Religion ist Privatsache

Ich möchte die Behauptung im Titel bezweifeln. Ja mehr noch: ich erkenne in ihr eine Gefahr! Wird Religion allein im Bereich des Privaten verortet, droht ihr öffentlicher Sprachverlust. Denn wer nicht mehr an der Öffentlichkeit teilnimmt, verliert an gesellschaftlicher Wahrnehmbarkeit. Der Staat ist also gut beraten, dass sich die Vielfalt religiösen Lebens, auch in den von ihm geschaffenen und unterhaltenen Einrichtungen, wiederfinden kann. Religionsunterricht arbeitet an der kritischen Sprachfähigkeit jedes einzelnen jungen Menschen. Diese ist ihm ein großes Anliegen. Wer – auch und gerade in der Schule und hier besonders im Religionsunterricht – nicht gelernt hat, verbal zu argumentieren, läuft am Ende Gefahr, zu „schlagenden“ Argumenten zu greifen! Religionsunterricht hat die Freiheit und Mündigkeit junger Menschen zum Ziel, nicht die Interessen von Religionsgemeinschaften! Für dieses Ziel setze ich mich als Religionslehrer mit meiner ganzen Kraft ein.

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Kommentare

  • Wie bitte? Ohne Religionsunterricht und ohne staatliche Unterstützung von Religionen können sich Jugendliche nicht mehr artikulieren und werden gar gewalttätig?
    Völlig abwegige Logik, die der Autor da verbreitet. Unfug hoch drei.

    Aber diese Einstellung ist typisch für Religionsvertreter: Sie glauben tatsächlich, ohne ihre Religion würde die Welt untergehen. Und das versuchen sie den Leuten schon seit immer zu suggerieren.
    Früher sagten sie uns: "Gott wird uns Strafen, wenn wir ihm nicht folgen". Heute sagen sie uns, "es droht Sprachverlust und Aggression", wenn die Religion keine zentrale Rolle spielt und nicht ihre Privilegien erhält.

    Es ist also alter Wein in neuen Schläuchen, den uns der Autor hier andrehen will. Und das auch noch mit einer ziemlich absurden "Logik".

  • Aber lässt sich die „Vielfalt religiösen Lebens“ und die „kritische Sprachfähigkeit“ mit dem Ziel der „Freiheit und Mündigkeit“ junger Menschen nicht viel besser in einem konfessionsübergreifenden Religionskundeunterricht vermitteln und erzielen, an dem Schüler aller Konfessionen teilnehmen?
    Sollte nicht genau dies im Interesse des Staates liegen?

    Wenn es im herkömmlichen Bekenntnis-Religionsunterricht nicht um die „Interessen von Religionsgemeinschaften“ geht, besteht auch kein Grund, ihn von diesen Religionsgemeinschaften (ohne staatliche Kontrolle) zu organisieren.

    Wäre es nicht eher sinnvoll, auch andere weltanschauliche, ethische und philosophische Konzepte den Religionen gegenüber zu stellen, wenn es um die „Kritikfähigkeit, Freiheit und Mündigkeit“ von Schülern geht?

    Die „gesellschaftliche Wahrnehmung“ verlieren die Religionen nicht durch eine Reform des Religionsunterrichtes, sondern durch das reaktionäre und dogmatische Festhalten an rückständigen Regeln, die auch junge Menschen immer mehr fassungslos abschrecken und die Kirchen entvölkern. (Stichwort Zölibat, Stellung der Frau in der Kirche, Anerkennung der universellen Menschenrechte,...).

    Die Politik sollte - wenn sie damit aufgehört hat, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen - sich nochmal mit der Modernisierung des Staates befassen.
    Dazu gehört auch, dessen Säkularisierung fortzuführen, die Verfassung entsprechend zu bereinigen und sich dem Druck der Religionslobby zu entziehen.
    Eine weitere Trennung von Staat und Religion und eine Abschaffung eines nach Konfessionen getrennten Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen gehört dazu.
    Dies führt dann hoffentlich auch dazu, dass im Religionsunterricht an unseren Schulen nicht weiter unkritisches Selektivwissen, Märchen und gefährlicher Unsinn vermittelt wird.

    Es ist nicht neu, dass Glaubenshüter und ihr verlängerter Arm in der Politik sich gegen eingeforderte Reformen wehren.
    Genau dies macht der Vatikan mit stoischer Beratungsresistenz seit Jahrhunderten (wie die Verlautbarungen von Franziskus heute wieder eindrucksvoll gezeigt haben).

    Es war auch - wenn man so will - die aufkeimende kritische Sprachfähigkeit, Wissen, intellektuelle Mündigkeit und die Freiheit des Denkens, die im Zeitalter der Aufklärung religiösem Dogmatismus die Stirn geboten hat.
    Dass ein Religionslehrer diese Eigenschaften jetzt als Ziele des Religionsunterrichtes darstellt erscheint geradezu grotesk.

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