Immer mehr Belgier arbeiten auch dann, wenn sie krank sind

<p>Arbeiten trotz Krankheit ist in Belgien weit verbreitet: Laut einer neuen Studie gehen 27 Prozent der Beschäftigten auch dann zur Arbeit, wenn sie krank sind. Häufig sind liegen gebliebene Aufgaben und Zeitdruck die Gründe dafür.</p>
Arbeiten trotz Krankheit ist in Belgien weit verbreitet: Laut einer neuen Studie gehen 27 Prozent der Beschäftigten auch dann zur Arbeit, wenn sie krank sind. Häufig sind liegen gebliebene Aufgaben und Zeitdruck die Gründe dafür. | Foto: picture alliance/dpa

Krankmelden und zu Hause bleiben? Für zahlreiche Arbeitnehmer in Belgien kommt das offenbar nicht infrage. Wie aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des Präventions- und Gesundheitsdienstleisters Mensura hervorgeht, geben 27 Prozent der Befragten an, auch im Krankheitsfall grundsätzlich weiterzuarbeiten. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei lediglich vier Prozent.

Für die alle zwei Jahre durchgeführte Studie befragte das Forschungsinstitut Indiville im Auftrag von Mensura insgesamt 1.043 Beschäftigte. Die Ergebnisse wurden unter anderem nach Region, Branche und Unternehmensgröße gewichtet.

Die Zahlen zeigen, wie verbreitet das Arbeiten trotz Krankheit inzwischen ist: 81 Prozent der Befragten haben nach eigenen Angaben bereits mindestens einmal krank gearbeitet. Insgesamt 82 Prozent wären bereit, auch während einer Erkrankung bestimmte berufliche Aufgaben zu übernehmen, sofern ihr Gesundheitszustand dies zulässt.

Dabei gibt es allerdings Unterschiede. 34 Prozent würden weiterarbeiten, solange ihre Genesung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Weitere 48 Prozent möchten zumindest prüfen, welche Aufgaben sie während einer Krankschreibung noch erledigen könnten.

Wenn die Arbeit sonst liegen bleibt

Doch warum gehen so viele Menschen trotz gesundheitlicher Beschwerden arbeiten? Als wichtigste Gründe nennen die Befragten liegen bleibende Aufgaben und einzuhaltende Fristen. Viele befürchten offenbar, dass sich die Arbeit während ihrer Abwesenheit nur weiter auftürmt.

Mensura warnt deshalb vor dem sogenannten Präsentismus – also dem Phänomen, dass Beschäftigte trotz Krankheit arbeiten, weil sie sich dazu gedrängt fühlen.

Dabei müsse zwischen freiwilliger, gesundheitlich vertretbarer Arbeit und einer Tätigkeit unter Druck unterschieden werden, betont Mensura-Experte Bart Teuwen. Angepasste Arbeitszeiten, Homeoffice oder andere Aufgaben könnten es ermöglichen, während einer Erkrankung eingeschränkt tätig zu bleiben, ohne die Genesung zu gefährden.

Dass Arbeitnehmer grundsätzlich arbeiten müssen, obwohl sie krank sind, halten inzwischen nur noch 18 Prozent der Befragten für eine unzulässige Erwartung ihres Arbeitgebers. 2024 waren es noch 26 Prozent.

Psychische Probleme bleiben ein Tabuthema

Besonders besorgniserregend sind die Ergebnisse beim Thema psychische Gesundheit. Zwar fühlen sich 67 Prozent der Beschäftigten prinzipiell wohl dabei, mit ihren Vorgesetzten über Gesundheit und Wohlbefinden zu sprechen. Geht es jedoch konkret um psychische Probleme, sinkt dieser Anteil auf gerade einmal zwölf Prozent.

Zum Vergleich: 2024 waren es noch 24 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Anteil damit halbiert.

Hinzu kommt, dass 14 Prozent der Beschäftigten psychische Belastungen weder mit einer Vertrauensperson noch mit dem Betriebsarzt oder einem nahestehenden Kollegen besprechen. (belga/calü)

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