Wer in Grenznähe wohnt, könnte beim Tanken künftig verstärkt nach Frankreich schauen. Dort hat die Regierung beschlossen, schrittweise Diesel aus den strategischen Reserven auf den Markt zu bringen. Die Vorräte werden Mineralölunternehmen zu günstigeren Konditionen angeboten – unter der Voraussetzung, dass die Preisnachlässe bei den Verbrauchern ankommen.
Erste Auswirkungen sind bereits sichtbar: Die französische Supermarktkette E.Leclerc kündigte laut „Le Soir“ eine Preissenkung von 21 Cent pro Liter an ihren 742 Tankstellen an. TotalEnergies reduzierte den Dieselpreis in seinem günstigeren Access-Netz auf 2,15 Euro pro Liter.
Hintergrund sind die stark gestiegenen Energiepreise infolge des Krieges am Persischen Golf. Bereits im Oktober hatten die G7-Staaten und mehrere EU-Länder angekündigt, rund 100 Millionen Barrel Öl und Diesel auf den Markt zu bringen. Die erhoffte Entspannung blieb bislang jedoch weitgehend aus.
Belgien beteiligt sich an internationaler Aktion
Lange hatte sich Belgien gegen eine Freigabe seiner strategischen Reserven gewehrt. Der föderale Energieminister Mathieu Bihet (MR) argumentierte, diese Vorräte dienten der Versorgungssicherheit und nicht der Regulierung von Kraftstoffpreisen.
Inzwischen hat die Föderalregierung ihre Haltung geändert. Wie das Kabinett des Ministers gegenüber „Le Soir“ bestätigte, beteiligt sich Belgien an der gemeinsamen Initiative der Internationalen Energieagentur (IEA).
„Belgien hat sich tatsächlich verpflichtet, sich im Rahmen der gemeinsamen Aktion der IEA an den internationalen Bemühungen zur Bereitstellung strategischer Ölreserven zu beteiligen“, erklärte das Ministerbüro.
Konkret werden 35.000 Tonnen Öl in Form einer entsprechenden Menge Straßendiesel freigegeben. Das entspricht rund 260.000 Barrel. Die Versorgungssicherheit sei dadurch nicht gefährdet: Die belgischen Reserven deckten weiterhin mehr als 90 Verbrauchstage ab.
Keine direkten Rabatte an belgischen Tankstellen
Während Frankreich die zusätzlichen Mengen gezielt für Preissenkungen nutzt, verfolgt Belgien einen anderen Ansatz. Eine unmittelbare Verbilligung des Diesels ist nicht vorgesehen. „Das Gesetz sieht bei uns einen Verkauf zum Marktpreis vor“, erklärte das Kabinett Bihet gegenüber „Le Soir“.
Damit können belgische Autofahrer vorerst nicht mit vergleichbaren Preisnachlässen wie in Frankreich rechnen. Allenfalls könnte das zusätzliche Angebot auf dem internationalen Markt für eine gewisse Entspannung sorgen. Ob sich dies tatsächlich an den Tankstellen bemerkbar macht, bleibt offen. (calü)

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