Sternsinger werden zu Friedensboten

<p>Dieses Bild entstand bei der Sternsingeraktion im Januar.</p>
Dieses Bild entstand bei der Sternsingeraktion im Januar. | Foto: Lothar Klinges

Die Zeichen an der Tür zeigen es an: Die Sternsinger waren da und haben dem Haus und seinen Bewohnern den Segen gebracht. Das ist der Kern des Sternsingens. „Segen bringen, Segen sein!“ ist auf den Sammelbüchsen zu lesen. So leitet die Aktion Dreikönigssingen seit einigen Jahren ihr jährlich wechselndes Motto zum jeweiligen Beispielland ein. Damit drückt sie aus, dass Sternsingen ein Segensgeschehen ist.

Unter dem Motto „Frieden! Im Libanon und weltweit“ sind Anfang des neuen Jahres knapp 900 Sternsinger in Ostbelgien unterwegs, um mit dem Kreidezeichen „20*C+M+B+20” den Segen „Christus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus” in Häuser und Wohnungen zu tragen. Für die sinkenden Zahlen der Sternsinger gibt es sicherlich viele Gründe. Der wichtigste darunter ist gewiss die demografische Entwicklung. Dennoch ist die Tendenz bei den Spenden steigend und die Motivation für das Sternsingern weiterhin groß. Als leuchtendes Zeichen geht den Jungen und Mädchen der „Stern von Betlehem“ voraus. Das Sternsingen ist keine reine Spendensammlung - es ist vor allem ein Beispiel des globalen Lernens. So ist die Vorbereitung auf das Sternsingen in diesen Tagen weit mehr als die Anprobe von Gewändern, das Üben der Lieder und die Einteilung der Gruppen.

Die Aktion nimmt jedes Jahr exemplarisch ein Thema in den Fokus, das die Situation von Kindern vorstellt, wodurch die Kinder einen Einblick in das harte Leben von Kindern in anderen Ländern erhalten. In dem Film „Willi im Libanon“ und den anderen Materialien zur Sternsingeraktion wird berichtet, wie Kinder und Jugendliche sich dort mit seinen verschiedenen Religionen und zahlreichen Flüchtlingen aus Syrien auf den Weg des Friedens machen.

Nachdem letztes Jahr die Kinder mit Beeinträchtigung im Fokus standen, steht diesmal das Thema „Frieden" im Mittelpunkt. Nach dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 gelang im Libanon ein weitgehend demokratisches und friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen, Sprachen und Kulturen.

Doch der Friede steht vor großen Herausforderungen, denn das Zusammenleben ist nach wie vor von Feindschaften geprägt. Zudem hat der Libanon seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien im Jahr 2011 rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.

Diese machen etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus. Die Bildungs- und Gesundheitsstrukturen des Landes reichen nicht aus, um den Bedürfnissen der geflüchteten Menschen gerecht zu werden. Die Hilfsbereitschaft der Libanesen ist teilweise in Ablehnung umgeschlagen. Auch unter Kindern und Jugendlichen kommt es zu Spannungen und Ausgrenzungen. Die Projektpartner der Sternsinger arbeiten vor diesem Hintergrund mit einheimischen Kindern und mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien.

Ein wichtiges Ziel ist es, Frieden und Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion im Libanon zu fördern. Die Adyan-Stiftung, die 2006 von Christen und Muslimen gegründet wurde, setzt dabei auf Bildung und Dialog. Mit Hilfe der Sternsinger hat Adyan ein Bildungsprogramm für Schulen erarbeitet, das Kindern und Lehrern die gemeinsamen Werte der Weltreligionen sowie Wissen über die eigene Religion und Geschichte vermittelt. Die Organisation bietet auch Kurse in gewaltfreier Kommunikation und respektvollem Umgang miteinander an. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, ein langjähriger Sternsinger-Partner, leistet Hilfe bei der schulischen Integration und der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge. Die Caritas Libanon organisiert unter anderem ein Hausaufgaben- und Freizeitprogramm für Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Die Sternsingeraktion 2020 zeigt den Sternsingern, wie wichtig es ist, friedlich und unvoreingenommen miteinander umzugehen. So lernen sie, dass Kinder und Jugendliche mehr verbindet als sie trennt – und dass es sich lohnt, offen und respektvoll aufeinander zuzugehen. Gleichzeitig würdigt die Sternsingeraktion den Einsatz der rund 900 ostbelgischen Sternsinger, die als Friedensbotschafter den Segen zu den Menschen bringen und Spenden für hilfsbedürftige Kinder weltweit sammeln.

Im Januar 2019 kamen ostbelgienweit bei der Sammlung ganz genau 100.425,18 Euro zusammen, die für Not leidende Kinder in aller Welt bestimmt waren. 2018 wurden in Ostbelgien bei der Aktion 100.389,90 Euro gesammelt. Damit lag der diesjährige Betrag um über 35,28 Euro über dem Erlös von 2018.

<p>Die ostbelgischen Sternsinger werden in Brüssel mit Jugendlichen aus der Doppelortschaft Iveldingen-Montenau vertreten sein.</p>
Die ostbelgischen Sternsinger werden in Brüssel mit Jugendlichen aus der Doppelortschaft Iveldingen-Montenau vertreten sein. | Foto: Lothar Klinges

Sternsinger aus Iveldingen-Montenau zu Gast in Brüssel

Unterdessen werden 25 Sternsinger aus Deutschland, Österreich, Italien, Ungarn, Serbien, Rumänien und (Ost-)Belgien am Mittwoch, 8. Januar 2020, im Europaparlament erwartet. Die Mädchen und Jungen werden beim EU-Parlamentsvizepräsidenten Rainer Wieland in Brüssel zu Gast sein. Vorher besuchen die Sternsinger das Büro der COMECE, der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft. Die ostbelgischen Sternsinger werden in Brüssel mit vier Jugendlichen aus der Doppelortschaft Iveldingen-Montenau vertreten sein in Begleitung von Caroline und Julia Spoden, die seit zehn Jahren die Sternsingeraktion in ihrem Dorf durchführen.

Jennifer Elsen freut sich besonders, Sternsingern aus verschiedenen Ländern Europas zu begegnen und mit ihnen für eine gute Sache zu singen: „In diesem Jahr darf ich zum sechsten Mal den Leuten den Segen überbringen und vielen unter ihnen damit eine echte Freude bereiten“, erzählt die zwölfjährige Schülerin aus Iveldingen, die das Jahresthema „Frieden“ angesichts der vielen Konfliktherde weltweit sehr passend findet. Die 13-jährige Romy Vermander, die aus Flandern stammt und die Aktion erst in Montenau kennengelernt hat, freut sich auf die Begegnung in Brüssel: „Die Sternsingeraktion ist in Flandern unbekannt. Es macht mir seit fünf Jahren viel Spaß, an den Häusern zu singen und den Segen zu schreiben. Für sie ist es eine einmalige Chance, mit Sternsingern aus Europa das Parlament zu besuchen.“

Für die 13-jährige Marie Schumacher aus Montenau ist das EU-Parlament ein echter Anziehungspunkt: „Man hört so viel in den Nachrichten davon, jetzt kann ich es mal hautnah erleben.“ Zunächst aber freut sie sich darauf, in diesem Jahr zum sechsten Mal singend durch Iveldingen-Montenau zu ziehen und dabei einen kleinen Beitrag für den Frieden zu leisten. „Ich bin gespannt auf die Begegnung mit Sternsingern aus vielen Ländern Europas“

„Ich möchte dazu beitragen, Kinder für die Not in der Welt zu sensibilisieren, damit sie aktiv Solidarität üben“, erklärt die 33-jährige Julia Spoden aus Montenau. Die Erzieherin leitet seit zehn Jahren mit ihrer Schwester die 27-köpfige Sternsingergruppe in ihrer Pfarre. „Ohne viel Aufwand können wir an einem einzigen Tag so viel Gutes für unsere Welt bewirken. Der diesjährige Sternsingerfilm ‘Willi im Libanon’ hat mich wieder tief beeindruckt und zeigt, wie wir bereits mit einem Lächeln zum Frieden beitragen können.“ Auch ihre 25-jährige Schwester Julia, die von Kind auf Sternsingerin war und ebenso lange die Gruppe leitet, freut sich auf die Begegnung mit Sternsingern aus vielen Ländern Europas. „Da, wo Menschen aufeinander zugehen, ist Frieden möglich.“ Ihr ist es wichtig, dass Kinder sich für Kinder einsetzen, die Tradition fortsetzen und dabei einen Beitrag für den Frieden leisten, „denn täglich hören wir in den Medien von Gewalt und Unfrieden.“ Die Ostbelgierinnen freuen sich, dass der ostbelgische EU-Parlamentarier Pascal Arimont die kleinen Könige aus Ostbelgien wieder empfangen und begleiten wird. Bereits einen Tag vorher treffen die Sternsingerinnen aus der Eifel zusammen mit ihren Begleitpersonen mittags in Brüssel ein, wo sie von Pascal Arimont empfangen werden. Er verbringt den Nachmittag mit den kleinen Königen aus Iveldingen-Montenau. In der Jugendherberge Brüssel findet am Abend ein Kennenlernen und eine gemeinsame Probe statt. Am Mittwoch werden die Delegationen von dem 63-jährigen EU-Vizepräsidenten Rainer Wieland aus Stuttgart empfangen und die Segensformel an die Tür schreiben.

Bis vor zehn Jahren fand der jährliche Empfang der Sternsinger beim Parlamentspräsidenten in Eupen statt. Im Januar 2016 wurde diese Tradition unter Präsident Karl-Heinz Lambertz wieder aufgenommen. Für Mittwoch, 8. Januar 2020, 14.30 Uhr, hat Lambertz die ostbelgischen Sternsinger zu einem Empfang in Eupen eingeladen. Die neun ostbelgischen Pfarrverbände werden vertreten sein: aus dem Pfarrverband Amel wird es eine Gruppe aus Amel-Eibertingen sein, aus dem Pfarrverband Büllingen eine Gruppe aus Hünningen, aus Burg-Reuland Sternsinger aus Dürler, aus dem Pfarrverband Bütgenbach sind es Sternsinger aus Nidrum, aus dem Pfarrverband Eupen-Kettenis kommt eine Gruppe aus Eupen, aus dem Pfarrverband Kelmis-Hergenrath eine Gruppe aus Kelmis, aus Lontzen eine Gruppe aus Walhorn, St.Vith wird vertreten sein durch eine Gruppe aus Wallerode und Raeren durch eine örtliche Delegation. Die Gruppen treffen bereits bis 14 Uhr im Parlament ein, werden sich vorstellen, und die Sternsinger aus dem Pfarrverband Eupen werden den Segensspruch 2020 im Parlamentsgebäude anbringen. Abgeschlossen wird das Treffen mit einem gemütlichen Teil in der Cafeteria des Parlaments. (kli)


Die eingegangenen Spenden aus der Sternsingeraktion in den ostbelgischen Pfarren sind bis spätestens 31. Januar 2020 auf das Konto Sternsinger Ostbelgien, Bergkapellstraße 46, 4700 Eupen, IBAN: BE83 7310 1494 2015, BIC: KREDBEBB, zu überweisen.

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