganz Fremden“ sprechen, deren Leben gerettet werden könnte.
(https://www.handelsblatt.com/politik/international/pandemie-hunger-armut...)
Zu Ihrer Wut noch Folgendes. Die staatlich verordneten Corona-Maßnahmen bieten Ihnen die Gelegenheit, mit relativ wenig Aufwand (Maske tragen, Verzicht üben, etc.) ein Held sein zu können. Zumindest glauben Sie das. Und dieses von Ihnen gelebte Heldentum gibt Ihnen das von Ihnen beschriebene „positive Gefühl“. Ihr Problem mit „feiernden Jugendlichen“ besteht nun darin, so vermute ich, dass diese Ihnen klar zu verstehen geben, dass sie Ihr „positives Gefühl“ nicht teilen, bzw. Ihr „Heldentum“ nicht würdigen. Diese Jugendlichen verhöhnen sozusagen „bis zum Erbrechen“ Ihren „Glauben an den Lockdown“.
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