René Bauer steht höchstpersönlich am Eingang und drückt den Besuchern erst einmal den Lageplan des neuen Stadthauses in die Hand. „Ich bin froh, dass ich das miterleben darf“, sagt der scheidende Verwaltungschef, der in einigen Wochen den Stab abgibt. Nur beim eigenen Zimmer hat er weniger zu sagen gehabt, da hat die Stadtverwaltung schon Nachfolger Bernd Lenz aus Raeren einfliegen lassen, der muss es ja länger vor der Wand aus Bildschirmen im Generaldirektorenzimmer aushalten.
Um Jörg Breuer hat sich inzwischen eine Gruppe gebildet, die auf die Führung wartet. Zuerst geht es zu Bürgerdienst, Standesamt und Pensionskasse, die im Erdgeschoss untergebracht sind. Schließlich kommen mehr Bürger, die beispielsweise einen Antrag auf einen Reisepass oder Stoffwindeln stellen als beispielsweise Schulleiter, die bei Andy Boemer im dritten Stock Hilfe bei schulischen Computerproblemen suchen.
„Jetzt gehen wir zur Politik, die müssen selber sagen, wie viel die arbeiten“, verkündet Jörg Breuer. Stolz führt der Beamte seine Gruppe in den zweiten Stock. „Zentralverwaltung“, steht dort. Dort residieren Bürgermeisterin Claudia Niessen, der Generaldirektor und die Schöffen nebst ihren Mitarbeitern. Die bürgermeisterliche Residenz ist wie alles im Stadthaus hell und freundlich. Vor dem großen rechnerlosen Schreibtisch steht ein anderer Tisch für vertrauliche Gesprächsrunden. An der Wand hängt natürlich wie im gesamten Stadthaus Kunst von ostbelgischen Malern und Fotografen. So ist Michael Emmermann auch unterwegs und hält Ausschau nach seinen Bildern. Frühmorgens und spätabends ist der Fotograf auf die Pirsch gegangen und hat aus interessanter Perspektive Eupen fotografiert. Einmal ist er sogar der Polizei aufgefallen, die sich gewundert hat, dass er zu unchristlichen Zeiten fotografisch unterwegs ist. Aber das beste Licht ist eben vor und nach Sonnenauf-, bzw. –untergang. Auch das Stadthaus gefällt ihm. „Es ist alles viel professioneller, und man wird schneller bedient“, sagt er.
Giovanna Drosson steht fröhlich am Carrée am Eingang. „Früher waren wir in der Ecke und schwerer zu finden“, erzählt sie. Jetzt kommt der Besucher direkt auf sie zu und lässt sich dahin lotsen, wo er hin muss. Ja, es geht modern und effizient zu im neuen Stadthaus. Wie in jeder modernen Verwaltung gibt es jetzt Nümmerchen, sodass niemand zu lange warten muss. Vor der Nummer steht ein Buchstabe, der für „Standesamt“, „Bevölkerungsdienst“ oder „Pensionsdienst“ steht. So gibt es jetzt fünf Ausweisverlängerungen, während der Kollege im anderen Raum einen Rentenantrag bearbeitet.
Derweil genießt Karl Schneider den Sonnenschein außerhalb des Hauses. Der pensionierte Lehrer erinnert sich an alte Zeiten. „Früher standen wir jeden Monat Schlange, um uns die Lohntüte bei Fräulein Kniebs anzuholen“, erzählt er. Irgendwann wurde dann das Bankkonto eingeführt. Im alten Rathaus sei man als Besucher mehr beobachtet worden, sagt er. Jetzt sei es besser für Besucher wie für Angestellte. „Es wurde Zeit, dass die Leute bessere Arbeitsbedingungen bekommen“, betont er.
Im Sozialraum sitzt Erin (7) und malt eine Katze für eine Mitarbeiterin. In der Küchenzeile sind zwei Mikrowellen eingebaut. So lässt sich die Mittagspause gut verbringen. Die hellen Räume gefallen auch Ulrich Knittel. Helmut Rauw gefällt die ökologische Bauweise des Stadthauses. Und draußen genießen die Kinder den Sonnenschein und haben ihren Spaß mit Geschicklichkeitsspielen und Entenangeln.

























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