Die Coronakrise wirft erneut die Gottesfrage auf. Wenn es einen Gott gibt, der die Welt lenkt, warum Corona? Schlussfolgerung: Gott ist ein Hirngespinst der Menschen. „Gott bestimmt und lenkt unser Leben“, ist eine zwiespältige Aussage. Schnell hören wir: Gott gestaltet die Geschichte und Geschicke der Menschen. Nein! Wir gestalten unser Leben und die Welt. Nur tun wir das nicht immer in Freiheit und schon gar nicht immer mit Vernunft.
Die Coronakrise ist dafür wohl ein beredtes Zeugnis. Wir gestalten, aber wir lenken nicht. Wo führt Corona uns hin? Wer lenkt? „Gott lenkt die Geschichte“ wird dann zu einer plausiblen Aussage, denn es bedeutet: Trotz allem, was auf der Welt geschieht, es führt zu irgendetwas Sinnvollem. Das ist eine Glau-bensaussage, weder zu beweisen noch zu widerlegen. Es ist Hoffnung pur. Diese Hoffnung lässt leben. Gott ist keine Erfindung der Menschen, wohl eine Entdeckung. Kein Jahwe, kein Christus, kein Allah ist vom Himmel gefallen. Sie sind aus den Köpfen und Herzen der Menschen herausgeboren, weil Menschen (nicht alle) ein Problem haben mit ihrer Vergänglichkeit und Bedeutungslosigkeit im All. Sie brauchen eine Daseinsberechtigung, die sie sich selbst nicht geben können. Ein Gott kann es. Wiederum eine Glaubensaussage! Es gibt Menschen, die ohne eine solche Daseinsberechtigung leben können, aber das macht meinen Glauben keineswegs sinnlos. Das Nicht-Beweisbare ist nicht einfach blöd.
Kommentare
Herr Calles, eine "Daseinsberechtigung" von irgend einem imaginären Wesen oder dessen selbsternannten irdischen Stellvertreter brauche ich nicht - ich existiere einfach und brauche mich nur vor meinem eigenen Gewissen zu rechtfertigen. Wenn Sie meinen, Sie müssten irgendwelchen Dogmen und alten Männern in Roben hinerherlaufen, um dann irgendwann "erlöst" zu werden, dann frage ich mich, wofür Sie denn überhaupt leben? Um sich ihrem Phantasiewesen zu unterwerfen?
Herr Calles redet von Spiritualität, Sie Herr Hezel aber von Dogmen und können dabei – wie viele andere Menschen - nicht den persönlichen Glauben von einer Institution trennen. Meinem Gott brauche ich mich nicht zu „unterwerfen“, sondern finde in ihm Trost und Sinn für mein Dasein.
Sie glauben bloß an Naturwissenschaft und an das, was sie sehen. So argumentieren Sie ja. Aber das ist für ein differenziertes Leben zu wenig! Die Wissenschaft erklärt nur, aber sie tröstet nicht. Sie gibt letztlich keinen Sinn für den Menschen, denn seine elementaren Fragen nach dem Woher und Wohin kann sie nicht beantworten.
Ihr Gewissen leitet Sie? Wo kommt es denn her? Wenn Sie nach Ihrem Gewissen handeln, ohne Bezug auf einen Gott, werden Sie sich immer zu Ihren Gunsten, zu Ihrem Vorteil entscheiden. Menschen wie Oscar Romero, Franz Jägerstätter und viele weitere sind dagegen ihrem Glauben gefolgt, wollten das Allgemeinwohl, eine bessere Welt und haben ihr eigenes Leben zurückgestellt, eben weil sie tief im Glauben verwurzelt waren.
Es ist schon klar, dass das nicht Ihr Weg ist, er ist ja nicht zweckrational. Aber dann haben Sie nicht das Recht, anderen Ihre Überzeugungen madig zu machen, die sie letztlich nicht beurteilen können.
Seltsame Argumentation: Den Glauben von der Institution trennen... Von wem haben sie denn diesen Glauben und die dazugehörigen Glaubenssätze und Prinzipien, nach denen Sie als Gläubiger fromm handeln (müssen) "empfangen", denn sie sind ja bestimmt nicht vom Himmel gefallen, oder spontan in ihnen entstanden?
Zuletzt: Ich "glaube" nicht an Naturwissenschaft, denn - um den Astrophysiker Neil deGrasse Tyson zu paraphrasieren - das tolle an Wissenschaft ist, dass Sie wahr ist, ob man daran glaubt oder nicht.
Nicht-Gläubige hätten kein "differenziertes Leben" und würden immer "zu ihrem Vorteil entscheiden" (sind also Egoisten?) halte ich für eine sehr gewagte Behauptung...
Stellen Sie sich vor, Herr Schmitz, man kann auch ohne an Phantasiewesen zu glauben ein äußerst erfülltes und aufrichtiges Leben führen, dabei seinen Mitmenschen Gutes wollen und für eine bessere Welt sein - wer hätte das gedacht... Es ist sogar befreiend, denn dann braucht man sich nicht noch zusätzlich einen Kopf zu machen, wie man denn am besten um die Gunst besagter Phantasiewesen buhlt, die ja scheinbar unsere Geschicke von Geisterhand leiten, und um sich auch unbedingt einen Platz im "Himmel" (in welcher Erdspähre diesseits der Kármán-Linie liegt der eigentlich?), im Nirwana oder wo auch immer zu sichern.
Sehr geehrter Herr Calles,
Da sie sich ja nicht auf die digitale Ebene herablassen, um Meinungen auszutauschen, hier dazu nur soviel:
Der Glaube an das Nicht-Beweisbare mag nicht blöd sein, wirklich schlau ist er m. E. in einer aufgeklärten Zeit auch nicht.
„In dunklen Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religionen geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unserer bester Wegweiser ist; er kennt dann die Wege und Stege besser als ein Sehender; es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.“ (H. Heine)
Über die Frage, ob Gott eine „Erfindung“ oder „Entdeckung“ des Menschen ist, ließe sich semantisch genüsslich streiten.
Die Götter sind nicht nur m.E. „Resultat“ biochemischer und durch die menschliche Evolution bedingter Prozesse des menschlichen Gehirns die wahrscheinlich in der Frühzeit zu Selektionsvorteilen beitrug.
Ohne die Fähigkeit zu abstraktem Denken und ohne Bewusstsein gab es in der frühen Entwicklungsphase des Homo Sapiens keinen Glauben, keine Religionen und keine Götter.
500.000 Jahre Evolution zum Homo Sapiens waren gottlos, so wie die 14 Milliarden Jahre vorher. Die abertausenden von Göttern, die die „Vorstellungskraft“ des Homo Sapiens hervorgebracht hat folgen im Groben einem Grundsatz, der in aufgeklärten Zeiten „Gott sei Dank“ zusehends an Bedeutung verlor:
„Gott ist eine vom Menschen erdachte Hypothese bei dem Versuch, mit dem Problem der Existenz fertig zu werden.“ (Sir J. Huxley)
@A. Schmidt
Gewissen, ohne Bezug auf einen Gott führt also zwangsläufig zu egoistischem Verhalten?
Woher nehmen sie diese „Weisheit“, die alle Atheisten als gewissenlose Zeitgenossen darstellt?
„Die Bibel berichtet mehr als hundertmal von durch Gott befohlenem Mord und Völkermord sowie von 600 weiteren Morden und Massenmorden und rund 1000 Zorn- u. Strafaktionen eines blindwütigen Gottes. (P. Fürer)
Bitte reden sie derart unbedarft nicht weiter von religiösem Gewissen.
Ich empfehle Ihnen u.a. die Lektüre des Buches „Die Legende von der christlichen Moral“ (A. Edmüller) oder auch „Der Jesuswahn - Wie Christen sich ihren Gott erschufen (HW Kubitza).
Gerne auch Christopher Hitchens: „Der Herr ist kein Hirte“. Ja, auch Karl-Heinz Deschner und Franz Buggle können nicht schaden: „Denn sie wissen nicht, was sie glauben.“
Sie können anderen das Recht absprechen, Ihnen Ihre Überzeugungen „madig“ zu machen, Herr Schmidt. Genau damit kennt sich insbesondere das Christentum ja besten aus und wenn dies nicht half standen die Folterinstrumente der Inquisition bereit. In den Jahrhunderten danach reichte immer noch Indoktrinierung, Konditionierung und das Eintrichtern der Angst in Kinderhirne.
Sehr geehrte Herren Leonard und Hezel,
das Argument des strafenden Gottes aus dem Alten Testament wir ja immer wieder gerne als Totschlagargument gegen das Christentum gebracht. In der Literatur und im Netz finden sich aber genügend differenzierte Erklärungen dazu. Die Bibel ist kein historisches Buch, das 1:1 gelesen werden kann, sondern es ist vielmehr ein Glaubenszeugnis, das von zahlreichen, unterschiedlichen Autoren verfasst wurde. Den dort geschilderten Strafen und Racheakten Gottes ist immer das Fehlverhalten des Menschen vorausgegangen.
Schauen Sie sich mal etwas genauer diese Leseprobe an, da wird schon einiges deutlich: https://www.grin.com/document/46610, oder auch hier: http://www.kirchenzeitung.at/site/archiv/article/20090.html. Die Strafen und Racheaktionen gehen nicht von Gott aus, sondern sind eine Reaktion auf die Menschen, die es einfach nicht schaffen, in Frieden miteinander zu leben und daher ihren Gott anflehen, Rache zu üben, so wie man damals wie heute nach dem Motto „Aug um Auge, Zahn um Zahn“ mit Vergeltung seine Probleme zu lösen versucht.
Das Thema ist aber sehr komplex und nicht leicht mit ein paar Sätzen abgetan. Nur so viel: Der Gott des AT ist eben nicht nur der strafende, rachsüchtige, sondern AUCH der gerechte und barmherzige Gott, sprich Eigenschaften, zu denen der Mensch – will er ihm ähnlich werden – nachzuahmen aufgefordert ist.
Zum religiösen Gewissen:
Auf wen beruft sich denn der Mensch, wenn er sein Gewissen befragt? Wie kann er Gut und Böse, falsch und richtig unterscheiden, wenn er keinen Anhaltspunkt außer sich selbst hat? Vielleicht den Anderen, Guten, nachahmen? Ja, aber wie erkennt er das? Die christlichen Werte, oder besser die christliche Ethik ist da relativ simpel: Nächstenliebe zeigen, seine Mitmenschen im Blick haben (hier ist die Corona-Krise die Nagelprobe dazu!), barmherzig handeln. Alles, was uns Jesus und seine Nachfolger vorgelebt haben und weiterhin vorleben. Und darauf soll ich mich nicht berufen können?
Damit beantwortet sich auch die Nachfrage von Herrn Hezel, nach den Glaubenssätzen und Prinzipien, nach denen ein Gläubiger handelt, ja sogar handeln muss. Er muss es nicht, aber er tut es.
Noch ein Letztes: Ich finde es gut, dass man sich auf faire (!) Weise austauscht, um auch andere daran teilhaben zu lassen, sie weiterzubringen, anzuregen. Es ist aber ein Thema, das man mit einer Kommentarfunktion im Netz nicht gelöst bekommt. Letztlich hat jeder seine berechtigten Argumente, aber niemals die unbedingte Wahrheit.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich muss dem Herrn Schmidt zustimmen. Die Bibel ist ein Glaubenszeugnis, das aus der Schrift vieler unterschiedlicher Autoren besteht und sich über die Jahre entwickelt hat. Das Fehlverhalten des Menschen wird aufgezeigt und was es vor allem macht: Werte weitergeben. Es gibt uns einen Weg voraus und ist uns eine Hilfe. Es soll nicht einfach nur runtergelesen werden. Herr Schmidt hat schon gute Quellen erbracht aber lesen Sie sich bitte mal folgende Exemplare durch:
https://studyvent.com/de/search/228 und https://studyvent.com/de/search/242
Man kann immer argumentieren, sollte sich jedoch mal alle Perspektiven anschauen und dann urteilen. Außerdem gibt uns Gott Kraft. Der Glaube hilft jedem Menschen, spätestens am Sterbebett.
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