Ausgangspunkt der Unruhen waren Aufrufe zu Demonstrationen, die seit einiger Zeit über anonyme Konten in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Auch für Samstag war zu einem Protest in Kortrijk aufgerufen worden. Die zuständige Polizeizone Vlas, zu der neben Kortrijk auch Kuurne und Lendelede gehören, hatte deshalb ihre Präsenz verstärkt.
Die angekündigte Demonstration fand letztlich nicht statt. Stattdessen versammelte sich eine nationalistisch orientierte Gruppe, die über verschiedene Kanäle dazu aufgerufen hatte, nach Kortrijk zu kommen, um die Stadt zu „beschützen“. Unter den Teilnehmern befanden sich nach Polizeiangaben auch Angehörige gewaltbereiter Fußballfanszenen verschiedener Vereine sowie nationalistische Jugendliche.
Die Gruppe zog durch die Einkaufsstraßen und skandierte Parolen. Gegen 19 Uhr traf sie am Veemarkt auf eine friedliche pro-palästinensische Mahnwache, der sich auch Jugendliche mit Migrationshintergrund angeschlossen hatten.
Polizei verhindert weitere Eskalation
Zwischen beiden Gruppen kam es zunächst zu gegenseitigen Provokationen. Anschließend entwickelten sich an mehreren Stellen im Stadtzentrum, unter anderem in der Lekkerbeetstraat, handgreifliche Auseinandersetzungen. Die Polizei versuchte, die Gruppen voneinander zu trennen. Da sich die Konfrontationen an wechselnde Orte verlagerten, wurden zusätzliche Kräfte aus benachbarten Polizeizonen sowie der Föderalpolizei angefordert. Gegen 20.30 Uhr verhängte Bürgermeisterin Ruth Vandenberghe (Anders) ein Versammlungsverbot innerhalb des Stadtrings R36. Erst gegen 21.30 Uhr beruhigte sich die Lage wieder.
Bei den Einsätzen wurden neun minderjährige und erwachsene Personen aus beiden Gruppen vorläufig aus Gründen der öffentlichen Ordnung festgenommen. Gegen sie soll ein Aufenthaltsverbot für bestimmte Bereiche verhängt werden. Zudem wurden strafrechtliche Protokolle aufgenommen, die von der Staatsanwaltschaft Westflandern in Kortrijk bearbeitet werden sollen.
Weitere 41 Beteiligte konnten identifiziert werden. Gegen sie wurden kommunale Verwaltungsprotokolle erstellt. Ihnen drohen Geldbußen von bis zu 500 Euro.
Bürgermeisterin kritisiert gezielte Provokationen
Bürgermeisterin Vandenberghe zeigte sich verärgert über die Vorfälle. „Es ist absurd, dass so viele Polizeikräfte eingesetzt werden müssen, weil eine angebliche Demonstration angekündigt wurde, die nicht einmal stattgefunden hat“, erklärte sie. Wer bewusst nach Kortrijk komme, um Auseinandersetzungen zu provozieren oder die öffentliche Ordnung zu stören, müsse mit Konsequenzen rechnen.
Gleichzeitig lobte die Bürgermeisterin das entschlossene Vorgehen der Polizei. Nicht nur die neun festgenommenen Personen, sondern auch Dutzende weitere Beteiligte seien identifiziert worden. „Auch sie werden sich für ihr Verhalten verantworten müssen“, betonte Vandenberghe. Kortrijk müsse eine Stadt bleiben, in der sich alle Menschen frei und ohne Angst bewegen könnten. (belga/red)

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