Trotz der Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von Covid-19 werden die Ermittlungen insbesondere mit der Analyse der von Privatpersonen zur Verfügung gestellten Bilder der Überwachungskameras fortgesetzt, schreibt die Tageszeitung „La Meuse“ in ihrer Dienstagsausgabe.
Zur Erinnerung: Der 20-jährige Charles Johnen aus Montzen wurde zuletzt am frühen Freitagmorgen, 6. März, um 2 Uhr auf dem Place Coronmeuse in Lüttich gesehen, wo er aus einem Bus stieg und sich zu Fuß in Richtung Zentrum aufmachte. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war er auf einer Studentenparty in Droixhe gewesen.
Zu Beginn dieser Woche ging die Suche nach dem Vermissten weiter. So führten am Montagmorgen die Vermissteneinheit der föderalen Polizei und Lütticher Polizisten Suchaktionen in der Maas (auf Höhe des Boverie-Parks) durch. Ein Seil, das am Kai befestigt war und in die Maas gestürzt war, fand die Aufmerksamkeit der Ermittler, doch nach der Überprüfung stellte sich heraus, dass es nur ein Hilfsmittel zum Fischen war.

Nach den Suchtrupps, die von Verwandten von Charles noch vor den drastischen Einschnitten in das öffentliche Leben organisiert wurden und durch das gesamte Stadtzentrum Lüttichs führten, und den Tauchgängen der Polizei im Coronmeuse-Hafenbecken geriet die Suche nach dem jungen Mann in der vergangenen Woche etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Das heißt aber nicht, dass die Ermittler nicht fieberhaft weitersuchen.
Beim letzten Zeugenaufruf am vergangenen Freitag baten die Ermittler alle Einwohner von Droixhe, Coronmeuse und Saint-Léonard, die im Besitz einer privaten Überwachungskamera sind, die Bilder den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. „Diese Bilder könnten vielleicht entscheidend sein, um Charles´ Weg, den er am 6. März gegangen ist, zurückzuverfolgen“, heißt es in der Zeitung „La Meuse“. Von der Kombination zwischen den Videoaufnahmen und möglichen Aussagen von Anwohnern versprechen sich die Ermittler derzeit am meisten.
Eine erste Videoaufnahme wurde bereits veröffentlicht. Am Montagabend hat die Facebook-Gruppe „Help Charles“ die Bilder ausgestrahlt, die den Montzener zum letzten Mal auf der Rue du Tir um 2.42 Uhr morgens zeigen.
„Es gibt für uns nicht mehr viel zu tun“, erklärt unterdessen der Vater des Vermissten: „Da es im Moment keine Spuren gibt, planen wir angesichts der Corona-Krise nicht, uns so viel wie möglich draußen aufzuhalten. Das letzte, was wir getan haben, war, Flyer in Geschäften zu verteilen.“
Der Vater, die Angehörigen und Freunde warten darauf, dass ihre Arbeit Früchte trägt. „Das ist alles, was wir im Moment tun können", erklärte der Vater, der trotz des elftägigen Verschwindens die Hoffnung nicht verliert. (mv)

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