Baufach befürchtet ausbleibende Aufträge

<p>Zurzeit arbeiten die Bauunternehmen in Ostbelgien Aufträge ab, die vor der Coronakrise abgeschlossen wurden. Doch der Schaden, den der Lockdown angerichtet hat, ist groß, wie die Konföderation Baufach Verviers-Ostbelgien ermittelt hat.</p>
Zurzeit arbeiten die Bauunternehmen in Ostbelgien Aufträge ab, die vor der Coronakrise abgeschlossen wurden. Doch der Schaden, den der Lockdown angerichtet hat, ist groß, wie die Konföderation Baufach Verviers-Ostbelgien ermittelt hat. | Foto: Photo News

Ostbelgien/Verviers

Befürchtet wird, dass das Schlimmste noch kommen muss, denn neue Aufträge bleiben aus, sodass zahlreiche Unternehmen aus dem Bausektor in der zweiten Jahreshälfte ohne Aufträge zu geraten drohen. Dies geht aus einer Anfang Juni durch den Regionalverband für den Bezirk Verviers und Ostbelgien der Konföderation Baufach durchgeführten Umfrage hervor. Seit den Lockerungsmaßnahmen für den Bausektor am 4. Mai arbeiteten die ostbelgischen Unternehmen größtenteils fast wieder wie vor der Coronakrise, hieß es. Der Aktivitätsgrad beträgt den Angaben zufolge momentan 89 Prozent, gegenüber 70 Prozent vor den Lockerungsmaßnahmen. Die große Mehrheit der Arbeiter ist wieder im Einsatz, obwohl nach wie vor 18 Prozent der Unternehmen für einen Teil der Belegschaft auf Kurzarbeit zurückgreifen.

Doch der erlittene Schaden bleibt erheblich. Die Hälfte der Befragten verzeichnete für die ersten fünf Monate des Jahres einen Umsatzverlust von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei ein kleiner Teil (5%) sogar mehr als 50 Prozent Umsatz verlor. „Die Angst vor Existenz bedrohenden Konsequenzen hat sich indes verschoben. Die Wiederaufnahme der Aktivitäten hat dazu geführt, dass kaum eines der befragten Unternehmen davon ausgeht, kurzfristig in eine Situation zu geraten, in der der Fortbestand des Unternehmens auf dem Spiel stehen würde“, heißt es in einer Mitteilung.

Vor dem Neustart Anfang Mai seien das noch 21 Prozent der Befragten gewesen. Auffallend sei jedoch, dass sich wesentlich mehr Unternehmen Sorgen um die Situation in der zweiten Jahreshälfte machten. Jedes dritte Unternehmen befürchte heute zum Jahresende hin Existenz bedrohende Konsequenzen – im Gegensatz zu 17 Prozent vor einem Monat. Der Grund: Neue Aufträge bleiben aus. „Der Konsument zögert und verschiebt seine Bau- oder Renovierungspläne bis auf Weiteres. 64 Prozent der ostbelgischen Unternehmen sehen sich mit einem bisweilen empfindlichen Rückgang der Angebotsanfragen im Vergleich zu den Monaten vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie konfrontiert“, heißt es.

Laut Paul-Philippe Hick, Direktor der Konföderation Baufach Verviers-Ostbelgien, ist dies eine Besorgnis erregende Situation. Die Anzahl Angebotsanfragen sei nämlich ein richtungweisender Indikator für die Beschäftigungslage in den kommenden Monaten. Wenn die Angebotsanfragen und Aufträge heute nicht erteilt würden, drohten Unternehmen in den kommenden Monaten drastische Umsatzverluste. Diese Zahlen bestätigen die Resultate ähnlicher Umfragen der Konföderation Baufach auf nationaler Ebene. Auch dort werden Konkurse und Arbeitsplatzverluste befürchtet.

Darauf reagiert Michel Thérer, Präsident der Konföderation Baufach Verviers-Ostbelgien: „Was unser Sektor jetzt braucht, sind schnell beschlossene und umgesetzte Maßnahmen, die die Nachfrage stimulieren.“ Dabei denkt er an einem umfassenden Konjunkturprogramm mit steuerlichen Erleichterungen für Bauwillige. „Das Vertrauen muss wiederhergestellt werden und es müssen steuerliche Anreize geschaffen werden, damit Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen, aber auch die öffentliche Hand erneut investieren in Neubauprojekte, Renovierungen, Abriss und Wiederaufbau, den sozialen Wohnungsbau sowie öffentliche Bauarbeiten. Die Ersparnisse, die jetzt ‘schlafen’, müssen mobilisiert werden“, so der Präsident.

Die Konföderation Baufach hat einen umfassenden Maßnahmenkatalog ausgearbeitet, um die Aktivitäten im Bausektor auch mittel- und langfristig anzukurbeln.

Diesen verteidige sie „in aller Diskretion an geeigneter Stelle“, um die Verabschiedung eines umfassenden Konjunkturprogramms zu bewirken, teilte der Verband mit. „Dabei darf nicht gezögert werden“, so Michel Thérer weiter. „Es darf für Kauf- und Bauwillige keine Gründe geben, ihre Bauprojekte aufzuschieben. Sonst geraten wir in einen Teufelskreis: kein Vertrauen führt nämlich zu weniger Investitionen, ein abnehmende wirtschaftliche Aktivität, Arbeitsplatzverluste, ungesunde Staatsfinanzen und ein Mangel an Mittel, um aus dieser Krise herauszukommen ohne erhebliche Steuererhöhungen, und letztendlich eine komplett gelähmte Wirtschaft und einer Rezession ohne Ausweg.“

Die Schlussfolgerung von Paul-Philippe Hick ist deutlich: „Der Bausektor ist der Motor der Gesamtwirtschaft. Im Zuge der Finanzkrise 2008 hat Belgien es geschafft, durch Anreizmaßnahmen für den Bausektor die gesamte Wirtschaft wieder anzukurbeln. Und das war sehr erfolgreich. Was damals geschafft wurde, kann auch heute wieder funktionieren.“ (red/sc)

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