Lieber Karl-Heinz, so kann man es auch sehen. Ich aber erlebe Papst und Kirche in der Coronakrise anders. Ich habe den Papst vor dem Pestkreuz inbrünstig beten sehen. Von Beschwörung habe ich nichts wahrgenommen. Ich habe einen Papst gesehen, der in einer schwierigen Zeit sich im Gebet an seinen Vatergott wendet und seine Sorgen um das Wohl der Menschheit und des Planeten vertrauensvoll in Gottes Hand legt. So mache ich es auch manchmal in schwierigen Situationen. Das Pestkreuz hat mich daran erinnert, dass die Menschheit schon viele Epidemien überstanden hat, und es gibt mir die Zuversicht, dass es auch diesmal gelingt.
Den Segen urbi et orbi habe ich gerne entgegengenommen und mich dabei bekreuzigt. Für mich ist auch der Segen keine Zauberformel, sondern ein Zeichen dafür, dass jemand mich der Liebe Gottes anvertraut. Die Sonntagsmessen haben wir am Fernseher mitgefeiert, mitgebetet und mitgesungen. Dabei fühlten wir uns mit allen verbunden, die die Feier vorbereitet und gestaltet haben, und mit den vielen Gläubigen vor den Bildschirmen.
Ich bin den Fernsehanstalten dankbar für diese Möglichkeit, den Sonntagsgottesdienst zu erleben. Ich möchte aber auch den Einsatz und die Kreativität unserer Priester und deren Mitarbeiter*innen anerkennen, die Impulse für einen Hausgottesdienst ausarbeiten und ihren Mitchristen zur Verfügung stellen. Gesellschaft und Kirche befinden sich in einer Krise, aber ich bin zuversichtlich, dass es nach dieser dunklen Zeit der Unsicherheit und des Leidens eine Auferstehung, ein Ostern geben wird.
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