Antonios Antoniadis (SP) ist derzeit nicht zu beneiden. Der Politiker hat als zuständiger Gesundheitsminister der Deutschsprachigen Gemeinschaft alle Hände voll zu tun. Die Fäden laufen bei ihm zusammen, er muss koordinieren, entscheiden und nahezu pausenlos kommunizieren. Bei der Pressekonferenz am Freitagvormittag, bei der die neun Bürgermeister der DG und die vier Minister der Regierung die drastischen Maßnahmen, die auf föderaler Ebene beschlossen wurden, näher ausführten, zeigte sich sehr schnell, dass er voll in der Materie drin ist.
„Unser Land steht vor einer großen Prüfung. Das ist eine große Herausforderung für den Staat und die Gesellschaft. Jetzt kommt es darauf an, dass wir einander vertrauen“, erklärte Antonios Antoniadis, der die Beschlüsse aus Brüssel ausführlich erklärte und verteidigte, zu Beginn des Termins. Wenn jetzt nicht gehandelt werde, drohe eine Krise des Gesundheitssystems, warnte der Politiker.
Man müsse jetzt gemeinsam die weitere Ausbreitung von Covid-19 verlangsamen. „Das Virus aufzuhalten, das schaffen wir nämlich nicht mehr“, so der Gesundheitsminister. Nun komme es darauf an, mit den tiefgreifenden Maßnahmen zu vermeiden, dass viele Menschen gleichzeitig krank werden und so eine Belastung für das Gesundheitssystem werden, das schließlich zu kollabieren drohe. Und deswegen sei es eben notwendig, den Unterricht auszusetzen, die Alten- und Seniorenheime abzuriegeln, Veranstaltungen abzusagen und vieles mehr.
Die Analysen und Empfehlungen von Sciensano, dem Institut für Volksgesundheit in Belgien (vergleichbar mit dem Robert-Koch-Institut in Deutschland), sollen dazu führen, dass eine Verzögerung der Ansteckungsrate erfolgt, sodass die Krankenhäuser hierzulande die erforderliche Anzahl an Patienten auch betreuen kann. Antoniadis zeigte dabei auf die mittlerweile wohl oft gesehene Kurven-Grafik, die auch massiv in den sozialen Medien geteilt wird und die verdeutlicht, wie wichtig der Faktor Zeit im Umgang mit der Coronavirus-Krise ist.
Antonios Antoniadis ging bei seinen Ausführungen auf die Risikogruppen ein, die gefährdet sind. Das seien sowohl Menschen ab 70 als auch immunschwache Patienten und Chronisch-Kranke (und hier vor allem diejenigen mit Atembeschwerden). Vor allem diese Personen sollten sich von Menschenansammlungen fernhalten und sich selbst schützen, weil in der Gruppe die Ansteckungsgefahr groß sei. Sie sollten auch die Empfehlung annehmen, auf Treffen im kleinen Kreis wie einen Geburtstag zu verzichten, findet der Gesundheitsminister.
Zu großem Dank verpflichtet sei man in diesen Zeiten dem Pflegepersonal und den Ärzten sowie den Sicherheitsbehörden, die in den nächsten Wochen tagtäglich wahrscheinlich an ihre Leistungsgrenzen gehen müssen. „Die Überwindung der Krise können wir nur schaffen, wenn wir alle an einem Strang ziehen“, wiederholte Antoniadis seine Forderung, die er bereits in der Freitagsausgabe des GrenzEcho in einem Gastkommentar formuliert hatte.
Besonnenheit sei hierbei das Gebot der Stunde, denn sowohl Panik als auch Desinteresse seien unangebracht. „Die gute Mitte zu finden“, laute nun die Devise. Dabei gebe es auch keinen Grund für Hamsterkäufe, weil die Versorgung der Supermärkte gewährleistet sei. Das könnte zu mehr Problemen führen als das Virus selbst anrichtet, so der 34-Jährige am Freitag.
Am Rande des Treffens wurde auch bekannt, dass es in der Deutschsprachigen Gemeinschaft einen neuen Fall gibt. Eine Person aus Bütgenbach, die in Kontakt mit der bereits bestätigten Coronavirus-Infizierten stand, die in der selben Gemeinde ihrer Arbeit nachgeht, wurde positiv getestet, berichtete Antoniadis. Über den Zustand der Patientin konnte er zu diesem Zeitpunkt noch keine Angaben machen. Die Gesundheitszelle des DG-Ministeriums habe jedoch bereits mit der Untersuchung begonnen, um herauszufinden, mit wem der Infizierte in Kontakt gekommen ist, um gegebenenfalls weitere Isoliermaßnahmen zu beschließen.
Damit gibt es Stand gestern in der Deutschsprachigen Gemeinschaft vier bestätigte Corona-Fällle – einen in Burg-Reuland, zwei in Bütgenbach sowie eine Person, die in Kelmis wohnt, aber in Eupen arbeitet.

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