Zwei Jahre nach Tragödie von Novi Sad: Gedenken in Brüssel an 16 Todesopfer

<p>Rund 100 Menschen versammelten sich am Sonntag auf dem Schuman-Platz in Brüssel, um der 16 Todesopfer der Bahnhofskatastrophe von Novi Sad in Serbien zu gedenken.</p>
Rund 100 Menschen versammelten sich am Sonntag auf dem Schuman-Platz in Brüssel, um der 16 Todesopfer der Bahnhofskatastrophe von Novi Sad in Serbien zu gedenken. | Foto: belga

Am 1. November 2024 war das Vordach des kurz zuvor renovierten Bahnhofs von Novi Sad eingestürzt. 16 Menschen kamen ums Leben. Die Katastrophe löste in Serbien eine landesweite Protestwelle gegen Korruption und die damalige politische Führung aus.

Zum zweiten Jahrestag versammelten sich am Sonntag rund 100 Menschen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel. Organisiert wurde die Gedenkveranstaltung von Palac Gore, einer Vereinigung der serbischen Diaspora in Belgien, die sich für Demokratie einsetzt.

Um 11.52 Uhr hielten die Teilnehmer 16 Schweigeminuten ab – eine für jedes Todesopfer. 17 Menschen trugen jeweils eine brennende Kerze und eine Rose. 16 weiße Rosen erinnerten an die Verstorbenen. Eine rote Rose stand für einen Menschen, der lebend aus den Trümmern gerettet worden war, und symbolisierte nach Angaben der Organisatoren zugleich die Hoffnung auf ein Serbien ohne Korruption und autoritäre Herrschaft.

„Heute feiern wir nicht. Heute erinnern wir uns.“

Im Anschluss an die Schweigeminuten verlasen 16 Teilnehmer abwechselnd einen gemeinsamen Text. Darin erinnerten sie an die Studentenproteste, Universitätsblockaden und Demonstrationsmärsche, die sich nach der Katastrophe über das ganze Land ausgebreitet hatten.

Auch die Unterstützung aus dem Ausland wurde gewürdigt. Im Mai 2025 waren serbische Studenten nach einem rund 2.000 Kilometer langen Marsch in Brüssel angekommen.

Die Gedenkveranstaltung fand eine Woche nach einem Wahlerfolg einer von Studenten getragenen Liste in Serbien statt, der nach Angaben von Belga die Macht des politischen Lagers um Aleksandar Vučić beendete.

„Vergangenen Sonntag hat Serbien gewählt, und die Studenten haben gewonnen“, erklärten die Redner. „Aber heute feiern wir nicht. Heute erinnern wir uns. Dieser Sieg ist aus dem Schmerz von 16 Familien entstanden.“

Die Teilnehmer würdigten die überwiegend friedlichen Proteste und betonten, dass der politische Wandel nun auch zu unabhängigen Institutionen führen müsse, die Verantwortung feststellen und gegebenenfalls strafrechtlich verfolgen können.

Ermittlungen dauern weiterhin an

Auch in Novi Sad selbst kamen am Sonntag mehrere Tausend Menschen zusammen. Trotz Regens versammelten sie sich vor dem Bahnhof, legten Blumen und Kerzen nieder und erinnerten mit beschrifteten Herzen an die Opfer.

Die Katastrophe hatte eine der größten Protestbewegungen in Serbien seit dem Sturz von Slobodan Milošević im Jahr 2000 ausgelöst.

Die juristische Aufarbeitung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Mehrere Ermittlungsverfahren laufen weiterhin, ein Gerichtsprozess hat bislang nicht begonnen. Der frühere Bauminister Goran Vesić und zwölf weitere Personen wurden 2025 wegen schwerer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angeklagt.

Auch die Europäische Staatsanwaltschaft untersucht, ob im Zusammenhang mit der Renovierung des Bahnhofs europäische Fördermittel veruntreut wurden.

Für die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung in Brüssel bleibt die vollständige Aufklärung deshalb ein zentrales Anliegen. „Das Schwierigste liegt hinter uns, aber die Arbeit ist noch nicht beendet“, erklärten die Redner. Sie forderten, sämtliche Verantwortlichkeiten für die Katastrophe offenzulegen. (belga/calü)

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