Inakzeptabel…!

Dem Schreiben von Frau Mersch-Theissen pflichte ich bei! Es ist ja schon bezeichnend, dass einige Vivant-Mitglieder bei der „Anti-Corona-Demo“ am 29.08 in Berlin mitmarschierten und der Rede von Robert F. Kennedy Jr. Beifall zollten!

Per Anzeige (KURIER-Journal vom 16.09.2020) wurde diese Rede dann kommentarlos (!) veröffentlicht. Kennedy, der sich vom Umweltaktivist zum „Verschwörungskomiker“ gewandelt hat, bezog sich darin u.a. auf ein Zitat von … Hermann Göring (aus den Nürnberger Prozessen)! In einer Gegendarstellung am 23.09 - von mir gezeichnet und von einer Reihe demokratisch gesinnter Menschen mitgetragen und -finanziert – hieß es dazu: „Wer (…) Anderen eine Lektion in Demokratie erteilen will, ist mehr als schlecht beraten, sich ausgerechnet bei Göring zu bedienen - einem Nazi-Verbrecher, der unter Hitler mit äußerster Brutalität gegen die Opposition vorging, für die Gründung der Gestapo und für den Bau erster KZs verantwortlich war!!!“ Und weiter: „Unabhängig von der Corona-Debatte wird erwartet, dass sich Vivant-Mitglieder von diesen anti-demokratischen Aussagen öffentlich distanzieren!“

Es handelt sich deshalb um ein schändliches Vorgehen (auch von Nicht-Vivant-Mitgliedern!), weil man einer Veröffentlichung der Rede zustimmte, sich aber feige in der Anonymität verkriecht! Das Göring-Zitat ist zudem - aus historischer Sicht – völlig inakzeptabel und weit weg von jeglichen demokratischen Werten zu verorten! Auf eine öffentliche Distanzierung warten wir!!!

Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Radermacher,

    Ich habe die Rede von Kennedy nicht so verstanden, wie Sie es offensichtlich tun. Sie verkennen dessen rethorische Wendung insofern, da Sie davon ausgehen, dass Kennedy den Naziverbrecher Göring in irgendeiner Form schätzen würde, nur weil er ihn zitiert. Das Gegenteil ist der Fall. Mit diesem Bezug auf Göring will Kennedy, so verstehe ich ihn, die aktuellen Politiker ein wenig in die rechte „Göring“-Ecke schieben. Dennoch hat auch ein Göring offensichtlich nicht ganz Unrecht, wenn er behauptet, dass Angst wohl das effektivste Mittel ist, um ein Volk zu unterdrücken. Jetzt verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Aber der Umstand, dass auch ein Naziverbrecher mitunter die Wahrheit sprechen kann (wie z.B. 1+1=2), macht ihn deswegen nicht weniger kriminell.

    Ich bin übrigens nicht der Meinung Kennedy‘s, dass unsere jetzigen Volksvertreter in die rechte „Göring“-Ecke gehören. Nur, Herr Radermacher, Sie scheuen sich nicht sonderlich, alle die am 28.8. in Berlin Kennedy zugehört haben, so wie ich auch, in diese Nazi-Ecke zu schieben.

  • Herr Schmitz, sie faseln sich wieder einmal um Kopf und Kragen - warum muss man denn überhaupt Naziverbrecher zitieren? Gibt es denn keine anderen Zitate, die man verwenden kann? Nein, das ist kein Zufall und das ist auch nicht harmlos, wie sie es darstellen wollen, sondern eine ganz bewusste Wortwahl.

    Wenn man zudem kein Problem darin sieht, Nazis zu zitieren, sich auf der gleichen Veranstaltung wie Nazis und Reichsbürger usw. zu tummeln, und sich mit seiner Gegenwart als "einfacher Bürger" in den Reihen von Rechtsextremen keinerlei Gewissensbissen geschweige denn Schuld bewusst ist, denn die Nazis 'sind ja auch gegen die Coronapolitik' und 'können 1 und 1 zusammenzählen', dann frage ich mich, was im Oberstübchen Ihresgleichen nicht ganz richtig tickt?

    Man marschiert doch beispielsweise auch nicht mit Anarchisten und Linksextremen auf, nur weil man gegen Neoliberalismus ist - oder? Verstehen Sie denn überhaupt nicht, dass sie mit ihrem Geschwafel und ihrem Verhalten den Rechtsextremismus salonfähig machen, ihm einen bürgerlichen Anstrich geben und eine Bühne bieten?

    Und nochmal: Niemand schiebt Sie in irgendeine Ecke - da haben Sie und andere sich ganz alleine - als "mündige Bürger" wie viele sich selbst gerne beschreiben - selbst hin gestellt! Pfui.

  • Sehr geehrter Herr Hezel,

    Ich kann Sie beruhigen, ich werde mich nicht auf einer Demo "tummeln", die von Nazis oder Reichsbürgern organisiert wird. Allerdings werde ich nicht bereitwillig vor Nazis und Reichsbürgern zurückweichen und ihnen die Straße überlassen, wenn ich auf derselbigen bereits für mein Anliegen unterwegs bin.

    Herr Hezel, wer bietet den Nazis denn letztendlich die Bühne? Derjenige, der Letztere widerstandslos für die Nazis räumt, sobald diese sich anschicken diese zu betreten, oder derjenige, der bleibt und weiter sein Anliegen vertritt. Ich verstehe Ihr "Gefasel" so, dass 50.000 aufrechte Bürger umgehend die Flucht antreten sollten, sobald eine Handvoll verwirrter Extremisten sich in ihre Nähe wagen.

    Frage: Sollen alle demokratischen EU-Parlamentarier den Saal verlassen, sobald Herr Orban ihn betritt? Werden Sie, Herr Hezel, auf den 3. und 4. Gang Ihres Viergängemenüs verzichten und das Restaurant umgehend verlassen, sobald bekannte Gesichter des Vlaams Belang es sich an Ihrem Nachbartisch bequem machen?

    Die Demo in Berlin wurde nicht von Nazis oder Reichsbürgern, sondern von Querdenken auf die Beine gestellt. Ich empfehle Ihnen, sich die Zeit zu nehmen, um das Interview in voller Länge anzuschauen, das Michael Ballweg, einer der Hauptverantwortlichen von Querdenken, im ARD gegeben hat. (https://www.journalistenwatch.com/2020/09/18/michael-ballweg-unzensiertes/).

    Herr Hezel, wenn ich meiner Zuhörerschaft zutraue, dass sie "zitieren" und "schätzen" unterscheiden kann, dann "sehe ich kein Problem darin, Nazis zu zitieren". Wie soll ich auch sonst meine Zuhörer vom Irrweg der Nazis überzeugen, wenn ich nicht aufzeigen darf, welche Absichten diese haben, bzw. hatten. Im Falle Göring ist es doch wichtig, den Menschen zu sagen, wie bewusst und zielgerichtet die Nazis das Instrument "Angst" eingesetzt haben. Ist es nicht gerade zwingend notwendig, dass ein Staatsanwalt die Aussagen des Angeklagten vor dem Richter und den Geschworenen ZITIERT, damit diese sich ein umfassendes Bild von der Person des Angeklagten machen können?

  • Herr Schmitz, besser als "die Flucht zu ergreifen": Erst gar nicht hingehen, wenn man doch weiss, wer (Nazis, Rechtsextreme, AfD, NPD, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Linksextreme, Anarchisten, Esoteriker, "Querdenker" und sonstige Verblendegte, Spinner und Desinformierte - also die "Crème de la Crème" der Gesellschaft) sich auf so einer Demo tummeln wird, anstatt sich fröhlich dazu zu gesellen...

    Wenn man Ihre Kommentare so liest, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie da in Berlin in der Tat "in bester Gesellschaft" waren...

  • Da kommt also eine Miniaturausgabe des illustren, wenn auch maßlos überschätzten und glorifizierten JFK nach Berlin, um dort eine „historische“ Rede an uns Europäer zu halten und uns Demokratie zu lehren.

    Dabei hätte er in seinem Herkunftsland genug zu tun, dort ein wirklich demokratisches System einzuführen und die schreienden sozialen Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die dieses Land seit jeher charakterisieren.

    Dass er dabei eine Verschwörungstheorie an die andere reiht, müsste eigentlich jedem klarwerden, der diese Rede liest. Das geht von den „willkürlichen Regeln, um den Gehorsam der Bevölkerung zu erwirken“ über Regierungen, die Pandemien „lieben“ (Ja, echt!), Bill Gates (Fehlt noch George Soros) und Anthony Fauci (Wieso nur der?) über die finsteren „Eliten“ bis zum 5G-Netz: „Sie“ (Wer genau?) haben die Quarantäne genutzt, um 5G in all unsere Gemeinden zu bringen“. Echt? Dabei gibt es in D noch nicht einmal überall das normale Internet in ausreichender Qualität.

    Dass da der „Mittelschicht“ der Garaus gemacht werden soll, um „unser aller Vermögen auf eine Handvoll Milliardäre zu übertragen“, lässt an Karl Marx denken, obwohl dessen Theorie längst in der Mottenkiste verschwunden ist.

    Berlin ist also die „Frontstadt“ im Kampf gegen den globalen Totalitarismus? Was damals durchaus zutraf, wirkt aus dem Mund dieses Verschwörungstheoretikers nur mehr lächerlich.

    Dieser Möchtegern-JFK findet es für nötig, zum Kampf um „unsere Freiheit“ und „unsere Demokratie“ ausgerechnet ein Zitat von „Hitlers treuestem Paladin“ Hermann Göring zu bringen, einem Mann, der nun wirklich jedes Menschen- und Freiheitsrecht mit Füßen getreten hat.

    Er nimmt den „Reichsmarschall“ sozusagen dafür in Anspruch, Parallelen zwischen der damaligen im wahrsten Sinne des Wortes von den Nazis geschürten “Todes-Angst“ und den heutigen Regeln, oft als „Panikmache“ bezeichnet, zu ziehen. Das ist geradezu obszön.

    Aber Herr Schmitz „sieht kein Problem darin, Nazis zu zitieren.“ Er findet das Zitat in diesem Zusammenhang also völlig in Ordnung, wobei er aber wieder einmal, die Diskussion umbiegt. Es geht eben nicht um die Frage: „Wie soll ich auch sonst meine Zuhörer vom Irrweg der Nazis überzeugen, wenn ich nicht aufzeigen darf, welche Absichten diese haben.“

    Allerdings kann er sich wieder mit einer vorigen Aussage herausreden: „Ich bin übrigens nicht der Meinung Kennedys, dass unsere jetzigen Volksvertreter in die rechte „Göring“-Ecke gehören.“ Was natürlich nicht ausschließt, dass sie trotzdem gewisse Nazi-Methoden anwenden, nicht wahr?

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