Das triste Bild, das die Galionsfigur des FC Barcelona in Brasilien in den Partien gegen Kolumbien (0:2) und Paraguay (1:1) abgab, erinnert stark an die chaotischen WM-Tage vor einem Jahr: Die Stars stehen in der Kritik, der Trainer ist unter Beschuss, ein System kaum zu erkennen. Zudem gibt es Zweifel am Teamgeist.
„Gewinnen oder gewinnen“, gab der 31 Jahre alte Kapitän vor dem Vorrundenabschluss gegen die punktgleichen Kataris am Sonntag (21 Uhr MESZ) in Porto Alegre als Parole aus. Doch Messi weiß auch: „Heute gewinnt man nicht mehr mit dem Trikot.“
Das gilt für Argentinien, aber auch für Gastgeber Brasilien. Gegen Bolivien (3:0) schickte das Publikum die Selecao nach torloser erster Hälfte mit Pfiffen in die Kabine, das 0:0 gegen Venezuela endete in einem Pfeifkonzert. Und bei der Partie am Samstag (21 Uhr MESZ) in Sao Paulo gegen Peru droht gar der Super-GAU.
Als Nationaltrainer Tite vor exakt drei Jahren übernahm, schien die bis dato strauchelnde Selecao urplötzlich unschlagbar, gewann der heute 58-Jährige mit jedem Sieg an Popularität, wurde im krisengeschüttelten Riesen gar als Präsidentschaftskandidat gehandelt. Bis die WM 2018 kam, ihn das glückliche Händchen im Stich ließ, der fünfmalige Weltmeister im Viertelfinale ausschied.
Und jetzt kommt Peru, das Brasilien bei der Copa America 2016 in den USA mit einem 1:0 zum Vorrunden-Abschluss aus dem Turnier warf, was den damaligen Coach Dunga den Job kostete und Tite den Weg freimachte. Er gerät nun aber selber peu a peu in die Schusslinie - trotz nur zweier Niederlagen in 38 Spielen unter seinem Kommando.
Brasilien und Peru führen die Gruppe A mit je vier Punkten an. Venezuela (2) kann im parallel stattfindenden Duell gegen Bolivien die beiden aber noch abfangen. Die jeweils beiden Gruppenersten kommen sicher weiter, dazu von den Dritten der drei Gruppen die zwei Besten.
Für beide Supermächte Argentinien und Brasilien geht es also um alles oder nichts. Und dann wäre gar ein direktes Duell in der Runde der letzten Acht möglich. Mit Brasilien als Gruppensieger und Argentinien als Gruppendritter, oder beide als Zweite in ihren Gruppen.
„Wir haben das Glück, dass wir noch am Leben sind“, hielt Argentiniens Coach Lionel Scaloni nach der Partie gegen Paraguay fest. Aber wie lange noch? (sid)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren