Drei von vier Belgiern wollen schnellere Energiewende – hohe Preise belasten Haushalte

<p>Angesichts hoher Energiepreise sparen viele Belgier beim Heizen. Laut einer Umfrage der Europäischen Investitionsbank haben 42 Prozent ihre Heizung heruntergedreht, um Kosten zu senken.</p>
Angesichts hoher Energiepreise sparen viele Belgier beim Heizen. Laut einer Umfrage der Europäischen Investitionsbank haben 42 Prozent ihre Heizung heruntergedreht, um Kosten zu senken. | Illustrationsbild: dpa

Für die Erhebung wurden 23.000 Menschen in den 27 EU-Mitgliedstaaten befragt, darunter 1.000 Belgier. Die Umfrage fällt in eine Zeit, in der steigende Energiepreise die Kaufkraft vieler Haushalte belasten.

Fast die Hälfte der Belgier (49 Prozent) gibt an, in den vergangenen zwölf Monaten einen mehr oder weniger starken Kaufkraftverlust erlitten zu haben. Damit liegt Belgien allerdings unter dem europäischen Durchschnitt von 60 Prozent.

Energieunabhängigkeit wichtiger als noch vor vier Jahren

Nach Einschätzung der EIB haben die gestiegenen Energiekosten zu einer Verschiebung der Prioritäten geführt. Vor vier Jahren galt die Verlangsamung des Klimawandels in Belgien noch als wichtigster erwarteter Vorteil der Energiewende. Inzwischen steht die größere Unabhängigkeit von Energieimporten an erster Stelle.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in 15 weiteren EU-Mitgliedstaaten. In acht Ländern, vor allem in Mittel- und Osteuropa, wird dagegen die Senkung der Energiepreise als wichtigster Vorteil genannt.

Der Klimaschutz bleibt dennoch ein zentrales Anliegen. So sehen 74 Prozent der Belgier in der Verlangsamung des Klimawandels weiterhin einen wesentlichen Nutzen der Energiewende.

Auf die Frage, welche Folgen eine zu langsame Energiewende in der Europäischen Union hätte, nannten 79 Prozent der belgischen Befragten ihre Energierechnung als größte Sorge. Knapp dahinter folgt mit 78 Prozent die Befürchtung, noch stärker von Öl- und Gasimporten abhängig zu werden.

Viele Belgier sparen beim Heizen und bei alltäglichen Ausgaben

Die hohen Energiepreise wirken sich bereits deutlich auf das Verhalten der Bevölkerung aus. So geben 42 Prozent der Belgier an, ihre Heizung heruntergedreht zu haben, um Kosten zu sparen. Das ist einer der höchsten Werte innerhalb der Europäischen Union. Im EU-Durchschnitt liegt der Anteil bei 34 Prozent.

Knapp ein Drittel der Befragten (32 Prozent) hat zudem seine täglichen Ausgaben für Lebensmittel oder Gesundheitsleistungen eingeschränkt.

Für einen Teil der Bevölkerung haben die gestiegenen Energiekosten noch schwerwiegendere Folgen. Insgesamt 15 Prozent erklären, dass sie Schulden machen, finanzielle Unterstützung beantragen oder die Bezahlung einer Energierechnung aufschieben mussten.

Mehr als die Hälfte nutzt das Auto seltener

Auch das Mobilitätsverhalten hat sich verändert. Mehr als die Hälfte der Belgier (54 Prozent) gibt an, das eigene Auto inzwischen seltener zu nutzen.

Dabei haben 27 Prozent die Zahl ihrer Autofahrten für notwendige Erledigungen reduziert. Weitere 24 Prozent fahren langsamer, um Kraftstoff zu sparen.

Rund 21 Prozent haben auf einen Wochenendausflug, eine Urlaubsreise oder einen Besuch bei Familie und Freunden verzichtet. Zudem sind 17 Prozent von individuellen Autofahrten auf Fahrgemeinschaften, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umgestiegen.

Solar- und Windenergie stehen hoch im Kurs

Für die Umsetzung der Energiewende wünschen sich 85 Prozent der Belgier, dass Energiequellen mit geringen CO₂-Emissionen Vorrang erhalten. An erster Stelle steht dabei die Solarenergie, gefolgt von der Windkraft.

Darüber hinaus sprechen sich 68 Prozent der Befragten für eine engere Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten bei der Energiewende aus.

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