„Glaube an Gott“

Ein Leserbriefschreiber vermerkt in etwa: „Wie kann man so dumm sein, in heutigen Zeiten noch an Gott (reines Fantasieprodukt) zu glauben?“ Ich rufe: Einwand! Nicht, weil ich Pfarrer bin, sondern weil ich als Mensch noch Ratio (Verstand) habe. Lassen Sie mich Hans Küng zitieren, dessen intellektuelles Niveau Sie doch hoffentlich nicht bestreiten wollen. Ich zitiere aus seinem Buch „Christ sein“ (Piper Verlag) Seite 55, Gottesbeweise: „Hier scheinen wir rasch in eine Aporie, eine ausweglose Situation hinein zu geraten. Entweder kann der Glaube an Gott bewiesen werden: wie ist er dann noch Glaube? Oder er kann nicht bewiesen werden: wie ist er dann noch vernünftig? Das uralte Dilemma zwischen Vernunft und Glaube, gerade in der Gotteserkenntnis, das die einen zugunsten des Glaubens und die anderen zugunsten der Vernunft lösen, oder eben nicht lösen.“

Weiter Seite 59: „Eine rein rationale Demonstration der Existenz Gottes, die allgemein zu überzeugen vermöchte, gibt es nach den bisherigen Erfahrungen nicht. Gottesbeweise erweisen sich faktisch – wie immer man über die abstrakte ‚Möglichkeit‘ der Gotteserkenntnis im Sinn des Vatikanum I denkt – als nicht für jedermann zwingend. Kein einziger Beweis wird generell akzeptiert.“

Daraus zu folgern – ergo – gibt es ihn nicht, ist aber eine irrationale Forderung. Es gab kein Amerika, bis Columbus den Beweis erbrachte. Persönlich füge ich folgendes hinzu: Seit 30 Jahren widme ich mich dem Elend der Straßenbuben in Afrika. Nicht, weil Gott besteht, oder eine Fatamorgana ist, sondern weil ich nicht diskutiere und fabuliere, sondern „Hand anlege“. „Gehe hin und tue das Gleiche“, Jesus Christus.

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