GSK in Belgien: Studie kritisiert Milliardenhilfen für Pharmakonzern trotz Stellenabbaus

<p>Ein Blick auf den GSK-Standort in Wavre: Der Pharmakonzern plant eine umfassende Umstrukturierung, durch die an seinen drei belgischen Standorten bis zu 1.217 Arbeitsplätze wegfallen könnten.</p>
Ein Blick auf den GSK-Standort in Wavre: Der Pharmakonzern plant eine umfassende Umstrukturierung, durch die an seinen drei belgischen Standorten bis zu 1.217 Arbeitsplätze wegfallen könnten. | Foto: belga

Die Zahlen stammen aus einem Bericht des Instituts Athéna, einem Zusammenschluss von Fachleuten, unter anderem aus den Universitäten der Französischen Gemeinschaft. Die Untersuchung wurde am Dienstag veröffentlicht und fällt in eine besonders angespannte Phase für den britischen Pharmakonzern: Erst kürzlich hatte GSK angekündigt, in Belgien 1.217 Arbeitsplätze abzubauen. Das entspricht knapp 15 Prozent der belgischen Belegschaft.

Nach Berechnungen des Instituts erhielt GSK zwischen 2019 und 2025 mindestens 3,4 Milliarden Euro an staatlicher Unterstützung. Dem standen Steuerzahlungen von insgesamt 1,4 Milliarden Euro gegenüber. „Mit anderen Worten: Das Unternehmen erhielt zweieinhalbmal so viel öffentliche Unterstützung, wie es zur Finanzierung der Allgemeinheit beitrug“, heißt es in der Untersuchung.

62.000 Euro Unterstützung pro Arbeitsplatz und Jahr

Besonders deutlich wird das Ausmaß der Förderung beim Blick auf die Beschäftigten. Laut Athéna wurde jeder Arbeitsplatz bei GSK im untersuchten Zeitraum rechnerisch mit durchschnittlich 62.000 Euro pro Jahr unterstützt. Das entspricht rund 45 Prozent der Personalkosten des Unternehmens. Allein 2025 machten die erhaltenen Hilfen demnach etwa ein Fünftel des Nettogewinns aus.

Gleichzeitig erwirtschaftete GSK zwischen 2019 und 2025 nach Steuern einen Gewinn von insgesamt 13,9 Milliarden Euro. Nach Einschätzung der Studienautoren wäre das Unternehmen auch ohne die öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen hochprofitabel geblieben. Die durchschnittliche Rentabilität hätte ohne diese Hilfen noch immer bei 10,5 Prozent gelegen.

Die effektive Steuerbelastung beziffert Athéna für den untersuchten Zeitraum auf durchschnittlich neun Prozent des Gewinns.

Kritik an steuerlichen Vergünstigungen

Den größten Anteil der staatlichen Unterstützung macht nach Angaben des Instituts die steuerliche Begünstigung von Innovationserträgen aus. Allein dadurch habe GSK knapp 2,7 Milliarden Euro eingespart.

Die Wirksamkeit dieser Steuerregelung ist allerdings umstritten. Athéna verweist auf das Föderale Planbüro, das ihren wirtschaftlichen Nutzen infrage stellt. GSK habe sich in der Vergangenheit selbst intensiv für die Einführung der Vergünstigung eingesetzt.

Bemerkenswert ist laut dem Bericht auch der Umfang der Forschungsförderung: Die öffentlichen Hilfen, die allein die belgische GSK-Tochter für Forschung und Entwicklung erhält, übersteigen demnach im Jahresdurchschnitt das Doppelte des Budgets des Fonds für wissenschaftliche Forschung (FNRS).

Forderung nach strengeren Bedingungen

Angesichts der Milliardengewinne und des angekündigten Stellenabbaus fordert das Institut Athéna ein Umdenken bei der staatlichen Unterstützung großer Unternehmen.

Öffentliche Fördermittel sollten künftig stärker an den Erhalt von Arbeitsplätzen geknüpft werden. Zudem sprechen sich die Experten dafür aus, wirtschaftlich wenig wirksame Vergünstigungen zu reduzieren, Arzneimittelpreise stärker zu regulieren und mehr öffentliche Mittel in die unabhängige Forschung zu investieren.

Einer der größten privaten Arbeitgeber

GSK gehört zu den größten privaten Arbeitgebern der Wallonie. Rund 8.500 Menschen beschäftigt der britische Pharmakonzern an seinen Standorten in Wavre und Rixensart in der Provinz Wallonisch-Brabant sowie in Gembloux in der Provinz Namur.

Nun will das Unternehmen seine belgische Organisation neu aufstellen. Nach den bislang vorgelegten Plänen könnten bis 2028 insgesamt 482 unbefristet beschäftigte Angestellte sowie 735 Führungskräfte mit unbefristetem Vertrag ihre Stelle verlieren. Arbeiter mit unbefristeten Verträgen sollen hingegen nicht betroffen sein. (belga/calü)

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